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Dienstag, Dezember 26, 2017

Produkte, die verschwunden sind

Vom Aussterben von Produkten

Im Lauf meines Lebens sind schon viele Produkte, die mal richtig wichtig waren, nahezu vollständig verschwunden. Ich will in diesem Nachruf auf meine kleine Geschichte zu dem jeweiligen Produkt hinweisen. Die Reihenfolge entspricht meiner unsortierten Liste der Erinnerungen.

Wählscheibe

Unser erstes Telefon, das wir nach langen Diskussionen in der Familie über die Kosten und Nützlichkeit, in den 1970er-Jahren bekommen haben, hatte eine Wählscheibe und war grün. Die Farbe Grün kostete einen Aufpreis von 1 DM im Monat! Das Telefon gehörte auch nicht uns, sondern der Post. Wollte man jemanden erreichen, steckte man den Finger in eine Scheibe mit zehn Löchern, drehte die Scheibe im Uhrzeigersinn bis zu einem metallenen Anschlag, nahm den Finger heraus und wartete bis sich die Scheibe wieder in die Ausgangsposition zurückgedreht hatte. Dann kam die nächste Nummer!
Zum Glück waren die Telefonnummern früher kürzer, unsere hatte nur drei (!) Stellen und Ferngespräche, insbesondere internationale, waren wegen der Kosten sehr selten.

Als Kinder hatten wir schon vor dem Eintreffen des echten Telefons das Wählen an einem Spielzeugtelefon geübt, sodass uns das Ganze völlig normal vorkam.

Telefonhäuschen

Als ich ein kleines Kind war, ging man zum Nachbar, der ein Unternehmen hatte und telefonierte dort. Das geschah aber höchstens einmal im Quartal. 
Dann gab es ein Gerücht, am Bahnhof soll eine Telefonzelle gebaut werden, zunächst sah man nur einen Betonsockel, aber innerhalb von einem Jahr stand da tatsächlich eine "moderne" gelbe Telefonzelle. Telefonieren ohne den Nachbarn zu nerven, welch ein Traum. Meine Tante schenkte mir mal eine Mark, damit ich Sie von dieser Telefonzelle aus anrufe. 
An vielen Orten fand man dann die gelben Häuschen, insbesondere beim Postamt. Während des Studiums war jede Woche ein Besuch in der nächstgelegenen Telefonzelle angesagt, um Zuhause den letzten Stand der Dinge durchzugeben, aber wie stand so schön an der Glaswand: "fasse Dich kurz" was ich aufgrund von Geldmangel immer gerne eingehalten habe.

Zwei Telefonzellen in Gelb am Titisee
Mit der Einführung der Magenta Telefonpunkte der Telekom war der Höhepunkt dieser Zelle überschritten. Bald rochen sie immer strenger und waren immer öfter kaputt, und inzwischen sind sie aufgrund des Smartphones ausgestorben.

Telefonbuch

Wer telefonieren will, muss die Nummer des Teilnehmers kennen. Dafür gab es ein Telefonbuch. Interessanterweise standen dort nur die Telefonnummern aller Menschen im Landkreis, Ferngespräche erforderten eine Anfrage bei der Auskunft. 
Aber in München, am Hauptpostamt neben dem Hauptbahnhof, gab es alle Telefonbücher Deutschlands (Westdeutschlands, versteht sich). Dort standen dann immer viele Menschen und blätterten nach Nummern, die sie in kleine Notizbücher, sogenannte Telefonbüchleins, eintrugen. 
Es gab auch Menschen, die konnten sich hunderte von Nummern merken, ich glaube dazu gehörte meine Mutter, als sie noch arbeitete.

Fahrplanbuch

Ein weiteres Buch, das Daten lieferte, war das Fahrplanbuch. Nach einem sehr speziellen Schema standen da die Abfahrtszeiten aller Züge der Region, etwa Oberbayerns. Wollte man eine Reise antreten, musste man mit viel Geschick eine Route finden und passende Anschlüsse.
Gab es eine Fernreise ging man zum Bahnhof, dort waren weitere größere Fahrplanbücher verfügbar und man konnte eine Deutschlandreise planen. 
Da die Bundes-Bahn alle sechs Monate die Fahrpläne änderte, war man gezwungen, halbjährlich, gegen eine Schutzgebühr von einer Mark, einen neuen Fahrplan zu kaufen. 
Mit dem nahezu sensationellem Erscheinen der Fahrplan CD war dieses Buch am Ende. 

LP

Für Langspielplatten soll es ja wieder Anhänger geben, aber das ist schon ein Zeichen, dass es nicht mehr der Mainsteam ist. Das gilt sogar für alle drehenden Datenspeicher. Weder CD, DVD noch Festplatte werden dieses Jahrzehnt überleben. Aber es wird immer Nischen geben und immer Freunde von Oldtimern.
Die LP ist gestorben, weil besserer Klang und einfachere Handhabung der CD alle überzeugt hat. Für mich gab es nie eine LP, da ich von Anfang an, will sagen von meinem Musikalter an, überzeugt war, dass die LP verschwindet und die CD kommt. Daher habe ich eine gewisse CD Sammlung, aber noch nie eine LP besessen.

Kassette

Die Musikkassette war eine merkwürdige Übergangstechnologie. Auf der einen Seite hat sie das Spulen Tonband beerbt, weil sie weniger Platz benötigt und einfach zu handhaben war, andererseits war sie nicht digital, wie der Nachfolger der LP, die CD. 
Originellerweise war mein erster Datenspeicher aber doch eine Musikkassette, auf den mein Sinclair ZX80 seine Daten unter erstaunlichem "Gejaule" überspielt hat. Also eine liebenswerte Zwischentechnologie auf dem Weg ins Digitalzeitalter.
Für die Musikindustrie hatte die MC den großen Vorteil, dass die Aufnahmequalität eher schlecht war, sodass keiner eine 2. oder gar 3. Generation kopierte. 
Mit dem Walkman war die MC aber auch ein Fingerzeig auf unsere Smartphones. Ich hatte dereinst einen Walkman mit eingebautem Radio und Lautsprecher (ca. 1983). Damit war man "online, wenn man Nachrichten hörte, und autonom, wenn man sich seine Musik aussuchte.

Röhre

Mit der Erfindung der Elektronenröhre begann das elektronische Zeitalter. Damit war es erstmals möglich, hochfrequente elektrische Signale zu verstärken, was insbesondere dem Telefon, dem Rundfunk und später der Digitaltechnik sehr half.
Technisch bedingt brauchen Elektronenröhren viel Strom und viel Platz, sodass sie nur für stationäre Geräte infrage kommen und immer erst vorgeglüht werden müssen.
Zu Hause hatten wir zwei Röhrenradios, die erst nach einige zehn Sekunden nach dem Einschalten Töne von sich gaben. Besonders faszinierend war für mich das "Magische Auge", eine Elektronenröhre, die mit Phosphor beschichtet war und mit der man erkennen konnte, wie gut ein Sender im Radio eingestellt war.
Außer in der Szene der Hi-Fi Fetischisten findet man heute praktisch keine Elektronenröhre mehr.

Röhrenmonitor

Die Braunsche Röhre war der Gipfel der Elektronenröhre. Sie kann Bilder auf einem Bildschirm erzeugen, damit kam das Fernsehen, zuerst s/w dann in Farbe. Bis zu massiver Größe von fast einem Meter ist der Röhrenmonitor auch ein echtes Dinosaurier der Röhrentechnik.
Mein erster Fernseher, s/w, wurde im Studium zu einem Computermonitor umgebaut, indem ich einen 5 MHz Eingang angebaut habe. Damit hatte ich ein viel besseres Bild, als alle die per HF Signal eingespeist hatten. Doch das Problem des Flimmerns und der unscharfen Pixel blieb bis zum Eintreffen der Flachbildschirme. Mein erster Flachbildschirm war wieder ein Computermonitor, jetzt an einem Laptop ca. 1990 und in s/w.

Glühbirne

Wenn es ein Symbol für Erfindungen gibt, dann ist es die Glühbirne. Daniel Düsentrieb hatte immer ein Helferlein, das mit einem Glühbirnenkopf rumlief. 

Bis heute ist bei Powerpoint das Symbol für Idee eine Glühbirne, auch wenn das bald keiner mehr versteht. Ähnlich wie die Diskette für "speichern" unter Windows als Symbol verwendet wird.
In meiner Kindheit gab es immer zwei Gründe, wenn es im Zimmer plötzlich dunkel wurde, entweder ist die Glühbirne kaputt gewesen oder es gab Stromausfall. Ja, man hatte früher nur eine Glühbirne pro Raum und sonst hat nichts ständig geleuchtet, Ausnahme, der Radio, wenn er eingeschaltet war.

Nickel-Cadmium Akku

Strom und Batterien gab es schon lange, als die Nickel-Cadmium Akkus auftauchen. Ein Traum für den jugendlichen Batterie-Benutzer. Die Batterien waren sehr teuer, man hatte immer mit dem Memory Effekt zu kämpfen und am Schluss wusste keiner wohin, da sich langsam herumgesprochen hatte, dass Cadmium eigentlich nicht gesund sein sollte.

Holzbefeuerter Küchenherd

Meine ersten Erinnerungen in der Küche waren ein Holzofen, in dem kurze Holzstücke geworfen wurden und dann alles so heiß wurde, dass ich nicht in die Nähe durfte. Manchmal wurde das weiße Türchen geöffnet und weiteres Holz eingeworfen. Ganz rechts war ein großer Wasserbehälter, der nach dem Kochen voll mit warmen Wasser für das Abspülen war. 
So ähnlich sah wohl unser alter Küchenherd aus.

Bald kam aber ein Mann und brachte einen Elektroherd mit Eisenplatten, montierte kompliziert am Sicherungskasten und erklärte all die neuartigen Funktionen des Herds. Die Frontseite war immer noch weißes Email, aber kein Ofenloch mehr, sondern nur noch ein Backrohr. 
Der alte Ofen blieb in der Küche, bekam eine große Holzplatte als Abdeckung und war damit eine gute Arbeitsfläche. In Betrieb wurde das "Back-up" nie wieder genommen.

Zimmer-Ölofen

Wärme gab es in unserer Wohnung bald mit Ölöfen. Ein sehr seltsames Gebilde aus heutiger Sicht. 
Im Schuppen stand ein Ölfass, das voll mit Diesel war, ja früher gab es da keine rote Farbe. Dieses Öl wurde in eine Gießkanne, ähnlich der für das Wasser im Garten, gefüllt. Dann trug man die Kanne unter mehr oder weniger Geklecker in die Wohnung und füllte die 10 Liter im Zimmer in den Ofen.

Das richtige Abenteuer war aber das Anzünden! In der Frühe kam immer meine Mutter ins Zimmer, schaltete den Ofen an, genaugenommen floss jetzt etwas Öl in den Brennraum. Nach etwa zwei Minuten öffnete man den Deckel des Brennraums, lies dann geschickt ein Zündholz in das Öl fallen und nach einigen Minuten wurde der Ofen spürbar warm.
Wehe, man hatte zu lange mit dem Anzünden gewartet, dann stand das Öl etwa fünf Millimeter hoch im Brennraum, nach dem Anzünden, das dann nur noch mit einem Knäuel Zeitungen gelang, begann das Feuer so stark zu brennen, dass das Ofenrohr rot glühte.

Nach dem Umzug in eine neue Wohnung gab es Heizkörper in jedem Zimmer und ich glaube, die alten Zimmer-Ölöfen sind inzwischen sehr rar geworden.

Fensterladen

Da Heizen teuer war, wurden die Fenster in der Nacht mit einem Fensterladen verschlossen. Fensterläden sind ein sehr guter Wärmeschutz, wenn sie gut schließen. 
Die Mühe bestand aber darin, die Läden zu schließen, dazu müssen die Fenster ganz geöffnet werden, ein Haken, der den Fensterladen an der Wand fixierte, gelöst werden und der Laden nach Innen gezogen werden. Dass das eine echte Gymnastik war erlebte ich, als meine Mutter sich einmal einen Hexenschuss bei dieser Übung holte. 
Das Rollo ist zwar hässlich, aber übernimmt heute fast immer die gleiche Funktion. 

Wäscheschleuder

Waschen mit der Waschmaschine ist eine der wichtigsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts, nach Rosling vermutlich eine der Ursachen, dass Frauen heute nicht mehr zu Hause sein müssen und damit die Gleichberechtigung erlangt haben. 

Eine Waschmaschine kam bei uns auch früh ins Haus, aber auch eine Wäscheschleuder. Das war ein zylinderförmiger Behälter, den ein Elektromotor auf hohe Drehzahl brachte, sodass die Kleidungsstücke darin vorgetrocknet wurden.  
Ich weiß noch wie ich immer bewundernd von oben in die rotierende Wäsche sah und beobachtete wie das Wasser unten in einen kleinen Eimer lief. Es gab da keine Sicherheitstüre, ich hätte jederzeit mit meinem Arm in die Schleuder greifen können. Habe ich aber nicht, da (früher?) alle Kinder etwas schlauer waren.
Heute ist die Schleuderfunktion in die Waschmaschine integriert und das Umladen in die separate Schleuder entfällt. 

Leiterwagen

Vor der Zeit des Autos und des dazugehörigen Kofferraums mussten die Menschen Ihre Sachen auch nach Hause bringen. Fast niemand hatte dafür eine Kutsche, sondern fast jeder einen Leiterwagen.
Wir hatten natürlich auch einen und ich erinnere mich, wie wir damit zum Bahnhof gefahren sind und an der Güterhalle an der Laderampe die Stückgutsendung "Kinderschaukel" abzuholen. Das lange Paket kam auf den Leiterwagen und wurde heimgezogen. 
Das war wohl der letzte produktiver Einsatz unseres Leiterwagens

Den letzten Leiterwagen im "produktiven" Einsatz habe ich in Tübingen 1988 gesehen, dort ist ein alter Mann damit durch die Stadt gezogen, um altes Eisen zu sammeln. Leider ist auch er aus dem Stadtbild längst verschwunden.

Telefonkabelverlängerung

Eine der unglaublichsten Erfindungen war das Telefonverlängerungskabel. In jeder Wohngemeinschaft war das ein Pflichtzubehör zum Telefon. Immer wenn das Telefon läutete, fragte man, wer wird gewünscht und hat dann das Telefon in das passende Zimmer getragen und die Türe geschlossen. Nach einiger Zeit hatte dieses Kabel viele Knicke und neigte zum Verdrillen, wie auch die Schnur zum Telefonhörer.
Unglaublich ist aber, dass das Stück von 5 Meter Länge jeden Monat eine Mark Miete gekostet hat. 
Funktelefone und Handys haben hier das Kabel völlig abgelöst.

Telefonimpuls-Zähler

Da Telefonieren teuer war und in meiner Wohngemeinschaft Mitte der 1980er-Jahre sorgfältig abgerechnet wurde, gab es ein kleines graues Kästchen, in dem ein Zählwerk arbeitete und die Telefonimpulse, die je nach Entfernung des Gesprächspartners unterschiedlich häufig eintrafen, zählte. Am Ende eines Telefonats trug man in die Liste den Anfangsstand, den Endstand und die eigenen Impulse des Zählers ein, am Monatsende wurde dann in der Wohngemeinschaft abgerechnet. 

Flatrate? Das gab es noch nicht. Skype und Handy waren reiner Science Fiction.

Filterkaffeemaschine

Sicher noch nicht ganz ausgestorben und wer noch das Wort Melitta kennt weiß, Kaffeefilter.
Der Traum meiner Mutter war immer eine Kaffeemaschine. Dieser ging in Erfüllung, als sie für eine Lehrerin die Zulassungsarbeit in die Schreibmaschine eingetippt hatte. Der Lohn für die wochenlange Arbeit war eine Krups Kaffeemaschine!

Im Zeitalter von Latte Macchiato, Espresso und zwanzig andere Varianten von koffeinhaltigen Gebräu ist die alte Filtermaschine im Speicher verschwunden und dient nur als Back-up bei seltenen Gelegenheiten.

Transmission mit Lederriemen

Eine sehr gefährliche Form der Energieübertragung erinnere ich noch aus der Kindheit. Wenn der Nachbar sein Holz sägte, dann stand da ein Traktor mit einem großen Eisenrad und die Sägemaschine. Dazwischen lief ein Lederband und trieb die Säge an. Wer seinen Arm in diesen Mechanismus bekommen hatte, war arm dran, da Arm ab. 
Wir Kinder durften einfach herumstehen und zusehen.

Heute sind Elektromotoren so billig, dass jede Säge einen eigenen Motor hat und die sehr gefährlichen Transmissionsriemen sind zum Glück verschwunden. 

Fernsehantenne

Mit dem Fernseher kam früher auch die Fernsehantenne auf das Dach. Da wir aber in einem altem schönen Haus wohnten, verbat sich das. So montierte der Elektroinstallateur die Antenne einfach im Dachstuhl unter dem Dach. 
Viele Häuser hatten jedoch eine Antenne auf dem Dach, ein Anblick der in einer Altstadt nicht wirklich schön war. Ich erinnere mich noch an einen Artikel im Stern, der beschrieb, dass man durch Kabel das Problem lösen könnte und eine Fotomontage zeigte eine Stadt ohne Antennen.

Diese Vision ist heute Wirklichkeit, fast 50 Jahre nach dem Artikel.

Milchkanne

Milch war für mich als Kind sehr wichtig und so natürlich auch die Milchkanne. Wir hatten sogar zwei, eine aus Aluminium-Blech und eine "moderne" aus Plastik. Sicher aus einem Material, das heute nicht mehr für Lebensmittel zulässig wäre.
Mit den Kannen ging meine Mutter fast jeden Tag zum Krämerladen, der füllte die Kannen mit einem Schöpflöffel, für heutige Hygiene unvorstellbar, aus einer offenen, großen Milchkanne, die er vom Bauern hatte. Zu Hause gab es dann frische Milch und der Rest wurde abgekocht oder zu Pudding verarbeitet, was ich die beste Verwendung von Milch fand.

Die Ablösung der Milchkanne war nicht einfach, Milchtüten, aber auch Milchschläuche aus Plastik waren im Handel. Beim Öffnen gab es immer ein Problem, erstaunliche Aufklapp- und Schneidetechniken machten die Runde, bis alle Milchtüten einen kleinen Schraubverschluss bekamen.

Tonbandgerät

Tonbandgeräte sind Kassettenrekorder, bei denen es keine Kassette, sondern Spulen gibt. Mein Vater hatte ein solches Gerät von Grundig und zeichnete damit unsere Kinderstimmen, und selten auch mal Musik, auf. Die Bedienung war für einen Nichttechniker wie meinen Vater sehr mühsam, aber es wurden doch einige Aufnahmen erfolgreich aufgezeichnet. Auch, wenn die Bänder leider verloren gingen.

In Sendestudios fristeten diese Bandgeräte noch lange hin, bis sie von moderner Digitaltechnik abgelöst wurden.

Floppy Disk

Eine flexible Scheibe aus Tonbandmaterial konnte früher 128 kByte Daten speichern. Sony brachte dann eine Floppy Disk mit 3 1/2 Zoll in einem Kunststoffgehäuse heraus, die 1,44 MByte speichern konnte. Ob man jemals so viel Daten benötigen wird, da der Hauptspeicher bei meinem Computer nur 48 kByte hatte?

Überlebt hat die Floppy in folgendem Witz: Der Sohn sieht eine Floppy Disk in Vaters Zimmer und sagt; "Cool, du hast das Speichern-Icon von Windows im 3D-Drucker ausgedruckt!"

Armbanduhr

Ein Kindheitstraum war der Besitz einer Armbanduhr. Auf meiner Kellogs Packung wurde eine wasserdichte Uhr angepriesen, die ich dann für 42 DM erworben habe. Immer am Arm, selbstverständlich auch in der Nacht, denn sie hatte ja Leuchtzeiger!
Die Technik wechselte dann zu LED, eine Quarz-Uhr bei der man einen Knopf anklicken musste, um die Zeit zu sehen, zu einer LCD Uhr mit Stopptaste bis zu einer Uhr mit Höhenmesser von Casio. 
Diese besitze ich noch immer, aber dank Smartphone und anderer elektronischer Geräte mit Zeitanzeige ist die Armbanduhr nur noch höchst selten am Arm.
  

Dampflok

Zum Schluss noch die Erfindung, die das Industriezeitalter eingeleitet und dominiert hat, die Dampfmaschine und insbesondere die Dampflok.

Museums-Dampflok in Silverton, USA.
Da ich am Bahnhof aufgewachsen bin, waren mir Dampfloks sehr vertraut. Auf der Fußgängerbrücke gab es manchmal die Möglichkeit, direkt durch den Dampf, der aus dem Kamin der Dampflok kam, zu gehen. Ein Erlebnis, das ich noch aus meinem ersten Schuljahr erinnere und auch ein Erlebnis, von dem ich noch weis, dass ich dachte, das könnte das letzte Mal sein, dass ich das erlebe ("This could be the last time"). Das lag daran, dass mir mein Vater sagte, in zehn Jahren wird es nur noch Dieselloks geben.

Heute gibt es nur noch Museumseisenbahnen, außer in Nordkorea, wie ich gehört habe.
Abgelöst wurde die Dampflok von vielen anderen Verkehrsmittel und Antriebsformen, neben ICE und Düsen-Flugzeug, Diesel-Pkw und Elektrolok auch einigen Dieselloks.

Fehlt was? Einfach Kommentar schreiben.

Es gibt auch viele Wörter, die verschwunden sind, zuweilen weil die Produkte verschwunden sind: Artikel in der Welt.


Sonntag, Oktober 30, 2016

Das Ende der Bahn

Hat die Bahn eine Zukunft?

In meiner Jugend bin ich sehr viel Bahn gefahren und dies aus zwei Gründen, zum einen hatte ich kein Auto, zum anderen fand ich die Bahn eine ökologisch sehr günstiges Verkehrsmittel. Noch immer besitze ich eine Bahncard First für gelegentliche Zugreisen.
Heute fahre ich relativ viel mit dem Auto, mit meinen elektrisch angetriebenen Tesla, und bei großen Strecken nehme ich das Flugzeug, doch ist das wirklich eine vertretbare Art zu reisen? In diesen Blog will ich mal auf die Zukunft der Bahn eingehen

Vorteile der Bahn

Die Bahn hat einen sehr großen Vorteil bei Reisen, das Mitfahren im Zug ist einfach im Vergleich zum Flugzeug. Man löst schlicht und einfach eine Fahrkarte, heute kann man dies normalerweise von zu Hause aus, und steigt in den Zug, ohne Sicherheitskontrolle, und los geht die Reise. Im Zug sitzt man bequem, muss sich nicht um den Verkehr kümmern und kann gegebenenfalls den Laptop aufklappen und sogar arbeiten. Je nach Ziel  ist man einige Stunden später angekommen steigt aus und kann seinen Geschäften nachgehen.
Weltkulturerbe Rhätische Bahn, die wird bleiben!

Die Praxis

Soweit die Theorie leider sieht die Praxis deutlich anders aus. Wer nicht direkt am Bahnhof wohnt muss diesen erstmal erreichen.
Da am Bahnhof die Züge nicht kontinuierlich abfahren, sondern für das jeweilige Reiseziel zu einer festen Zeit, typischerweise jede Stunde, muss man exakt rechtzeitig am Bahnhof ankommen. Schon eine Minute zu spät und man wartet eine weitere Stunde. Diese Nichtlinearität führt zu sehr unangenehmer Hektik und gegebenenfalls zu einer selbst verursachten Verspätung.
Nicht selten wartet man im schlechten Wetter auf den Zug.


Sitzt man im Zug und will arbeiten, ist es leider nicht ganz so bequem wie gedacht, denn das wichtigste was man am Laptop benötigt ist das Internet. Erstaunlicherweise ist es der Bahn bis heute nicht gelungen auf ihrem überschaubaren Streckennetz eine stabile, schnelle Internetverbindung herzustellen. Ich erinnere mich an einen Flug nach Abu Dhabi, im Flugzeug zahlte ich 1 € und hatte eine perfekte Internetverbindung! Wenn dies technisch möglich ist müsste das doch auch in einem dicht besiedelten Gebiet, wie in Deutschland, möglich sein. Ohne Internetverbindung kann ich praktisch nicht arbeiten und auch mit sporadischer Internetverbindung ist mir nicht wirklich geholfen.

Das nächste Problem ist die geplante Ankunft. Fährt man nur eine einzige Strecke mit einem Zug ist die Chance relativ gut dass man das Ziel rechtzeitig erreicht. Allerdings, sobald man auf der Strecke mehrmals umsteigen muss, sinkt die Wahrscheinlichkeit leider dramatisch. Dies liegt wieder an der Nichtlinearität, das bedeutet, hat mein Zug 10 Minuten Verspätung werde ich den Anschlusszug nicht erreichen habe damit eine Stunde Verspätung und der gesamte Tagesplan wird ein Desaster.
Bahnstation in Paris

Menschen die trotzdem geduldig mit der Bahn und dem Intercitys unterwegs sind sagen sich, dies ist eben eine ökologisch günstigere Variante der Fortbewegung. Mit elektrischem Strom, zumeist aus Wasserkraft oder Solarenergie, kann ich die Umwelt schützen. Der Verbrauch pro 100 km liegt im Durchschnitt bei 4-5 Litern Benzin (genaugenommen der vergleichbaren Energiemenge) wenn ich Intercity fahre [1].

Neue Infrastruktur 

Um die Probleme von Verspätungen oder ähnlichem zu lösen versucht die Bahn mit massiven Investitionen in die Infrastruktur die Lage zu verbessern ein Beispiel ist der neue Stuttgarter Bahnhof der leider zehn Milliarden Euro kosten wird. Damit wird vielleicht die Durchfahrt durch Stuttgart etwas schneller für Leute die Stuttgart nicht als Reiseziel haben. Allerdings rechnen sich solche Investitionen bei der Bahn, ob es sich um Tunnel, Neubaustrecken oder Tief-Bahnhöfe handelt, erst nach circa 80 Jahren (Abschreibungszeitraum). Wir  müssen also daran glauben, dass die Bahn bis zum Ende dieses Jahrhunderts noch fährt doch ist das wirklich realistisch?
Komplexe Infrastruktur der Bahn

Das autonome Elektroauto

Ökologische Vorteile

Eine neue Alternative zur Bahn wird das vollautomatische Elektroautos sein, dieses fährt vom Haus zu Haus und nutzt dabei elektrischen Strom als Antrieb, der, ebenfalls wie der Bahn Strom, aus ökologisch günstigen Quellen hergestellt werden kann.
Bereits heute benötige ich für meinen Tesla nur 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer, das entspricht etwa der Energie von 2 Litern Diesel und selbst bei Berücksichtigung von Wirkungsgraden im Kraftwerk nur vier Litern Brennstoff (bei Ökostrom nahezu CO2 frei).
Das autonome Solarauto?

Nimmt man noch hinzu, dass Autos in Zukunft vielleicht besser ausgelastet werden, dank verschiedener vollelektronischer Mitfahrzentralen, ich selber nutze gerne BlaBlaCar, so steigt die Personenzahl von heute 1,5 vielleicht auf zwei oder sogar drei. Damit würde eine Person die reist nur einen Liter Treibstoff (oder 7kWh Strom) pro 100km benötigen.
Da das Elektroauto, vergleichbar dem Zug, völlig emissionsfrei auf der Reise fährt, werden auch die Innenstädte oder Straßenanwohner eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität erleben, da Abgase und Lärm deutlich  bei elektrischen Fahrzeugen vermindert sind.

Reisezeit 

Die optimale elektronische Navigation führt bereits heute zu einem sehr viel zuverlässigerem Ankommen mit dem Auto als mit der Bahn, so ist zumindest meine Erfahrung bei den letzten 30 000 km mit dem Auto, die nie zu einer Verspätung im Bereich von Stunden geführt haben.

Die faktische Reisezeit mit dem Auto ist zudem erheblich kürzer. Dies liegt zuerst am Abfahrtszeitpunkt, den ich mit dem Auto beliebig wählen kann. Bei der Bahn aber im günstigsten Fall an einen Stundentakt gebunden bin. 
ICE im Stundentakt, das bedeutet Abfahrtszeit nie optimal.

Das bedeutet ich fahre mit der Bahn im Durchschnitt 30 Minuten früher weg als ich eigentlich müsste, das gleiche gilt natürlich nochmals am Ziel, dort komme ich im Durchschnitt eine halbe Stunde früher an wie es sein müsste, mithin verlängert sich jede Reise bei der ich die Bahn benutze um mindestens eine Stunde, wenn man von gleicher Fahrtgeschwindigkeit ausgeht. Erst bei Zielen, die über 500 km entfernt liegen, kann, durch die hohe Geschwindigkeit des ICE, etwas Zeit gewonnen werden. Doch dann ist es meistens sogar bequemer das Flugzeug zu wählen, da dort die Reisegeschwindigkeit drastisch gegenüber den Zug sinkt.

Bleibt noch der Vorteil dass man im Zug entspannt fährt und gegebenenfalls arbeiten kann. Dies  ist natürlich auch in einem Auto möglich, das vollautomatisch fährt, dort kann ich ebenfalls meiner Arbeit nachgehen. Interessanterweise habe ich beobachtet, dass im Auto die Internetverbindung beziehungsweise Telefonverbindung erheblich besser ist als bei Zugreisen.

Reisekosten

Bleiben noch die Kosten. Die Fahrt mit dem Auto ist normalerweise etwa gleich teuer wie die Fahrt mit dem Zug. Über die komplexe Struktur von Bahn-Preisen will ich hier nicht berichten, jedoch wird ein Auto in Zukunft, das mehrere Passagiere mitnehmen kann, vollautomatisch fährt und elektrische Energie nutzt, typischerweise wenige Kosten pro Passagier haben als heute. Ich gehe von einem Faktor von 3 oder höher aus. 
Damit wird die Autoreise aber deutlich billiger als die Bahnreise ohne dass es einen nennenswerten Komfortverlust gibt. 

Das Ende der Bahn dämmert

Die logische Konsequenz aus diesen Überlegungen ist natürlich, dass der Bahnbetrieb wesentlich weniger Passagiere hat, mit der Folge, dass entweder die Zahl der Züge ausgedünnt wird mit einer Kettenreaktion in Richtung weniger Züge, weniger Passagiere, ungünstigere Verbindungen und letztendlich der komplexe Bahnbetrieb sich nicht mehr lohnt.
Das letzte Abstellgleis

Alternativ kann der Staat natürlich eine Weile die Bahn (noch stärker) subventionieren, doch ohne sinnvolles Motiv für diese Subventionen, also ökologische oder volkswirtschaftliche Art, wird sich das politisch nicht durchsetzen lassen, womit das Ende der Bahn besiegelt ist. 

Wie lange wird es noch dauern bis der letzte Zug ausfährt?

Diese Frage kann man natürlich nicht mit einer simplen Jahreszahl beantworten und muss es auch etwas differenzieren.

In Großstädten werden weiterhin Massentransportmittel wie die U-Bahn eine Rolle spielen, da diese unübertroffen effizient in dicht besiedelten Gebieten die Menschen an ihre Ziele bringt. 

U-Bahn Tunnel
Auf Fernstrecken und in ländlichen Regionen erscheint es mir aber kaum möglich einen Bahnverkehr für Passagiere aufrechtzuerhalten. 

Ein anderes Thema ist der Güterverkehr. Hier könnte durch eine Automatisierung der LKW sogar eine erhebliche Renaissance auf der Schiene stattfinden, wenn das Umladen von Containern zwischen Bahn und Strasse vollautomatisch erfolgt.
Amerikanischer Güterwagen


Für den Luftverkehr auf mittleren Strecken könnte sich eine neue Form, etwa der von Elon Musk geförderte Hochgeschwindigkeitszug Hyperloop (Geschwindigkeiten bis 1000 km/h) als brauchbare Lösung für den Personenverkehr darstellen. 
Wir werden also im nächsten Jahrzehnt erleben, wie es zu einen rapiden Verfall der Bahn Struktur kommt und so ist es heute aus meiner Sicht verantwortungslos, immense Investitionssummen in die Infrastruktur der Bahn zu stecken, etwa Tief-Bahnhöfe, Neubaustrecken oder Ähnliches, da keineswegs sicher ist, dass sich dieser Aufwand jemals lohnen wird. Besser wäre es kurzfristig Bahn und Bus etwas bequemer und effizienter auszustatten bis die Ablösung dieses, über 180 Jahre alten Verkehrsmittels, erfolgt.
Museumsbahnen wird es noch lange geben.

Quellen

[1] Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.10.2007, Nr. 41 / Seite 69, berücksichtigt werden Auslastung, Streckenlänge und Anreise zum Bahnhof.   

Dienstag, September 08, 2015

Philosophie der Kuhweide und ihrer durchlässigen Grenzen

Grenzen überschreiten - die Kreativität bei halbdurchlässigen Zoofiltern

Bei meiner letzten Wanderung mit Freunden durch den Schweizer Jura ist mir aufgefallen, dass wir regelmäßig Weidezäune überschreiten mussten und ich bin dabei auf erstaunlich vielfältige Lösungen des Problems gestoßen. Der Schweizer Jura ist vielen nur als Quelle hochwertiger feinmechanischer Uhren bekannt, aber die Menschen dort sind auch als Grobmechaniker am Weidezaun bemerkenswert innovativ. Bemerkenswert ist, dass Google auf die Suchanfrage "Überschreithilfe Weidezaun" noch keine einzige Fundstelle bietet!
Der Wanderer auf dem Weg zur Weide nutzt den intelligenten Durchgang

Wer Grenzen baut muss an die Grenzenlosigkeit denken

Die Ausgangssitutation ist einfach, Kühe oder andere Weidetiere werden heute nicht mehr von einem Hirten bewacht sonder von einem Zaun auf ein fixiertes Territorium gehalten. Die Weide, zumeist von einem Elektrozaun umgeben, ist aber für den Wanderer ein Hindernis das er überwinden will. Da der Wanderer aber nicht gerne unter dem Zaun hindurchkriecht muss ein Tor geschaffen werden, das es ihm möglichst problemlos ermöglicht, die Grenze zu überschreiten die für das liebe Vieh aber ein unüberwindliches Hindernis bleibt. 

Menschen und Kühe sind unterschiedlich

Will man also einen Übergang der nur für einen Teil der Weidebesucher durchlässig ist, muss man die Unterschiede der einzelnen Besucher kennen und daraus eine Lösung entwickeln. 
Zwei Hinkelsteine, einfacher aber wirksamer Filter an der Weide
Die einfachste Unterscheidung ist die Breite des Hintern. Eine Kuh ist wesentlich breiter als ein Mensch, also muss man nur einen Durchgang bauen, der schmal genug ist, so dass die Kuh sich nicht hindurchzwängen kann, wohl aber ein Mensch. 
Unüberwindbar für Kühe, durchlässig für Menschen, Betonschlitz.
Ob aus Stein gebaut oder in Beton gegossen, das ist eine gute Lösung. Aber nicht jeder hat einen ausreichend schweren Hinkelstein zur Hand, der von der Kuh nicht zur Seite gedrückt werden kann. Ein Holzpfosten muss schon sorgfältig verankert sein, damit es keine Probleme gibt. 
Zwischen diese Holzpfosten geht keine Kuh hindurch

Um die Ecke gedacht

Neben der Breite der Kuh ist auch die Länge der Kuh interessant, Da der Wanderer kurz ist, baut man einfach eine sehr enge Kurve und schon hat die lange Kuh das Nachsehen. 
Um die Ecke gedacht, zu schwierig für die dicke Kuh
So mancher Wanderer wird sich allerdings auch seines Rucksacks bewusst, wenn er fast hängen bleibt.
Einfaches Tor, schlecht für Vergessliche 

Besser wäre natürlich eine Türe, die die dumme Kuh nicht öffnen kann, damit betritt man die Varianten der vielfältigen Tür und Drehkreuzlösungen. Türen sollten sich möglichst wieder selbstständig schließen, so dass der vergessliche oder verträumte Wandersmann nicht versehentlich das Gatter offen stehen lässt und die Kühe das Weite suchen. 
Simpel, aber wirksam, wer will schon einen Stromschlag?
Damit ist der einfache, elektrisch isolierte Griff am Elektrozaun die schlichteste Lösung, geschickt mit einer Feder gespannt, traut sich der Wanderer nicht, den Griff fallen zu lassen und wird ihn wieder einhängen. 
Die Tür fällt zu wenn man hindurchgeht, Prinzip Einwegventil.
Ein selbst zufallendes Türchen ist zwar sehr geschickt, aber nur in einer Richtung wirksam, wird die Weide auf die andere Seite verlegt, kann das Vieh einfach ausbrechen.
Ein Drehkreuz, praktisch aber nicht für jeden.

Das Drehkreuz das uns an vielen Orten begleitet ist sicher gut, aber wehe, man hat es nicht gut montiert oder ein etwas stärker beladener Rucksackträger muss es überwinden, von Fahrradfahrern nicht zu reden.

Die Zunahme der Komplexität

Sollen nicht nur Wanderer sondern auch Fahrzeuge die Grenze, die dem Rind gesetzt ist, überschreiten können, dann ist noch mehr Kreativität gefordert. Das Rind als Paarhufer hat ein sehr großes Problem, wenn zwei Hufe in ein Loch rutschen, dem Mensch mit seinem sandstrandgeeigneten Langfuss sind schmale Ritzen schnuppe. 
Gut für Mountainbiker, schlecht für Kühe zu überwinden.
Er kann über ein Gitterrost schreiten, das einer Kuh die Knochen brechen würde. Und genau so geht es Mountainbiker und sogar Autos, die mit ihrem Reifen schmale Rillen problemlos überfahren können.
Pferde ja, Kühe nein!

Noch schwieriger ist es, wenn ein Reiter auf dem Pferd einen Reitweg über eine Kuhweide nutzt, da ist ein Drehkreuz keine gute Idee, aber Pferde können ja springen. Oder der Reiter sitzt so hoch zu Ross, dass er eine hohe Türklinke braucht.

Kombination der Zoofilter

Da aber manchmal die Kühe auch die Weide verlassen wollen, auf die Menschen hineingehen ohne dass sie dem Milchvieh den Weg freimachen und zudem Autos herumfahren muss man mehrere Tore kombinieren.
Hier können Autos und Reiter queren und manchmal auch Kühe in der Mitte.

Noch schwieriger wird es, wenn auf der Weide sowohl Pferde als auch Kühe weiden, die Pferde aber keinen Respekt vor dem Kuhrost haben und zudem Autos auf die Weide fahren können müssen. Aber kein Problem für den innovativen Schweizer im Kanton Jura. Durch ein Tor mit herabhängenden Schnüren, die elektrische Schläge verleihen können wird kein Pferd es wagen auszubrechen.
Ein Hindernis für Kuh und Pferd aber nicht für Autos die bekanntlich ein Faradayscher Käfig sind

Die solare Zukunft beginnt

Wer glaubt, das Ende der Entwicklung sei erreicht, der irrt. Das Zeitalter der Elektronik in Kombination mit Solarzellen ermöglicht noch wesentlich komplexere Lösungen. So kann man eine Weide mit einer Schranke begrenzen, die sich öffnet, wenn ein Auto heranfährt, indem der Solarstrom ein Tor öffnet.
Die Lösung für das Solarzeitalter.
Jetzt fehlt noch der Hinweis, dass Kühe auch manchmal den Bahndamm überqueren müssen, aber nicht über das Bahngleis ausbrechen sollen. Kein Problem mit einem geeignetem Gitter.
Freie Bahn der Bahn aber kein Durchgang für Rindvieh.
Nicht dass es mir an weiteren Bildern von Weideübergängen aus dem Jura mangeln würde, aber ich glaube nicht, dass ein Leser bis hierher durchgehalten hat. Wenn ja, dann bitte ich um einen Kommentar, und weitere Innovationen folgen.

Ergänzungen auf Leserwunsch

Tatsächlich manche haben bis zum Ende gelesen, daher hier noch eine Zugabe.
Die einfachsten Lösungen sind oft die Besten, eine sehr einfache Lösung ist ein kleines Treppchen für den Wanderer aus Beton, das hält ewig und für den Wanderer ja kein Problem, weil der ja nicht gehbehindert ist.
Ein kleines Trepchen tut es auch.

Es gibt im Internet ein Wiki über Barrieren, für alle die es ganz genau wissen wollen.

Wer das nicht lustig fand muss den Guide Stupid lesen.

Dienstag, Juni 17, 2014

Elektronisch Trampen

Mitfahrgelegenheit anbieten und erleben

Als junger Mensch bin ich sehr viel getrampt, man hat sich an eine geeignete Stelle am Ortsausgang gestellt und wurde nach etwa zehn Minuten mitgenommen. Erstaunlicherweise hing die Zeit nicht vom Verkehr ab, bei wenig Verkehr sind die Menschen hilfsbereiter, bei viel Verkehr denkt jeder wohl, das wird ein anderer übernehmen. Als ich dann viele Jahre später ein Auto hatte, habe ich fast alle Tramper mitgenommen die am Straßenrand standen. Es waren oft interessante Menschen und ich wollte auch etwas zurückgeben, das ich in der Jugend bekommen habe.

Internet und Mobilfunk

Die Welt hat sich inzwischen radikal geändert. Nur noch ganz selten sehe ich jemanden am Straßenrand mit herausgestreckten Daumen stehen*. Das mag zum einem daran liegen, dass viele zum 18 Geburtstag bereits ein Auto geschenkt bekommen, aber auch daran, dass es verschiedene Vermittlungen von Mitfahrern über Internet und passende Apps gibt. Daher habe ich das auch ausprobiert und will meine persönliche Erfahrung wiedergeben. 
Hinweis: Persönliche Erfahrung kann nur sehr begrenzt verallgemeinert werden, aber vielleicht geben die Leser passende Kommentare ab.
Moderne Kommunikation ermöglicht das elektronische Trampen

Anmeldung bei einer Online-Mitfahrseite

Inzwischen haben die erfolgreichen Websitebetreiber gelernt, dass ein Anmeldevorgang bequem funktionieren muss und ich kann nicht klagen. Meine erste Fahrt führt aus dem Schwarzwald nach München und zurück, geplanter Zwischenhalt ist Flughafen Stuttgart. Uhrzeit und Datum eingeben, fertig.
Kurze Zeit später, erste Anmeldung eines Mitfahrers, bald darauf wieder Abmeldung, hat sich das wohl anders überlegt. Bei Reiseantritt habe ich schließlich drei Hinfahrer und zwei Rückfahrer.

Die Reise

Da ich eine Dienstreise habe, muss ich natürlich auf eine gewisse Pünktlichkeit achten. Bei der ersten Abholung ist erst mal niemand da, aber per Handykontakt gelingt es, innerhalb von 15 Minuten doch noch fast pünktlich zu starten. 
Leichter Stau vor Stuttgart, Anruf im Auto, Ein Zusteiger am Flughafen steckt in der S-Bahn fest. Kurz darauf der zweite Zusteiger, offensichtlich gleiche S-Bahn. Ich toleriere jetzt 20 Minuten Verspätung am Flughafen. Dort ist zunächst auch niemand, aber per Handy klärt sich das und schon sehe ich eine Mitfahrerin im Sauseschritt auf mein Auto zulaufen. Der andere Mitfahrer hat wohl weniger Glück, will aber auch in einer Stunde kommen, so lange kann ich wegen meines Termins nicht warten, da höre ich natürlich keine Freude am anderem Ende der Leitung.
An der Zielraststätte, beide Mitfahrerinnen haben sich auf die gleiche Raststätte geeinigt und ihre Freunde per Handy umgelotst, klappt die Übergabe der Passagiere perfekt.

Die Rückreise

Den Rückreisetermin muss ich um zwei Stunden vorverlegen. Wieder hilft die moderne Kommunikation, am Smartphone die Daten in die App eingegeben, Anrufe bei den zwei Mitfahrern und perfekt pünktliche Mitfahrer am Wartepunkt. Ein indischer Student und ein deutscher Programmierer, da entwickeln sich sehr interessante Gespräche, man lernt sich untereinander kennen und erfährt eben Details, die nur im persönlichen Gespräch zu vermitteln sind. 
Auch mein zweiter Mitfahrer organisiert die Abholung von meinem Reiseendpunkt in Echtzeit über das Handy, so dass alle pünktlich nach Hause kommen.

Lohnt sich der Aufwand

Das Mitnehmen von anderen Menschen im leerem Auto ist nicht nur ökologisch sinnvoll, es kann auch Langeweile während einer langen Fahrt vertreiben. Allerdings muss man sich im klarem sein, dass es aus rein ökonomischer Sicht für den Fahrer eher ein Nullsummenspiel ist. Man ist sehr mit der Organisation der einzelnen Reisebegleiter beschäftigt. Insbesondere wenn man die Sache ernst nimmt und hilfsbereit sein will. 
Eindeutig wäre diese Form der Reise ohne der permanenten Verfügbarkeit von Internet und Mobilfunk kaum denkbar, zumindest wenn man eine gewisse Flexibilität bei der Reiseplanung erreichen will.
Bei längeren Reisen werde ich weiterhin den Zug nehmen, und in den Ausnahmefällen, in denen ich eine längere Autofahrt plane, werde ich wieder die Mitfahrt anbieten.
Automatische Vermittlung von Mitfahrten liegt zwischen Individualverkehr und öffentlichem Verkehr, damit ist es eine Innovation, die unser Leben verändern kann.

Wirkung des Internets auf die Fahrleistung: 
* Möglicherweise sieht man den hitchBot am Straßenrand, ein trampender Roboter in Kanada.

Montag, September 03, 2012

Hyperplace U-Bahn

Seit ich mich erinnern kann, wird in München ein U-Bahnnetz ausgebaut. Innerhalb von 50 Jahren sind 100 km Schienen in den Untergrund verlegt worden. Für jeden Münchner wurden acht Zentimeter U-Bahnstrecke gebaut. Eine Investition von vier Milliarden Euro, die sich gelohnt hat.

Weltweites Wachstum

Doch nicht nur in München wurde eine U-Bahn gebaut, das Prinzip U-Bahn, 1863 in London noch mit kohlebefeuerten Dampflokomotiven gestartet, ist eine unglaubliche Erfolgsgeschichte, die einer näheren Betrachtung bedarf.
Seit der Einführung von elektrischen U-Bahnen ist der Einsatz in jeder sehr großen Stadt sinnvoll. Aber U-Bahnen sind teuer und eine enorm große Investition für eine Stadt. Damit sind U-Bahnen aber auch ein guter Indikator für Wohlstand und Wirtschaftswachstum. Das bemerkt man schon bei der Betrachtung, in welchen Jahren eine U-Bahn eröffnet wurde. Zwischen 1896 und dem Ersten Weltkrieg (WKI) ist fast jedes Jahr eine U-Bahn eröffnet worden. Jedoch zwischen 1913 und 1919 keine einzige. Danach hat der U-Bahnbau wieder Fahrt aufgenommen, wurde aber von der Weltwirtschaftskrise gedämpft. Zwischen 1936 und 1950 wurde keine einzige neue U-Bahn eröffnet! 
Inzwischen gibt es ein enormes Wachstum, allein im Jahr 2002 sind in fünf Städten neue U-Bahnen eröffnet worden, das letzte Jahr ohne einer U-Bahneröffnung war 1992.
Der weltweite jährliche Zubau an U-Bahnstrecken wächst seit 60 Jahren kontinuierlich an. Zur Vergrößerung anklicken.

Wachstumskurve

Ich habe versucht, das Wachstum der U-Bahnen grafisch aufzubereiten. Dabei flossen die sehr guten Daten von Wikipedia ein, die alle U-Bahnen aufgelistet haben. Der genaue jährliche Zubau an Gleisen ist zwar nicht bekannt, aber in erster Näherung nehme ich einfach an, dass jede Stadt seit Eröffnung der U-Bahn kontinuierlich neue Gleise verlegt. Das mag zu einigen Fehlern führen, liefert aber über viele Städte gemittelt ein brauchbares Resultat.
Seit 60 Jahren wächst also der Ausbau der U-Bahnnetze um 4% pro Jahr. Das erscheint zunächst als kleine Zahl, aber die Stetigkeit des Wachstums ist das Entscheidende. Inzwischen werden pro Jahr 350 km neue Strecken gebaut, soviel wie weltweit 1921 an U-Bahnstrecken vorhanden war, auch zur Freude der Tunnelbauunternehmen. (Heute gibt es weltweit 9000 km U-Bahnstrecke)

Bedeutung von U-Bahnen

U-Bahnen sind eine Art von Hypermobilität. Man steigt an einem Ort in die Tiefe und wird, ohne Erfahrung der Reisestrecke, zehn Minuten später am Ziel ausgespuckt. Etwas ähnlich zum Fliegen in Düsenjets, nur schneller und praktischer.
Dieser Transport macht Millionenstädte erst produktiv, ohne U-Bahn wären die entscheidenden Vorteile einer Stadt, viele Arbeitgeber, viele Ideen, viele Geschäfte, nicht nutzbar. Jeder U-Bahnmeter erhöht also die Produktivität auf der Welt und ist vielleicht ein besserer Maßstab als die Zahl der Internetanschlüsse oder Autos auf der Erde. Und es ist auch offensichtlich, dass die Städte mit den meisten U-Bahn-Kilometern auch oft die reichsten Großstädte der Welt sind, man denke an Shanghai (425km), London (402km) NewYork (337km).
U-Bahnen sind also nicht nur eine großartige Innovation, sie schaffen auch Neues, da sich in Städten mit U-Bahnen die Menschen schneller austauschen können. Diese Städte werden zu Hyperplaces.

Freitag, Oktober 17, 2008

Brüssel, kein Preis 
Eben wollte ich mal mit dem Zug in die "Europäische" Hauptstadt kurz hinter der deutschen Grenze fahren. Bei Bahn.de erhalte ich, wenn ich die Fahrkarte online kaufen will, die nette Auskunft: 
"Die Preisermittlung unter Einbezug aller Sparangebote kann erst im Servicecenter erfolgen"
Spannende Frage, auf welche Sparangebote die Mitarbeiter im Servicecenter zurückgreifen? Werden auch diese Daten harmonisiert online verfügbar und Europa zusammenwachsen?