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Dienstag, Dezember 26, 2017

Produkte, die verschwunden sind

Vom Aussterben von Produkten

Im Lauf meines Lebens sind schon viele Produkte, die mal richtig wichtig waren, nahezu vollständig verschwunden. Ich will in diesem Nachruf auf meine kleine Geschichte zu dem jeweiligen Produkt hinweisen. Die Reihenfolge entspricht meiner unsortierten Liste der Erinnerungen.

Wählscheibe

Unser erstes Telefon, das wir nach langen Diskussionen in der Familie über die Kosten und Nützlichkeit, in den 1970er-Jahren bekommen haben, hatte eine Wählscheibe und war grün. Die Farbe Grün kostete einen Aufpreis von 1 DM im Monat! Das Telefon gehörte auch nicht uns, sondern der Post. Wollte man jemanden erreichen, steckte man den Finger in eine Scheibe mit zehn Löchern, drehte die Scheibe im Uhrzeigersinn bis zu einem metallenen Anschlag, nahm den Finger heraus und wartete bis sich die Scheibe wieder in die Ausgangsposition zurückgedreht hatte. Dann kam die nächste Nummer!
Zum Glück waren die Telefonnummern früher kürzer, unsere hatte nur drei (!) Stellen und Ferngespräche, insbesondere internationale, waren wegen der Kosten sehr selten.

Als Kinder hatten wir schon vor dem Eintreffen des echten Telefons das Wählen an einem Spielzeugtelefon geübt, sodass uns das Ganze völlig normal vorkam.

Telefonhäuschen

Als ich ein kleines Kind war, ging man zum Nachbar, der ein Unternehmen hatte und telefonierte dort. Das geschah aber höchstens einmal im Quartal. 
Dann gab es ein Gerücht, am Bahnhof soll eine Telefonzelle gebaut werden, zunächst sah man nur einen Betonsockel, aber innerhalb von einem Jahr stand da tatsächlich eine "moderne" gelbe Telefonzelle. Telefonieren ohne den Nachbarn zu nerven, welch ein Traum. Meine Tante schenkte mir mal eine Mark, damit ich Sie von dieser Telefonzelle aus anrufe. 
An vielen Orten fand man dann die gelben Häuschen, insbesondere beim Postamt. Während des Studiums war jede Woche ein Besuch in der nächstgelegenen Telefonzelle angesagt, um Zuhause den letzten Stand der Dinge durchzugeben, aber wie stand so schön an der Glaswand: "fasse Dich kurz" was ich aufgrund von Geldmangel immer gerne eingehalten habe.

Zwei Telefonzellen in Gelb am Titisee
Mit der Einführung der Magenta Telefonpunkte der Telekom war der Höhepunkt dieser Zelle überschritten. Bald rochen sie immer strenger und waren immer öfter kaputt, und inzwischen sind sie aufgrund des Smartphones ausgestorben.

Telefonbuch

Wer telefonieren will, muss die Nummer des Teilnehmers kennen. Dafür gab es ein Telefonbuch. Interessanterweise standen dort nur die Telefonnummern aller Menschen im Landkreis, Ferngespräche erforderten eine Anfrage bei der Auskunft. 
Aber in München, am Hauptpostamt neben dem Hauptbahnhof, gab es alle Telefonbücher Deutschlands (Westdeutschlands, versteht sich). Dort standen dann immer viele Menschen und blätterten nach Nummern, die sie in kleine Notizbücher, sogenannte Telefonbüchleins, eintrugen. 
Es gab auch Menschen, die konnten sich hunderte von Nummern merken, ich glaube dazu gehörte meine Mutter, als sie noch arbeitete.

Fahrplanbuch

Ein weiteres Buch, das Daten lieferte, war das Fahrplanbuch. Nach einem sehr speziellen Schema standen da die Abfahrtszeiten aller Züge der Region, etwa Oberbayerns. Wollte man eine Reise antreten, musste man mit viel Geschick eine Route finden und passende Anschlüsse.
Gab es eine Fernreise ging man zum Bahnhof, dort waren weitere größere Fahrplanbücher verfügbar und man konnte eine Deutschlandreise planen. 
Da die Bundes-Bahn alle sechs Monate die Fahrpläne änderte, war man gezwungen, halbjährlich, gegen eine Schutzgebühr von einer Mark, einen neuen Fahrplan zu kaufen. 
Mit dem nahezu sensationellem Erscheinen der Fahrplan CD war dieses Buch am Ende. 

LP

Für Langspielplatten soll es ja wieder Anhänger geben, aber das ist schon ein Zeichen, dass es nicht mehr der Mainsteam ist. Das gilt sogar für alle drehenden Datenspeicher. Weder CD, DVD noch Festplatte werden dieses Jahrzehnt überleben. Aber es wird immer Nischen geben und immer Freunde von Oldtimern.
Die LP ist gestorben, weil besserer Klang und einfachere Handhabung der CD alle überzeugt hat. Für mich gab es nie eine LP, da ich von Anfang an, will sagen von meinem Musikalter an, überzeugt war, dass die LP verschwindet und die CD kommt. Daher habe ich eine gewisse CD Sammlung, aber noch nie eine LP besessen.

Kassette

Die Musikkassette war eine merkwürdige Übergangstechnologie. Auf der einen Seite hat sie das Spulen Tonband beerbt, weil sie weniger Platz benötigt und einfach zu handhaben war, andererseits war sie nicht digital, wie der Nachfolger der LP, die CD. 
Originellerweise war mein erster Datenspeicher aber doch eine Musikkassette, auf den mein Sinclair ZX80 seine Daten unter erstaunlichem "Gejaule" überspielt hat. Also eine liebenswerte Zwischentechnologie auf dem Weg ins Digitalzeitalter.
Für die Musikindustrie hatte die MC den großen Vorteil, dass die Aufnahmequalität eher schlecht war, sodass keiner eine 2. oder gar 3. Generation kopierte. 
Mit dem Walkman war die MC aber auch ein Fingerzeig auf unsere Smartphones. Ich hatte dereinst einen Walkman mit eingebautem Radio und Lautsprecher (ca. 1983). Damit war man "online, wenn man Nachrichten hörte, und autonom, wenn man sich seine Musik aussuchte.

Röhre

Mit der Erfindung der Elektronenröhre begann das elektronische Zeitalter. Damit war es erstmals möglich, hochfrequente elektrische Signale zu verstärken, was insbesondere dem Telefon, dem Rundfunk und später der Digitaltechnik sehr half.
Technisch bedingt brauchen Elektronenröhren viel Strom und viel Platz, sodass sie nur für stationäre Geräte infrage kommen und immer erst vorgeglüht werden müssen.
Zu Hause hatten wir zwei Röhrenradios, die erst nach einige zehn Sekunden nach dem Einschalten Töne von sich gaben. Besonders faszinierend war für mich das "Magische Auge", eine Elektronenröhre, die mit Phosphor beschichtet war und mit der man erkennen konnte, wie gut ein Sender im Radio eingestellt war.
Außer in der Szene der Hi-Fi Fetischisten findet man heute praktisch keine Elektronenröhre mehr.

Röhrenmonitor

Die Braunsche Röhre war der Gipfel der Elektronenröhre. Sie kann Bilder auf einem Bildschirm erzeugen, damit kam das Fernsehen, zuerst s/w dann in Farbe. Bis zu massiver Größe von fast einem Meter ist der Röhrenmonitor auch ein echtes Dinosaurier der Röhrentechnik.
Mein erster Fernseher, s/w, wurde im Studium zu einem Computermonitor umgebaut, indem ich einen 5 MHz Eingang angebaut habe. Damit hatte ich ein viel besseres Bild, als alle die per HF Signal eingespeist hatten. Doch das Problem des Flimmerns und der unscharfen Pixel blieb bis zum Eintreffen der Flachbildschirme. Mein erster Flachbildschirm war wieder ein Computermonitor, jetzt an einem Laptop ca. 1990 und in s/w.

Glühbirne

Wenn es ein Symbol für Erfindungen gibt, dann ist es die Glühbirne. Daniel Düsentrieb hatte immer ein Helferlein, das mit einem Glühbirnenkopf rumlief. 

Bis heute ist bei Powerpoint das Symbol für Idee eine Glühbirne, auch wenn das bald keiner mehr versteht. Ähnlich wie die Diskette für "speichern" unter Windows als Symbol verwendet wird.
In meiner Kindheit gab es immer zwei Gründe, wenn es im Zimmer plötzlich dunkel wurde, entweder ist die Glühbirne kaputt gewesen oder es gab Stromausfall. Ja, man hatte früher nur eine Glühbirne pro Raum und sonst hat nichts ständig geleuchtet, Ausnahme, der Radio, wenn er eingeschaltet war.

Nickel-Cadmium Akku

Strom und Batterien gab es schon lange, als die Nickel-Cadmium Akkus auftauchen. Ein Traum für den jugendlichen Batterie-Benutzer. Die Batterien waren sehr teuer, man hatte immer mit dem Memory Effekt zu kämpfen und am Schluss wusste keiner wohin, da sich langsam herumgesprochen hatte, dass Cadmium eigentlich nicht gesund sein sollte.

Holzbefeuerter Küchenherd

Meine ersten Erinnerungen in der Küche waren ein Holzofen, in dem kurze Holzstücke geworfen wurden und dann alles so heiß wurde, dass ich nicht in die Nähe durfte. Manchmal wurde das weiße Türchen geöffnet und weiteres Holz eingeworfen. Ganz rechts war ein großer Wasserbehälter, der nach dem Kochen voll mit warmen Wasser für das Abspülen war. 
So ähnlich sah wohl unser alter Küchenherd aus.

Bald kam aber ein Mann und brachte einen Elektroherd mit Eisenplatten, montierte kompliziert am Sicherungskasten und erklärte all die neuartigen Funktionen des Herds. Die Frontseite war immer noch weißes Email, aber kein Ofenloch mehr, sondern nur noch ein Backrohr. 
Der alte Ofen blieb in der Küche, bekam eine große Holzplatte als Abdeckung und war damit eine gute Arbeitsfläche. In Betrieb wurde das "Back-up" nie wieder genommen.

Zimmer-Ölofen

Wärme gab es in unserer Wohnung bald mit Ölöfen. Ein sehr seltsames Gebilde aus heutiger Sicht. 
Im Schuppen stand ein Ölfass, das voll mit Diesel war, ja früher gab es da keine rote Farbe. Dieses Öl wurde in eine Gießkanne, ähnlich der für das Wasser im Garten, gefüllt. Dann trug man die Kanne unter mehr oder weniger Geklecker in die Wohnung und füllte die 10 Liter im Zimmer in den Ofen.

Das richtige Abenteuer war aber das Anzünden! In der Frühe kam immer meine Mutter ins Zimmer, schaltete den Ofen an, genaugenommen floss jetzt etwas Öl in den Brennraum. Nach etwa zwei Minuten öffnete man den Deckel des Brennraums, lies dann geschickt ein Zündholz in das Öl fallen und nach einigen Minuten wurde der Ofen spürbar warm.
Wehe, man hatte zu lange mit dem Anzünden gewartet, dann stand das Öl etwa fünf Millimeter hoch im Brennraum, nach dem Anzünden, das dann nur noch mit einem Knäuel Zeitungen gelang, begann das Feuer so stark zu brennen, dass das Ofenrohr rot glühte.

Nach dem Umzug in eine neue Wohnung gab es Heizkörper in jedem Zimmer und ich glaube, die alten Zimmer-Ölöfen sind inzwischen sehr rar geworden.

Fensterladen

Da Heizen teuer war, wurden die Fenster in der Nacht mit einem Fensterladen verschlossen. Fensterläden sind ein sehr guter Wärmeschutz, wenn sie gut schließen. 
Die Mühe bestand aber darin, die Läden zu schließen, dazu müssen die Fenster ganz geöffnet werden, ein Haken, der den Fensterladen an der Wand fixierte, gelöst werden und der Laden nach Innen gezogen werden. Dass das eine echte Gymnastik war erlebte ich, als meine Mutter sich einmal einen Hexenschuss bei dieser Übung holte. 
Das Rollo ist zwar hässlich, aber übernimmt heute fast immer die gleiche Funktion. 

Wäscheschleuder

Waschen mit der Waschmaschine ist eine der wichtigsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts, nach Rosling vermutlich eine der Ursachen, dass Frauen heute nicht mehr zu Hause sein müssen und damit die Gleichberechtigung erlangt haben. 

Eine Waschmaschine kam bei uns auch früh ins Haus, aber auch eine Wäscheschleuder. Das war ein zylinderförmiger Behälter, den ein Elektromotor auf hohe Drehzahl brachte, sodass die Kleidungsstücke darin vorgetrocknet wurden.  
Ich weiß noch wie ich immer bewundernd von oben in die rotierende Wäsche sah und beobachtete wie das Wasser unten in einen kleinen Eimer lief. Es gab da keine Sicherheitstüre, ich hätte jederzeit mit meinem Arm in die Schleuder greifen können. Habe ich aber nicht, da (früher?) alle Kinder etwas schlauer waren.
Heute ist die Schleuderfunktion in die Waschmaschine integriert und das Umladen in die separate Schleuder entfällt. 

Leiterwagen

Vor der Zeit des Autos und des dazugehörigen Kofferraums mussten die Menschen Ihre Sachen auch nach Hause bringen. Fast niemand hatte dafür eine Kutsche, sondern fast jeder einen Leiterwagen.
Wir hatten natürlich auch einen und ich erinnere mich, wie wir damit zum Bahnhof gefahren sind und an der Güterhalle an der Laderampe die Stückgutsendung "Kinderschaukel" abzuholen. Das lange Paket kam auf den Leiterwagen und wurde heimgezogen. 
Das war wohl der letzte produktiver Einsatz unseres Leiterwagens

Den letzten Leiterwagen im "produktiven" Einsatz habe ich in Tübingen 1988 gesehen, dort ist ein alter Mann damit durch die Stadt gezogen, um altes Eisen zu sammeln. Leider ist auch er aus dem Stadtbild längst verschwunden.

Telefonkabelverlängerung

Eine der unglaublichsten Erfindungen war das Telefonverlängerungskabel. In jeder Wohngemeinschaft war das ein Pflichtzubehör zum Telefon. Immer wenn das Telefon läutete, fragte man, wer wird gewünscht und hat dann das Telefon in das passende Zimmer getragen und die Türe geschlossen. Nach einiger Zeit hatte dieses Kabel viele Knicke und neigte zum Verdrillen, wie auch die Schnur zum Telefonhörer.
Unglaublich ist aber, dass das Stück von 5 Meter Länge jeden Monat eine Mark Miete gekostet hat. 
Funktelefone und Handys haben hier das Kabel völlig abgelöst.

Telefonimpuls-Zähler

Da Telefonieren teuer war und in meiner Wohngemeinschaft Mitte der 1980er-Jahre sorgfältig abgerechnet wurde, gab es ein kleines graues Kästchen, in dem ein Zählwerk arbeitete und die Telefonimpulse, die je nach Entfernung des Gesprächspartners unterschiedlich häufig eintrafen, zählte. Am Ende eines Telefonats trug man in die Liste den Anfangsstand, den Endstand und die eigenen Impulse des Zählers ein, am Monatsende wurde dann in der Wohngemeinschaft abgerechnet. 

Flatrate? Das gab es noch nicht. Skype und Handy waren reiner Science Fiction.

Filterkaffeemaschine

Sicher noch nicht ganz ausgestorben und wer noch das Wort Melitta kennt weiß, Kaffeefilter.
Der Traum meiner Mutter war immer eine Kaffeemaschine. Dieser ging in Erfüllung, als sie für eine Lehrerin die Zulassungsarbeit in die Schreibmaschine eingetippt hatte. Der Lohn für die wochenlange Arbeit war eine Krups Kaffeemaschine!

Im Zeitalter von Latte Macchiato, Espresso und zwanzig andere Varianten von koffeinhaltigen Gebräu ist die alte Filtermaschine im Speicher verschwunden und dient nur als Back-up bei seltenen Gelegenheiten.

Transmission mit Lederriemen

Eine sehr gefährliche Form der Energieübertragung erinnere ich noch aus der Kindheit. Wenn der Nachbar sein Holz sägte, dann stand da ein Traktor mit einem großen Eisenrad und die Sägemaschine. Dazwischen lief ein Lederband und trieb die Säge an. Wer seinen Arm in diesen Mechanismus bekommen hatte, war arm dran, da Arm ab. 
Wir Kinder durften einfach herumstehen und zusehen.

Heute sind Elektromotoren so billig, dass jede Säge einen eigenen Motor hat und die sehr gefährlichen Transmissionsriemen sind zum Glück verschwunden. 

Fernsehantenne

Mit dem Fernseher kam früher auch die Fernsehantenne auf das Dach. Da wir aber in einem altem schönen Haus wohnten, verbat sich das. So montierte der Elektroinstallateur die Antenne einfach im Dachstuhl unter dem Dach. 
Viele Häuser hatten jedoch eine Antenne auf dem Dach, ein Anblick der in einer Altstadt nicht wirklich schön war. Ich erinnere mich noch an einen Artikel im Stern, der beschrieb, dass man durch Kabel das Problem lösen könnte und eine Fotomontage zeigte eine Stadt ohne Antennen.

Diese Vision ist heute Wirklichkeit, fast 50 Jahre nach dem Artikel.

Milchkanne

Milch war für mich als Kind sehr wichtig und so natürlich auch die Milchkanne. Wir hatten sogar zwei, eine aus Aluminium-Blech und eine "moderne" aus Plastik. Sicher aus einem Material, das heute nicht mehr für Lebensmittel zulässig wäre.
Mit den Kannen ging meine Mutter fast jeden Tag zum Krämerladen, der füllte die Kannen mit einem Schöpflöffel, für heutige Hygiene unvorstellbar, aus einer offenen, großen Milchkanne, die er vom Bauern hatte. Zu Hause gab es dann frische Milch und der Rest wurde abgekocht oder zu Pudding verarbeitet, was ich die beste Verwendung von Milch fand.

Die Ablösung der Milchkanne war nicht einfach, Milchtüten, aber auch Milchschläuche aus Plastik waren im Handel. Beim Öffnen gab es immer ein Problem, erstaunliche Aufklapp- und Schneidetechniken machten die Runde, bis alle Milchtüten einen kleinen Schraubverschluss bekamen.

Tonbandgerät

Tonbandgeräte sind Kassettenrekorder, bei denen es keine Kassette, sondern Spulen gibt. Mein Vater hatte ein solches Gerät von Grundig und zeichnete damit unsere Kinderstimmen, und selten auch mal Musik, auf. Die Bedienung war für einen Nichttechniker wie meinen Vater sehr mühsam, aber es wurden doch einige Aufnahmen erfolgreich aufgezeichnet. Auch, wenn die Bänder leider verloren gingen.

In Sendestudios fristeten diese Bandgeräte noch lange hin, bis sie von moderner Digitaltechnik abgelöst wurden.

Floppy Disk

Eine flexible Scheibe aus Tonbandmaterial konnte früher 128 kByte Daten speichern. Sony brachte dann eine Floppy Disk mit 3 1/2 Zoll in einem Kunststoffgehäuse heraus, die 1,44 MByte speichern konnte. Ob man jemals so viel Daten benötigen wird, da der Hauptspeicher bei meinem Computer nur 48 kByte hatte?

Überlebt hat die Floppy in folgendem Witz: Der Sohn sieht eine Floppy Disk in Vaters Zimmer und sagt; "Cool, du hast das Speichern-Icon von Windows im 3D-Drucker ausgedruckt!"

Armbanduhr

Ein Kindheitstraum war der Besitz einer Armbanduhr. Auf meiner Kellogs Packung wurde eine wasserdichte Uhr angepriesen, die ich dann für 42 DM erworben habe. Immer am Arm, selbstverständlich auch in der Nacht, denn sie hatte ja Leuchtzeiger!
Die Technik wechselte dann zu LED, eine Quarz-Uhr bei der man einen Knopf anklicken musste, um die Zeit zu sehen, zu einer LCD Uhr mit Stopptaste bis zu einer Uhr mit Höhenmesser von Casio. 
Diese besitze ich noch immer, aber dank Smartphone und anderer elektronischer Geräte mit Zeitanzeige ist die Armbanduhr nur noch höchst selten am Arm.
  

Dampflok

Zum Schluss noch die Erfindung, die das Industriezeitalter eingeleitet und dominiert hat, die Dampfmaschine und insbesondere die Dampflok.

Museums-Dampflok in Silverton, USA.
Da ich am Bahnhof aufgewachsen bin, waren mir Dampfloks sehr vertraut. Auf der Fußgängerbrücke gab es manchmal die Möglichkeit, direkt durch den Dampf, der aus dem Kamin der Dampflok kam, zu gehen. Ein Erlebnis, das ich noch aus meinem ersten Schuljahr erinnere und auch ein Erlebnis, von dem ich noch weis, dass ich dachte, das könnte das letzte Mal sein, dass ich das erlebe ("This could be the last time"). Das lag daran, dass mir mein Vater sagte, in zehn Jahren wird es nur noch Dieselloks geben.

Heute gibt es nur noch Museumseisenbahnen, außer in Nordkorea, wie ich gehört habe.
Abgelöst wurde die Dampflok von vielen anderen Verkehrsmittel und Antriebsformen, neben ICE und Düsen-Flugzeug, Diesel-Pkw und Elektrolok auch einigen Dieselloks.

Fehlt was? Einfach Kommentar schreiben.

Es gibt auch viele Wörter, die verschwunden sind, zuweilen weil die Produkte verschwunden sind: Artikel in der Welt.


Freitag, November 13, 2015

Die Welt im Jahre 2100

Wie leben wir 2100

Immer wieder lese ich auch in Qualitätsmedien Berichte aus der Zukunft, so in der FAZ "Unser Leben im Jahr 2100". Mondflüge als Tourismus, Wasserstoffautos und ähnliches. Ich will in diesem Beitrag meine eigene Sicht auf die Zukunft beschreiben und auf die Grenzen entsprechender Aussagen hinweisen.

Die Menschen

Im Mittelpunkt setze ich zunächst einmal die Menschen. Eine einfache Extrapolation zeigt, die Menschen haben sich in den letzten 1000 Jahren nur wenig geändert. Sie leben gerne zusammen und nehmen gern Kontakt auf. Das wird sich nicht ändern. Ob es allerdings die Großfamilie ist, die Wohngemeinschaft, Wiener Cafes oder Face2b00k bleibt offen. Es gab immer wieder interessante Innovationen, wie man Menschen zusammenbringen kann. Niemand hat vor 85 Jahren, das war 1930! facebook vorhergesagt, obwohl man bereits begann in 1000 Jahren zu denken...
Menschen leben und arbeiten gerne zusammen.
Entscheidender ist die Frage gibt es dann noch Menschen. Die Anzahl wird irgendwo zwischen Null und 20 Milliarden liegen. Die untere Grenze kann aus zwei Gründen eintreten, einmal, wenn eine religiöse Gruppe die Macht über das aktuelle Nuklearwaffenpotential bekommt, oder wenn die Roboter der Zukunft im Menschen keine sinnvolle Spezies sehen. Letzteres beschreibt Nick Bostrom in seinem Buch Superintelligenz. Dort wird sehr plausibel gezeigt, dass die starke künstliche Intelligenz eine sehr konkrete Gefahr für die Menschheit darstellt. Wichtige Menschen, wie Bill Gates (früher Microsoft) und Elon Musk (Tesla) nehmen die Warnung sehr ernst.

Aus meiner Sicht, die tendenziell optimistisch ist, ist es trotzdem unrealistisch, dass die Menschheit sich selbst zerstört. Dies passt nicht in die grundsätzliche Logik des langfristigen Überlebens des Lebens. Insbesondere würde das implizieren, dass es schon frühere Zivilisationen von intelligenten Lebewesen auf der Erde gegeben haben sollte, die sich zerstört haben, das ist offensichtlich nicht der Fall, daher betrachte ich diesen Zweig nicht länger.
Der Einschlag eines Kometen hat das Wachstum dieses Baums beschleunigt.
Die Menschheit wird sich in gewissem Umfang vermehren, der beste Schätzwert ist letztendlich, dass sich die Zahl der Menschen gegenüber heute nicht grundlegend ändert, also etwa 7-8 Milliarden Menschen im Jahr 2100 auf der Erde leben.

Was tun die Menschen

Um zu verstehen, was Menschen gerne tun, ist es immer wieder hilfreich zu sehen, was Menschen tun, die nicht durch materielle Grenzen an der freien Entfaltung behindert sind. Reiche Menschen lieben Luxus, daher werden auf Dauer alle Menschen nach Luxus streben. Welcher Luxus wird das sein?

An erster Stelle Gesundheit!

Der höchste Luxus ist eine sehr gute Gesundheit. Daher werden die Menschen erhebliche Mittel für dieses Ziel ausgeben. Da die medizinische Forschung stetig voranschreitet kann man mit vielen Erfolgen bei der Bekämpfung von Krankheiten rechnen. Zudem wird die bisher unvermeidliche "Krankheit" Alter besiegt werden. Alter ist nur eine kleine Störung des Organismus nach dem Erreichen des Lebensziels "Vermehrung" und setzt daher mit etwa 40 Jahren ein. Eine sehr gute Analyse diese Problems hat Björn Schuhmacher in seinem Buch "Das Geheimnis des menschlichen Alterns" gegeben. Auch andere Autoren, etwa Ray Kurzweil, vermuten, dass sehr langes gesundes Leben in Zukunft normal wird, damit besteht eine erhebliche Chance, dass nicht wenige der Leser noch das Eintreffen der Prognosen erleben werden.

Platz ist wichtig

Menschen lieben große Wohnungen, daher werden die Menschen, soweit es möglich ist, ihre eigenen Räume vergrößern. Das kann auf vielfältige weisen geschehen, etwa die Besiedlung bisher ungenutzter Flächen, sei es Wüsten oder Meeresoberfläche. Zudem kann durch das Errichten von hohen Gebäuden Grundstücksfläche gespart werden und viel Wohnraum geschaffen werden. 
Jährlich werden für eine Million Menschen Hochhäuser gebaut
Das Ausweichen in den Weltraum halte ich für sehr unwahrscheinlich, da dort viele sehr grundlegende Probleme auftreten, insbesondere Strahlung, Lebensmittelversorgung, fehlende Schwerkraft, extremer Energiebedarf zum Erreichen von Umlaufbahnen oder gar anderer Planeten.
Dünn besiedelte Natur lieben die Menschen immer
Natürliche Umgebungen lieben Menschen ebenfalls, daher werden heutige Naturparks eher natürlicher werden, das bedeutet weitgehend dem Einfluss der industriellen Besiedlung entzogen. Der Zugang zu diesen sehr großen Gebieten erfolgt dann durch Verzicht auf bestimmte Bequemlichkeiten, etwa großflächige Hotels, daher beschränkt sich ganz selbstverständlich der Besuch auf wenige Wochen im Jahr. Ein ähnliches Konzept haben bereits heute die Nationalparks in den USA, in denen man fast nur im Zelt oder Wohnmobil leben kann.

Service

Jeder Wohlhabende hat viele Diener, jeder Mensch hat das auch gerne. Bereits heute haben wir viele Diener, eine Spül- und Waschmaschine die unsere Sachen reinigt, eine Bedienung im Restaurant, ein Auto, das uns fast automatisch an jeden Ort bringt. Viele weitere Diener, die Rasen mähen, den Garten pflegen und Putzen, Hilfe beim Kochen und Aufräumen, Unterstützung bei der Lebensplanung, werden hinzukommen. Technisch gibt es hier kaum Grenzen und daher werden alle nützlichen Unterstützungen auch umgesetzt werden. 
Wenn selbst unangenehme Arbeiten vom Roboter übernommen werden.
Die Idee, dass die Altenpflege auch von Robotern erfolgt, will ich aber nicht sehen. Da die Gesundheit auch bei vielen Lebensjahren nicht schlechter werden soll, ist auch eine Pflege, so wie wir sie heute kennen nicht nötig. Ausnahmen mögen die Zeiten nach einem Unfall sein, aber auch Unfälle werden eher sehr selten sein. Letztendlich werden Menschen die Pflege übernehmen, da nur im sozialem Kontakt ein menschliches Leben und Genesen möglich ist.

Mobilität

Wohlhabende Menschen zeigen eine sehr hohe Mobilität. Nicht wenige Menschen verwenden das erste verdiente Geld für Reisen und die Anschaffung eines Autos. Das kann man extrapolieren und sieht dann, dass Menschen gerne 100.000 km im Jahr zurücklegen. Da dies dann von einem Großteil der Menschen genutzt wird, wird der Luftverkehr oder andere Techniken wie Hyperloop, eine Art Rohrpost, die mit Schallgeschwindigkeit Menschen preiswert transportieren kann, zunehmen. 
Der Flugverkehr wächst seit hundert Jahre kontinuierlich.
Alle diese Transportformen laufen aber im wesentlichen innerhalb des Gravitationspotentials der Erde ab, das bedeutet, wir werden nur in Ausnahmefällen in den fernen Weltraum reisen.
Individuelle Mobilität ist gewünscht, daher kann es leicht sein, dass fast jeder ein Flugzeug hat, welcher Art das sein könnte, habe ich in einen anderen Blogbeitrag schon mal betrachtet.
Luftfracht Flugzeug, wird bald jeder eines haben?

Energie

All die faszinierenden neuen Produkte und Möglichkeiten benötigen viel Energie. Es wird wohl die am stärksten belächelte Vorhersage sein, dass wir in Zukunft weniger Energie verbrauchen. richtig ist, wir werden weder Öl noch Kohle verbrauchen, sondern saubere Energiequellen nutzen. 
Naheliegend erscheint heute, dass wir sehr viel Solarenergie nutzen, im Extremfall sogar eine Dyson Sphere bauen. 
Die Energiequelle der Zukunft ist unbekannt
Allerdings sollte man hier warnen, in diesem Artikel geht es nicht um die nächsten 20 Jahre, sondern um die nächsten 85 Jahre. Ich kann mir gut vorstellen, dass völlig neue Energieformen zur Verfügung stehen, etwa die "Kalte Kernfusion". Aus energetischer Sicht gibt es einige Energieformen, die noch nicht genutzt werden. Entscheidend ist daher, welche technologischen Durchbrüche in den nächsten 80 Jahren gemacht werden, die heute eben nicht vorhergesagt werden können.

Künstliche Intelligenz

In den letzten 50 Jahren hat sich die Leistung der Computer immer exponentiell entwickelt. Die Vorhersagen, wie viel Computerleistung für den Aufbau einer künstlichen Intelligenz nötig ist, kann man zwar nicht genau ermitteln, allerdings sollte die notwendige Schwelle weit vor dem Jahr 2100 überschritten werden. 
Werden wir völlig in Computern versinken?
Mit dem Erreichen der künstlichen Intelligenz (KI) wird sich im günstigen Fall, das ist der Fall, dass die Menschheit nicht von dieser KI ausgerottet wird, das Leben erheblich vereinfachen. Da es dann nicht mehr die vielen mühevollen Arbeiten gibt, die man als Physiker oder Wissenschaftler hat, es genügt eine Intuition und das KI System hilft die Idee in eine funktionierende Theorie umzubauen oder den Irrtum zu erkennen. 

Auch alle anderen einfachen aber anstrengenden Entscheidungen, welche Strecke muss ich fahren, wo steht welche Information kann der Computer beantworten. Genaugenommen kann er das schon heute, aber wir trauen uns nicht, das künstliche Intelligenz zu nennen. In Zukunft wird in solchen Bereichen kaum ein Leistungsbeschränkung auftreten.

Zukunft

Wir kennen die Zukunft nicht, aber es macht immer wieder Freude, die eigene Phantasie in die Zukunft zu entführen. Ich hoffe dies ist mir ein wenig gelungen.
Eine Anleitung, eigene Zukunftsvisionen zu entwickeln finden sich in der Praxilogie von Otto Buchegger.

Dienstag, Juni 17, 2014

Elektronisch Trampen

Mitfahrgelegenheit anbieten und erleben

Als junger Mensch bin ich sehr viel getrampt, man hat sich an eine geeignete Stelle am Ortsausgang gestellt und wurde nach etwa zehn Minuten mitgenommen. Erstaunlicherweise hing die Zeit nicht vom Verkehr ab, bei wenig Verkehr sind die Menschen hilfsbereiter, bei viel Verkehr denkt jeder wohl, das wird ein anderer übernehmen. Als ich dann viele Jahre später ein Auto hatte, habe ich fast alle Tramper mitgenommen die am Straßenrand standen. Es waren oft interessante Menschen und ich wollte auch etwas zurückgeben, das ich in der Jugend bekommen habe.

Internet und Mobilfunk

Die Welt hat sich inzwischen radikal geändert. Nur noch ganz selten sehe ich jemanden am Straßenrand mit herausgestreckten Daumen stehen*. Das mag zum einem daran liegen, dass viele zum 18 Geburtstag bereits ein Auto geschenkt bekommen, aber auch daran, dass es verschiedene Vermittlungen von Mitfahrern über Internet und passende Apps gibt. Daher habe ich das auch ausprobiert und will meine persönliche Erfahrung wiedergeben. 
Hinweis: Persönliche Erfahrung kann nur sehr begrenzt verallgemeinert werden, aber vielleicht geben die Leser passende Kommentare ab.
Moderne Kommunikation ermöglicht das elektronische Trampen

Anmeldung bei einer Online-Mitfahrseite

Inzwischen haben die erfolgreichen Websitebetreiber gelernt, dass ein Anmeldevorgang bequem funktionieren muss und ich kann nicht klagen. Meine erste Fahrt führt aus dem Schwarzwald nach München und zurück, geplanter Zwischenhalt ist Flughafen Stuttgart. Uhrzeit und Datum eingeben, fertig.
Kurze Zeit später, erste Anmeldung eines Mitfahrers, bald darauf wieder Abmeldung, hat sich das wohl anders überlegt. Bei Reiseantritt habe ich schließlich drei Hinfahrer und zwei Rückfahrer.

Die Reise

Da ich eine Dienstreise habe, muss ich natürlich auf eine gewisse Pünktlichkeit achten. Bei der ersten Abholung ist erst mal niemand da, aber per Handykontakt gelingt es, innerhalb von 15 Minuten doch noch fast pünktlich zu starten. 
Leichter Stau vor Stuttgart, Anruf im Auto, Ein Zusteiger am Flughafen steckt in der S-Bahn fest. Kurz darauf der zweite Zusteiger, offensichtlich gleiche S-Bahn. Ich toleriere jetzt 20 Minuten Verspätung am Flughafen. Dort ist zunächst auch niemand, aber per Handy klärt sich das und schon sehe ich eine Mitfahrerin im Sauseschritt auf mein Auto zulaufen. Der andere Mitfahrer hat wohl weniger Glück, will aber auch in einer Stunde kommen, so lange kann ich wegen meines Termins nicht warten, da höre ich natürlich keine Freude am anderem Ende der Leitung.
An der Zielraststätte, beide Mitfahrerinnen haben sich auf die gleiche Raststätte geeinigt und ihre Freunde per Handy umgelotst, klappt die Übergabe der Passagiere perfekt.

Die Rückreise

Den Rückreisetermin muss ich um zwei Stunden vorverlegen. Wieder hilft die moderne Kommunikation, am Smartphone die Daten in die App eingegeben, Anrufe bei den zwei Mitfahrern und perfekt pünktliche Mitfahrer am Wartepunkt. Ein indischer Student und ein deutscher Programmierer, da entwickeln sich sehr interessante Gespräche, man lernt sich untereinander kennen und erfährt eben Details, die nur im persönlichen Gespräch zu vermitteln sind. 
Auch mein zweiter Mitfahrer organisiert die Abholung von meinem Reiseendpunkt in Echtzeit über das Handy, so dass alle pünktlich nach Hause kommen.

Lohnt sich der Aufwand

Das Mitnehmen von anderen Menschen im leerem Auto ist nicht nur ökologisch sinnvoll, es kann auch Langeweile während einer langen Fahrt vertreiben. Allerdings muss man sich im klarem sein, dass es aus rein ökonomischer Sicht für den Fahrer eher ein Nullsummenspiel ist. Man ist sehr mit der Organisation der einzelnen Reisebegleiter beschäftigt. Insbesondere wenn man die Sache ernst nimmt und hilfsbereit sein will. 
Eindeutig wäre diese Form der Reise ohne der permanenten Verfügbarkeit von Internet und Mobilfunk kaum denkbar, zumindest wenn man eine gewisse Flexibilität bei der Reiseplanung erreichen will.
Bei längeren Reisen werde ich weiterhin den Zug nehmen, und in den Ausnahmefällen, in denen ich eine längere Autofahrt plane, werde ich wieder die Mitfahrt anbieten.
Automatische Vermittlung von Mitfahrten liegt zwischen Individualverkehr und öffentlichem Verkehr, damit ist es eine Innovation, die unser Leben verändern kann.

Wirkung des Internets auf die Fahrleistung: 
* Möglicherweise sieht man den hitchBot am Straßenrand, ein trampender Roboter in Kanada.

Freitag, November 11, 2011

Wir werden alle fliegen!

Ein Traum der Menschheit ist, dass wir fliegen lernen.
Man könnte es sich einfach machen und sagen,
"what you can dream will come true".
Jenseits dieser Träumereien gibt es aber eine neue Realität:

Der Taurus G4, ein Flugzeug, das pro Passagier auf 100 km nur 0,5 Liter benötigt, um genau zu sein, es ist ein Elektroflugzeug mit nur 5 kWh/100 km Stromverbrauch bei einer geflogenen Strecke von über 320 km  (Datenblatt).
Leider benötigt dieses Flugzeug immer noch einen Flughafen und ist damit nicht gerade für die eigene Garage geeignet.
Update 2019: es kommt noch besser: Lilium


Der Multicopter von e-volo kann von einigen Elektromotoren angetrieben leise senkrecht aufsteigen. Noch ist es nur ein Prototyp, aber wir halten fest, keine exotischen Raketen oder Turbinen, nur Bauteile vom Hobbymarkt.
Fehlt noch eine dritte Komponente, der autonome sichere Flug. Dazu benötigt man Elektronik, GPS und Kommunikation, alles Elemente, die praktisch beliebig Preiswert herstellbar sind.
Warum Fliegen?
Gibt es einen guten Grund vom Auto zum Flugzeug zu wechseln? Ja es gibt sogar mehrere entscheidende Gründe:

  1. Der Streckenvorteil: Weil Flugzeuge direkt, Luftlinie, von A nach B kommen, sparen sie bereits bei der Strecke mindestens 30% des Weges und damit auch der Energie
  2. Der Geschwindigkeitsvorteil: Da Flugzeuge, einmal in der Luft, mit einer relativ hohen Geschwindigkeit fliegen, im obigen Beispiel des Taurus G4 180km/h, sind sie viel schneller am Ziel als straßengebundene Fahrzeuge.
  3. Energieeinsparung: Fliegen gilt bei vielen als Energievergeudung, aber das Potenzial beim Energiesparen ist wesentlich größer als beim Auto, da nicht eine Tonne Gewicht bewegt werden muss um mechanisch stabil zu bleiben. Weiterhin muss man nicht ständig Beschleunigen und Bremsen. Im Beispiel werden mehr als 80% Energie eingespart.
  4. Zeitvorteil: Auf Dauer wird aber der Zeitvorteil entscheidend sein. Für eine Beispielstrecke von Freiburg nach Starnberg (422 km nach Google Maps) benötigt man mit dem Auto 231 Minuten. Mit dem Flugzeug der Zukunft erreicht man sein Ziel bereits nach 104 Minuten (260 km Luftlinie).
  5. Sicherheitsvorteil: Da in der Luft keine Kinder auf die Straße rennen, keine Bäume am Rand stehen und der 3D Raum genutzt wird, ist prinzipiell die Gefahr von Unfällen stark reduzierbar.
  6. Flächeneinsparung bei Straßen: Fast fünf Prozent der Fläche Deutschlands wird durch Strassen verbraucht, versiegelte Fläche. Sollte der Personenverkehr in die Luft ausweichen, wird zumindest kein Zubau mehr nötig sein.
  7. Lärm: Mit Flugzeugen verbinden wir Lärm, aber bereits das Flugzeug Taurus G4 hat weniger als 60dB Schallabstrahlung, weil es elektrisch ist und, das ist der zentrale Punkt, keine Abrollgeräusche verursacht. Welchen Lärm Abrollgeräusche verursachen weis jeder Autobahnanwohner!
  8. Lebensfreude: Nicht zuletzt ist Fliegen in einem Kleinflugzeug schön, man sieht nicht nur Schallschutzwände und LKW-Rückseiten wie auf der Autobahn.
  9. Automatisierung: Kein anderes Fortbewegungsmittel ist bereits jetzt höher automatisiert als das Fliegen. Ein Airbus kann ohne Pilot vom Start zum Ziel kommen, auch wenn das aus psychologischen Gründen den Passagieren nicht bekannt ist. Da es aber nur ein Softwareproblem ist, kann diese Technik sehr günstig für Kleinflugzeuge übernommen werden.
  10. Besser als Schiene und Düsenflugzeug. Bis zu einer Entfernung von 1000 km gewinnt ein Kleinflugzeug auch den Wettbewerb bei der Geschwindigkeit und besonders beim Energieverbrach gegen Düsenjet und Intercity.
Wann geht es los?
Nach all diesen Vorteilen ist es nur eine Frage der Zeit, bis Fliegen für jedermann erschwinglich wird. Zentral ist dabei das Umdenken, nicht laute, unflexible und teure Flugzeuge sind das Ziel, auch nicht langsame und schwere Autos, sondern smarte Kleinflugzeuge. 
Die ersten Schritte sind gemacht, die Kreativität und mutige Unternehmer werden bereits in zehn Jahren eine völlig neue Generation von Kleinflugzeugen schaffen. Eine neue Chance für das Land von Lilienthal.

Update 2013: 

Es gibt den ersten Hubschrauber in Multiokopterausführung!

Mittwoch, Juli 07, 2010

Das Beste was ich zum Thema Energie gelesen habe!


Das Beste was ich zum Thema Energie gelesen habe!
Wir werden täglich von der Presse und von Büchern mit Halbwahrheiten und Falschmeldungen zur Energieproblematik konfrontiert.
  • Standby ausschalten spart 2 Kernkraftwerke
  • 2000MW Solaranlagen auf Deutschlands Dächern
  • Wasserkraft ist aussichtsreiche Energiequelle
Wer wirklich wissen will, wie viel Energie wir verbrauchen (125kWh verbraucht ein Europäer am Tag) und welche erneuerbaren Energiequellen es gibt, die einen ernsthaften Beitrag leisten, der versteht die Problematik nach dem Lesen von David JC MacKay Buch! Das Buch steht kostenlos im Internet. MacKay ist Professor of Natural Philosophy, dort, wo einst Newton die Welt verändert hat, am Cavendish Laboratory, University of Cambridge.

Und das beste am Buch, es liest sich sehr leicht mit Britischen Humor, etwa die Bemerkung: “nine million cups of tea per year” is another way of saying “20 kW.”
Eine deutsche Übersetzung gibt es auch, wer das Original scheut..

Ich freue mich über Leserkommentare!

Mittwoch, September 02, 2009

Glühbirne verglüht
Seit 1. September 2009 wird zurückgeleuchtet, volles Leuchtstoffrohr.

Eigentlich will ich da nicht polemisch werden, aber es ist schon erstaunlich, was das Gesetz fordert. Glühbirnen werden verboten. Warum? Ein gewisser Energieeinspareffekt ist möglich, aber warum werden dann nicht zuerst Elektroheizungen verboten? Diese wandeln 100% des Stroms in Wärme um und nicht "nur" 95% wie eine Glühbirne, die nebenbei noch Licht erzeugt.

Glühbirnen sind die einzige (gebräuchliche) künstliche Lichtquelle mit einem kontinuierlichen Spektrum. Warum ist das entscheidend? Wenn ich mit einer Leuchtstoffröhre, die heute oft zu Energiesparlampen gebogen ist, Licht erzeuge, hat dieses Licht Spektrallinien. Liegt so eine Linie nicht exakt auf der Wellenlänge der roten Tomatensoße, dann sehen die Spagetti grau aus.

Und das ist das Problem! Der Mensch hat ein sehr empfindliches Sehen, wenn es um Farben von Nahrungsmittel geht, der Unterschied zwischen genießbar und verdorben ist oft gering. Sparlampen lassen Lebensmittel verdorben aussehen. Ja daran wird man sich gewöhnen müssen. Ob es die geringe Einsparung an Energie gerechtfertigt soll doch der Verbraucher selbst entscheiden.

Weitere zukünftige Entscheidungen
  • Maximal 5 Minuten Duschen (reicht zum Säubern)
  • Vollbad nur für Kranke
  • Raumtemperatur auf 17°C (War so in Rumänien vorgeschrieben)
  • Hände kalt waschen
  • Nur noch 3Liter Autos
  • usw.
Nebenbei bemerkt, jeder dieser Vorschläge würde mehr Energie sparen als das Glühlampenverbot.

Die Glühbirne ist eine der wichtigsten Innovationen der Industriegeschichte. Ich fordere Denkmalschutz für sie.