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Sonntag, April 26, 2020

Kleines Paradies

Ein kleines Paradies im Garten

Wir sind ja im Moment gezwungen, das kleine Glück in unserer Umgebung zu suchen. Eine Fernreise in die Tropen verbietet sich, das Leben in einer Biosphäre auf dem Mars ist noch in weiter Ferne, also habe ich die Version für kleines Geld umgesetzt. Jeder der 20 m² Rasen hat kann es für unter 1000 Euro nachbauen.

Außenansicht des Gardenigloo mit Planschbecken und Isolation

Eine geodätische Halbkugel: Der Gardenigloo 

Wie schon vor langer Zeit in meinem Blog beschrieben, habe ich mir einen Gardenigloo gekauft, das ist eine transparente Plastikkuppel die fast wie ein platonischer Körper, genaugenommen ein Dom basierend auf einen Pentakisdodekaeder  1. Frequenz, aufgebaut ist. 

Das entscheidende der Gartenkuppel ist, dass man darin wind- und wettergeschützt ist und daher sehr angenehm bei unterschiedlichen Wetterlagen die Zeit verbringen kann. Besonders reizvoll ist es, wenn man den Innenraum als tropisches Bad gestaltet, was ich hier näher beschreiben will.

Die Bananenstaude verspricht tropische Gefühle.

Die Inneneinrichtung mit Pflanzen

Der Innenraum bietet eine Grundfläche von 10 m², also nicht wirklich viel, aber damit auch die Chance, dass man den Raum ohne große Mühe selbst gestalten kann. Ich habe drei Pflanzen gewählt, die mich am besten an den Süden erinnern: 
  • ein Zitronenbäumchen
  • ein Feigenbäumchen
  • eine japanische Bananenstaude mit mehreren Trieben
All diese Pflanzen sind mehr oder weniger Frostempfindlich, daher muss man sehen, wie man diese Pflanzen vor Frost schützt. Eine Elektroheizung verbietet sich für mich aus ökologischen Gründen, daher habe ich versucht kreativ zu werden.
Die Zitrone trägt Früchte und blüht gleichzeitig

 Da es im Innenraum bei Sonne sehr warm wird, könnte man meinen, das würde genügen, um über die Nacht zu kommen. Aber ich wohne im Schwarzwald 850 Meter über dem Meer, da können auch im April die Nächte noch frostig werden, insbesondere, wenn es eine klare Nacht gibt. Die Folie hält übrigens kaum Infrarotstrahlung zurück, anders als Glas!

Das Zitronenbäumchen trägt echte Zitronen
Zunächst habe ich es mit drei schwarzen Kunststoffkanistern versucht, diese mit insgesamt 60 Liter  Wasser gefüllt und in die Sonne, innerhalb der Kuppel, gestellt. Das Wasser wird warm, vielleicht 30 Grad, aber in der Nacht genügt das leider nicht, um den Frost fernzuhalten.

Die Lösung: ein kleiner Pool

Auf Anregung meiner Kinder und eines alten Blogartikels von mir, Hallenbad für Jedermann, kam ich auf die Idee in den Gardenigloo ein größeres Planschbecken zu stellen. Durchmesser zwei Meter und gerade noch genügend Platz für die Pflanzen, die Stühle und ein kleines Tischchen. Nachdem das Becken gefüllt war, bemerkte ich, dass das Wasser doch eher kalt blieb.

Unter den Bananenblättern ein kleines Tischchen mit Thermometer

Da der "Teich" im Igloo langweilig war, habe ich einen solarbetriebenen Springbrunnen gekauft, für 27 Euro inklusive Solarzelle wirklich nicht teuer.

Der Springbrunnen steht auf einen Eimer, weil das Wasser tiefer ist.

Jetzt passierte das überraschende, das Wasser das durch die sehr warme Luft in Igloo, die Luft ist bis zu 40 °C warm, sprühte, erwärmte sich, da die kleinen Wassertropfen eine riesige Oberfläche haben und nahezu perfekt die Energie mit der Luft austauschen. Die Luft kühlte sich auf angenehme, tropische 32 °C ab und das Wasser erwärmte sich auf 27 °C.
Damit hatte ich vier Probleme gelöst:
  • Das Wasser hat jetzt die perfekte Temperatur für ein Bad
  • Die Luft ist nicht mehr so heiß
  • In der Nacht kühlt die Luft im Innenraum nicht mehr so stark ab, kein Frost
  • Die Pflanzen mögen die feuchte Luft
Und nicht zuletzt ist es natürlich nett, wenn das Wasser plätschert.

Die mitgelieferte Solarzelle betreibt den Springbrunnen.

Sauberes Wasser

Und es gibt noch einen überraschenden Vorteil. Jeder der schon mal einen kleinen Pool aufgestellt hat, weis, dass nach einer Woche das Wasser nicht mehr sehr appetitlich ist, zumeist wird es grün von vielen Algen. Ganz anders mit dem Springbrunnen, das Wasser wird stark mit Sauerstoff angereichert und offensichtlich fühlen sich die Algen und Bakterien darin nicht so wohl, der Effekt ist fast wie Chlorieren von Badewasser, aber mit dem großen Vorteil, dass es nicht unangenehm riecht und ökologisch völlig unbedenklich ist.

Einfach genießen

Das kleine Paradies ist jetzt fertig, es ist tropisch warm und man schlüpft gerne in die Badehose, auch wenn es außerhalb unter 20 °C hat. Wenn es mir dann warm genug ist, steige ich in das Becken, lasse mich vom Springbrunnen abfrischen und lege mich in das Wasser. Über mir die Bananenblätter, vor mir die Zitrone, leises plätschern des Brunnens und ich fühle mich sehr entspannt. 

Ein 360° Panorama aus dem Inneren der Tropeninsel.

Wenn ich aus dem Wasser steige, ist die Luft so warm, dass man sich nicht abtrocknen muss, sondern die Kühle der verdunstenden Tropfen geniest.
Was will man mehr an Urlaub? 

Optimierung der Isolation

Da es im Schwarzwald wirklich kalt wird, habe ich noch Rettungsfolie auf der Nordseite Igloohaut angebracht, diese Folie wirft die Wärme optimal zurück und sichert damit zusätzlich, dass die Pflanzen in der Nacht geschützt sind. 

Die Feige steht vor der Rettungsfolie, Frostgefahr!

Im Hochsommer werde ich die vermutlich entfernen, wenn es wirklich frostsicher ist.

Quellen:

[1] Den Gardenigloo kann man hier bestellen, ich weise darauf hin, dass ich keine Provision der Firma bekomme oder sonst irgendwie mit dem Unternehmen zu tun habe.

Dienstag, September 08, 2015

Philosophie der Kuhweide und ihrer durchlässigen Grenzen

Grenzen überschreiten - die Kreativität bei halbdurchlässigen Zoofiltern

Bei meiner letzten Wanderung mit Freunden durch den Schweizer Jura ist mir aufgefallen, dass wir regelmäßig Weidezäune überschreiten mussten und ich bin dabei auf erstaunlich vielfältige Lösungen des Problems gestoßen. Der Schweizer Jura ist vielen nur als Quelle hochwertiger feinmechanischer Uhren bekannt, aber die Menschen dort sind auch als Grobmechaniker am Weidezaun bemerkenswert innovativ. Bemerkenswert ist, dass Google auf die Suchanfrage "Überschreithilfe Weidezaun" noch keine einzige Fundstelle bietet!
Der Wanderer auf dem Weg zur Weide nutzt den intelligenten Durchgang

Wer Grenzen baut muss an die Grenzenlosigkeit denken

Die Ausgangssitutation ist einfach, Kühe oder andere Weidetiere werden heute nicht mehr von einem Hirten bewacht sonder von einem Zaun auf ein fixiertes Territorium gehalten. Die Weide, zumeist von einem Elektrozaun umgeben, ist aber für den Wanderer ein Hindernis das er überwinden will. Da der Wanderer aber nicht gerne unter dem Zaun hindurchkriecht muss ein Tor geschaffen werden, das es ihm möglichst problemlos ermöglicht, die Grenze zu überschreiten die für das liebe Vieh aber ein unüberwindliches Hindernis bleibt. 

Menschen und Kühe sind unterschiedlich

Will man also einen Übergang der nur für einen Teil der Weidebesucher durchlässig ist, muss man die Unterschiede der einzelnen Besucher kennen und daraus eine Lösung entwickeln. 
Zwei Hinkelsteine, einfacher aber wirksamer Filter an der Weide
Die einfachste Unterscheidung ist die Breite des Hintern. Eine Kuh ist wesentlich breiter als ein Mensch, also muss man nur einen Durchgang bauen, der schmal genug ist, so dass die Kuh sich nicht hindurchzwängen kann, wohl aber ein Mensch. 
Unüberwindbar für Kühe, durchlässig für Menschen, Betonschlitz.
Ob aus Stein gebaut oder in Beton gegossen, das ist eine gute Lösung. Aber nicht jeder hat einen ausreichend schweren Hinkelstein zur Hand, der von der Kuh nicht zur Seite gedrückt werden kann. Ein Holzpfosten muss schon sorgfältig verankert sein, damit es keine Probleme gibt. 
Zwischen diese Holzpfosten geht keine Kuh hindurch

Um die Ecke gedacht

Neben der Breite der Kuh ist auch die Länge der Kuh interessant, Da der Wanderer kurz ist, baut man einfach eine sehr enge Kurve und schon hat die lange Kuh das Nachsehen. 
Um die Ecke gedacht, zu schwierig für die dicke Kuh
So mancher Wanderer wird sich allerdings auch seines Rucksacks bewusst, wenn er fast hängen bleibt.
Einfaches Tor, schlecht für Vergessliche 

Besser wäre natürlich eine Türe, die die dumme Kuh nicht öffnen kann, damit betritt man die Varianten der vielfältigen Tür und Drehkreuzlösungen. Türen sollten sich möglichst wieder selbstständig schließen, so dass der vergessliche oder verträumte Wandersmann nicht versehentlich das Gatter offen stehen lässt und die Kühe das Weite suchen. 
Simpel, aber wirksam, wer will schon einen Stromschlag?
Damit ist der einfache, elektrisch isolierte Griff am Elektrozaun die schlichteste Lösung, geschickt mit einer Feder gespannt, traut sich der Wanderer nicht, den Griff fallen zu lassen und wird ihn wieder einhängen. 
Die Tür fällt zu wenn man hindurchgeht, Prinzip Einwegventil.
Ein selbst zufallendes Türchen ist zwar sehr geschickt, aber nur in einer Richtung wirksam, wird die Weide auf die andere Seite verlegt, kann das Vieh einfach ausbrechen.
Ein Drehkreuz, praktisch aber nicht für jeden.

Das Drehkreuz das uns an vielen Orten begleitet ist sicher gut, aber wehe, man hat es nicht gut montiert oder ein etwas stärker beladener Rucksackträger muss es überwinden, von Fahrradfahrern nicht zu reden.

Die Zunahme der Komplexität

Sollen nicht nur Wanderer sondern auch Fahrzeuge die Grenze, die dem Rind gesetzt ist, überschreiten können, dann ist noch mehr Kreativität gefordert. Das Rind als Paarhufer hat ein sehr großes Problem, wenn zwei Hufe in ein Loch rutschen, dem Mensch mit seinem sandstrandgeeigneten Langfuss sind schmale Ritzen schnuppe. 
Gut für Mountainbiker, schlecht für Kühe zu überwinden.
Er kann über ein Gitterrost schreiten, das einer Kuh die Knochen brechen würde. Und genau so geht es Mountainbiker und sogar Autos, die mit ihrem Reifen schmale Rillen problemlos überfahren können.
Pferde ja, Kühe nein!

Noch schwieriger ist es, wenn ein Reiter auf dem Pferd einen Reitweg über eine Kuhweide nutzt, da ist ein Drehkreuz keine gute Idee, aber Pferde können ja springen. Oder der Reiter sitzt so hoch zu Ross, dass er eine hohe Türklinke braucht.

Kombination der Zoofilter

Da aber manchmal die Kühe auch die Weide verlassen wollen, auf die Menschen hineingehen ohne dass sie dem Milchvieh den Weg freimachen und zudem Autos herumfahren muss man mehrere Tore kombinieren.
Hier können Autos und Reiter queren und manchmal auch Kühe in der Mitte.

Noch schwieriger wird es, wenn auf der Weide sowohl Pferde als auch Kühe weiden, die Pferde aber keinen Respekt vor dem Kuhrost haben und zudem Autos auf die Weide fahren können müssen. Aber kein Problem für den innovativen Schweizer im Kanton Jura. Durch ein Tor mit herabhängenden Schnüren, die elektrische Schläge verleihen können wird kein Pferd es wagen auszubrechen.
Ein Hindernis für Kuh und Pferd aber nicht für Autos die bekanntlich ein Faradayscher Käfig sind

Die solare Zukunft beginnt

Wer glaubt, das Ende der Entwicklung sei erreicht, der irrt. Das Zeitalter der Elektronik in Kombination mit Solarzellen ermöglicht noch wesentlich komplexere Lösungen. So kann man eine Weide mit einer Schranke begrenzen, die sich öffnet, wenn ein Auto heranfährt, indem der Solarstrom ein Tor öffnet.
Die Lösung für das Solarzeitalter.
Jetzt fehlt noch der Hinweis, dass Kühe auch manchmal den Bahndamm überqueren müssen, aber nicht über das Bahngleis ausbrechen sollen. Kein Problem mit einem geeignetem Gitter.
Freie Bahn der Bahn aber kein Durchgang für Rindvieh.
Nicht dass es mir an weiteren Bildern von Weideübergängen aus dem Jura mangeln würde, aber ich glaube nicht, dass ein Leser bis hierher durchgehalten hat. Wenn ja, dann bitte ich um einen Kommentar, und weitere Innovationen folgen.

Ergänzungen auf Leserwunsch

Tatsächlich manche haben bis zum Ende gelesen, daher hier noch eine Zugabe.
Die einfachsten Lösungen sind oft die Besten, eine sehr einfache Lösung ist ein kleines Treppchen für den Wanderer aus Beton, das hält ewig und für den Wanderer ja kein Problem, weil der ja nicht gehbehindert ist.
Ein kleines Trepchen tut es auch.

Es gibt im Internet ein Wiki über Barrieren, für alle die es ganz genau wissen wollen.

Wer das nicht lustig fand muss den Guide Stupid lesen.

Sonntag, September 06, 2009



Hallenbad 2.0
Wer kann sich schon ein Hallenbad leisten? Eigentlich jeder, der mindestens 100m² Rasenfläche hat! Jetzt im schönem Herbstwetter kühlt der Badepool (Aldi, Easypool, 99€) Nachts sehr ab, aber es gibt Abhilfe. Mit zwei großen Malerplanen, à 50m² für 1,95€ und einem Tischventilator kann man ein schönes, aufblasbares Zelt erzeugen. Der Rand wird mit etwas Steinen oder Gartenschlauch abgedeckt. Mit minimalen Überdruck, weit unter 1µBar, bleibt die Folie oben, auch Löcher spielen keine große Rolle.
Mit der Herbstsonne wird es extrem schnell sehr warm im "Hallenbad 2.0", dem Mitmachhallenbad.
Ich bin gespannt, wann diese Erfindung ein Produkt auf dem Markt wird und als Innovation die Gärten erobert.

Upodate: So geht es noch besser, mit GardenIgloo und Planschbecken