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Freitag, Juli 27, 2018

Elektronisch bestellen, "fast" kein Problem

Erlebnisse bei einer realen Bestellung

In diesem Blog will ich mal berichten, wie es mir ergangen ist, als ich einen Laptop elektronisch bestellen wollte.
Es sind vermutlich Erfahrungen, die jeder mal in der einen oder anderen Form nachen muss. 

Ein neuer Notebook

Seit gepflegten sieben Jahren schreibe ich auf meinen Lenovo T420s nicht nur meine Blogbeiträge sondern fast alles, was täglich anfällt. Zudem macht der Notebook viele Reisen mit, insbesondere auf dem Fahradgepäckträger, daher ist er jetzt langsam etwas altersschwach.

Ein neues Modell ist nach einiger Zeit gefunden, es soll ein Lenovo Yoga werden, der aktuell ausgestattet ist. Die Bestellung soll über die Hochschule erfolgen und da ich in der Wirtschaftsinformatik bin sollte all das folgende kein Problem sein, aber ganz so einfach ist es dann doch nicht. Am 28. Juni 2018 schreibe ich meine erste E-Mail um Anzufragen wie das mit der Bestellung genau geht.

Wie geht bestellen?

Direkt online Bestellen geht natürlich nicht, das muss über die elektronische Bestellseite der Hochschule laufen. Aber dort gibt es eine Nummer, welcher Haushaltstitel für die Bezahlung in Frage kommt. Nach wenigen Mails an den Dekan, ist klar, die Mittel sind da, ich kann gerne bestellen.
Nur noch schnell im Rechenzentrum nachgefragt, ob denn der Rechner zulässig ist und über welchen Händler die Bestellung erfolgen soll.
Da der Rechner etwas über 2000 € kostet, ist das eigentlich ein Problem, da aber ohne Mehrwertsteuer der Betrag unter 2000 € liegt ist es doch kein Problem, ich muss nur drei Angebote einholen und das Billigste wählen. Netterweiese ist im Rechenzentrum bekannt, wie die teueren Anbieter heißen. 

Jetzt geht's endlich los

Online Bestellformular der Hochschule aufgerufen und alles eingetippt, insbesondere Haushaltsnummer und die URL der verschiedenen Rechnerhändler. Nur noch ein Klick und ich habe die Bestellung abgeschlossen, puh war doch nicht so schwer wie gedacht. In der Liste meiner Bestellungen sehe ich schon den Eintrag meiner aktuellen Bestellung.

Nach einer Woche dann doch mal einen Kontrollblick, warum die Lieferung auf sich warten läßt. Ach je, bei der Eingabe wurde ein falsches digitales Zertifikat verwendet. Ok, kann passieren, kurz zum Rechenzentrum laufen, nachfragen wo das Problem liegt. Kein Problem, man kann selbst ein neues Zertifikat über den Browser beantragen.

Digitales Zertifikat

In jeder Vorlesung erwähne ich, wie wichtig digitale Zertifikate sind, daher erneuere ich gerne mein digitales Zertifikat. Mein bisheriges Zertifikat hat zwar immer gute Dienste geleistet, insbesondere für das Eintragen der Noten auf dem Hochschulsystem, aber was tut man nicht alles für eine Bestellung. Doch leider geht Beantragen eines Zertifikats neuerdings nicht mehr, wenn man Google Chrome verwendet. Also Internet Explorer mit der passenden URL aufgerufen und, geht auch nicht. Man muss, wie ich nach Rückfrage erfahre, den Firefoxbrowser installieren. Kein Problem, nach weiteren zehn Minuten Arbeitszeit habe ich jetzt einen weiteren Browser auf meinem alten Laptop und tatsächlich ich kann damit ein DFN Zertifikat erneuern.
Nur noch das Zertifikat in den Browser importieren und die Bestellung abschließen. Doch leider geht das nicht, da das Zertifikat ungültig ist. Jetzt ist guter Rat teuer oder besser einige Telefonate sind nötig.
In der Bestellabteilung ist das schwer zu verstehen, daher wieder an das nette Rechenzentrum gefunkt, dort gehts weiter zur Programmverwaltung, letztendlich liegt das Problem in der Schreibweise meines Namens, der muss in Großbuchstaben im Zertifikat vorliegen.
Ok, nochmal das Zertifikat beantragen, aber das geht nicht, da jetzt ja ein anderer Name vorliegt. 

Digitales Zertifikat 2. Runde

Ich muss jetzt ein Papierformular ausfüllen und dieses unterschrieben ins Rechenzentrum bringen, dort werde ich dann an einen Menschen weitergeleitet, der mir bestätigt, dass ich ich bin und er für mich ein neues Zertifikat anfrägt.
Tatsächlich erhalte ich eine E-Mail mit einer passenden URL, kann über den Firefoxbrowser das Zertifikat herunterladen und muss bei der Neuinstallation des Zertifikats einige sehr heikle Fragen beantworten, etwa: Wenn Sie das alte Zertifikat entfernen, können sie alle alten Dokumente nicht mehr lesen! Will ich das wirklich? Zum Glück kann man das umgehen und mehrere Zertifikate einspielen so dass ich nicht von meiner digitalen Vergangenheit abgeschnitten bin.

Bestellung 2. Versuch

Routiniert gebe ich jetzt meinen Bestellwunsch in das digitale Bestellwesen ein und tatsächlich, Bestellung wird als angenommen angezeigt.

Ein kleiner Auszug aus der Kommunikation. Was wohl in der E-Mail im Anhang war weiß man erst wenn man alles geöffnet hat. Auch hier, neben dem Font, gibt es Verbesserungspotential.

Wenige Tage später bekomme ich die Mitteilung der Bestellabteilung, dass die Bestellung an den Versandhändler ausgesendet wurde und ich freue mich auf meinen neuen Laptop.
Doch auch nach einer Woche keine Mitteilung aus der Verwaltung, dass mein Rechner angekommen ist.
Da muss ich doch nochmals nachfragen. 

Hotline Öffentliche Aufträge 

Eine große Überraschung für mich ist, als ich den Händler anrufen will, dass es dort sogar eine eigene Hotline für öffentliche Auftraggeber gibt. Bei dieser Hotline gibt es erstaunlicherweise keine Wartezeit und eine nette Dame aus Sachsen versucht mein Problem zu verstehen. nach einigen Rückfragen stellt sich heraus, dass die Bestellung, die per E-Mail eingegangen ist offensichtlich verloren ging. Was das jetzt immer für einen Grund hat, Spamfilter? Datenschutz? Letztendlich muss ich nochmals bestellen.

Dritter Versuch

Zurück in der Bestellabteilung der Hochschule, dort ist man überrascht, aber verspricht mir, sofort die Bestellung wieder abzusenden und sogar telefonisch zu klären, ob alles laäuft. 
An dieser Stelle wirklich mein Dank an unsere sehr nette Verwaltung, die sich offensichtlich viel Mühe gibt. Ich hoffe jeder hat derart nette Kollegen.
Doch leider ist die Geschichte jetzt nicht zuende, denn der Preis des Laptops hat sich inzwischen um 40 Euro erhöht. Ein nach meiner Ansicht seltener Vorgang, aber wer die Speicherpreisentwicklung kennt, auch nicht ganz verwunderlich.
Zum Glück ist der Preis nicht über die magische Grenze von 2000 € Netto gerutscht, sonst würde der Blog zu lange werden. 
Also die Preiserhöhung ist ok, die Bestellung kann nochmals ausgelöst werden. 

Ende

Die Geschichte ist jetzt gut ausgegangen, am 26.7.2018 erhalte ich die E-Mail, dass mein neuer Rechner zur Abholung bereit ist. Ich halte den Rechner X1 Yoga von Lenovo in meinen Händen und schreibe diesen Satz bereits auf meinem neuem Rechner. Hierbei möchte ich allerdings anmerken, dass bei der Installation meiner gewohnten Umgebung noch einiges zu tun ist, insbesondere Microsoft drängt sich immer wieder dazwischen. Aber das kennen wir ja.

Digitales Deutschland

Wir reden viel über Industrie 4.0 und autonomes Fahren, aber selbst einfache Prozesse, wie die Bestellung eines Laptops sind nicht digital abgebildet. Es gibt viele Schnittstellen und an jeder kann es haken. 
Eine Lösung könnte sein, dass man selbstverantwortlich digital direkt bestellt, die erhaltene Rechnung digital in der Verwaltung aufschlägt und dort dem Konto des Verantwortlichen zugeordnet wird. Im Fall von Missbrauch wird der Verantwortliceh zur Rechenschaft gezogen, was er ja auch heute wird, aber ansonsten wäre durch solch einen Prozess viel Zeit und Nerven gespart. 
Digitale Welt muss man wagen und nicht über alte Prozesse verzagen.

Ähnliche Betrachtungen habe ich in meinem Blogbeitrag "Papierbelege Digitalisieren" dargestellt.

Dienstag, Dezember 26, 2017

Produkte, die verschwunden sind

Vom Aussterben von Produkten

Im Lauf meines Lebens sind schon viele Produkte, die mal richtig wichtig waren, nahezu vollständig verschwunden. Ich will in diesem Nachruf auf meine kleine Geschichte zu dem jeweiligen Produkt hinweisen. Die Reihenfolge entspricht meiner unsortierten Liste der Erinnerungen.

Wählscheibe

Unser erstes Telefon, das wir nach langen Diskussionen in der Familie über die Kosten und Nützlichkeit, in den 1970er-Jahren bekommen haben, hatte eine Wählscheibe und war grün. Die Farbe Grün kostete einen Aufpreis von 1 DM im Monat! Das Telefon gehörte auch nicht uns, sondern der Post. Wollte man jemanden erreichen, steckte man den Finger in eine Scheibe mit zehn Löchern, drehte die Scheibe im Uhrzeigersinn bis zu einem metallenen Anschlag, nahm den Finger heraus und wartete bis sich die Scheibe wieder in die Ausgangsposition zurückgedreht hatte. Dann kam die nächste Nummer!
Zum Glück waren die Telefonnummern früher kürzer, unsere hatte nur drei (!) Stellen und Ferngespräche, insbesondere internationale, waren wegen der Kosten sehr selten.

Als Kinder hatten wir schon vor dem Eintreffen des echten Telefons das Wählen an einem Spielzeugtelefon geübt, sodass uns das Ganze völlig normal vorkam.

Telefonhäuschen

Als ich ein kleines Kind war, ging man zum Nachbar, der ein Unternehmen hatte und telefonierte dort. Das geschah aber höchstens einmal im Quartal. 
Dann gab es ein Gerücht, am Bahnhof soll eine Telefonzelle gebaut werden, zunächst sah man nur einen Betonsockel, aber innerhalb von einem Jahr stand da tatsächlich eine "moderne" gelbe Telefonzelle. Telefonieren ohne den Nachbarn zu nerven, welch ein Traum. Meine Tante schenkte mir mal eine Mark, damit ich Sie von dieser Telefonzelle aus anrufe. 
An vielen Orten fand man dann die gelben Häuschen, insbesondere beim Postamt. Während des Studiums war jede Woche ein Besuch in der nächstgelegenen Telefonzelle angesagt, um Zuhause den letzten Stand der Dinge durchzugeben, aber wie stand so schön an der Glaswand: "fasse Dich kurz" was ich aufgrund von Geldmangel immer gerne eingehalten habe.

Zwei Telefonzellen in Gelb am Titisee
Mit der Einführung der Magenta Telefonpunkte der Telekom war der Höhepunkt dieser Zelle überschritten. Bald rochen sie immer strenger und waren immer öfter kaputt, und inzwischen sind sie aufgrund des Smartphones ausgestorben.

Telefonbuch

Wer telefonieren will, muss die Nummer des Teilnehmers kennen. Dafür gab es ein Telefonbuch. Interessanterweise standen dort nur die Telefonnummern aller Menschen im Landkreis, Ferngespräche erforderten eine Anfrage bei der Auskunft. 
Aber in München, am Hauptpostamt neben dem Hauptbahnhof, gab es alle Telefonbücher Deutschlands (Westdeutschlands, versteht sich). Dort standen dann immer viele Menschen und blätterten nach Nummern, die sie in kleine Notizbücher, sogenannte Telefonbüchleins, eintrugen. 
Es gab auch Menschen, die konnten sich hunderte von Nummern merken, ich glaube dazu gehörte meine Mutter, als sie noch arbeitete.

Fahrplanbuch

Ein weiteres Buch, das Daten lieferte, war das Fahrplanbuch. Nach einem sehr speziellen Schema standen da die Abfahrtszeiten aller Züge der Region, etwa Oberbayerns. Wollte man eine Reise antreten, musste man mit viel Geschick eine Route finden und passende Anschlüsse.
Gab es eine Fernreise ging man zum Bahnhof, dort waren weitere größere Fahrplanbücher verfügbar und man konnte eine Deutschlandreise planen. 
Da die Bundes-Bahn alle sechs Monate die Fahrpläne änderte, war man gezwungen, halbjährlich, gegen eine Schutzgebühr von einer Mark, einen neuen Fahrplan zu kaufen. 
Mit dem nahezu sensationellem Erscheinen der Fahrplan CD war dieses Buch am Ende. 

LP

Für Langspielplatten soll es ja wieder Anhänger geben, aber das ist schon ein Zeichen, dass es nicht mehr der Mainsteam ist. Das gilt sogar für alle drehenden Datenspeicher. Weder CD, DVD noch Festplatte werden dieses Jahrzehnt überleben. Aber es wird immer Nischen geben und immer Freunde von Oldtimern.
Die LP ist gestorben, weil besserer Klang und einfachere Handhabung der CD alle überzeugt hat. Für mich gab es nie eine LP, da ich von Anfang an, will sagen von meinem Musikalter an, überzeugt war, dass die LP verschwindet und die CD kommt. Daher habe ich eine gewisse CD Sammlung, aber noch nie eine LP besessen.

Kassette

Die Musikkassette war eine merkwürdige Übergangstechnologie. Auf der einen Seite hat sie das Spulen Tonband beerbt, weil sie weniger Platz benötigt und einfach zu handhaben war, andererseits war sie nicht digital, wie der Nachfolger der LP, die CD. 
Originellerweise war mein erster Datenspeicher aber doch eine Musikkassette, auf den mein Sinclair ZX80 seine Daten unter erstaunlichem "Gejaule" überspielt hat. Also eine liebenswerte Zwischentechnologie auf dem Weg ins Digitalzeitalter.
Für die Musikindustrie hatte die MC den großen Vorteil, dass die Aufnahmequalität eher schlecht war, sodass keiner eine 2. oder gar 3. Generation kopierte. 
Mit dem Walkman war die MC aber auch ein Fingerzeig auf unsere Smartphones. Ich hatte dereinst einen Walkman mit eingebautem Radio und Lautsprecher (ca. 1983). Damit war man "online, wenn man Nachrichten hörte, und autonom, wenn man sich seine Musik aussuchte.

Röhre

Mit der Erfindung der Elektronenröhre begann das elektronische Zeitalter. Damit war es erstmals möglich, hochfrequente elektrische Signale zu verstärken, was insbesondere dem Telefon, dem Rundfunk und später der Digitaltechnik sehr half.
Technisch bedingt brauchen Elektronenröhren viel Strom und viel Platz, sodass sie nur für stationäre Geräte infrage kommen und immer erst vorgeglüht werden müssen.
Zu Hause hatten wir zwei Röhrenradios, die erst nach einige zehn Sekunden nach dem Einschalten Töne von sich gaben. Besonders faszinierend war für mich das "Magische Auge", eine Elektronenröhre, die mit Phosphor beschichtet war und mit der man erkennen konnte, wie gut ein Sender im Radio eingestellt war.
Außer in der Szene der Hi-Fi Fetischisten findet man heute praktisch keine Elektronenröhre mehr.

Röhrenmonitor

Die Braunsche Röhre war der Gipfel der Elektronenröhre. Sie kann Bilder auf einem Bildschirm erzeugen, damit kam das Fernsehen, zuerst s/w dann in Farbe. Bis zu massiver Größe von fast einem Meter ist der Röhrenmonitor auch ein echtes Dinosaurier der Röhrentechnik.
Mein erster Fernseher, s/w, wurde im Studium zu einem Computermonitor umgebaut, indem ich einen 5 MHz Eingang angebaut habe. Damit hatte ich ein viel besseres Bild, als alle die per HF Signal eingespeist hatten. Doch das Problem des Flimmerns und der unscharfen Pixel blieb bis zum Eintreffen der Flachbildschirme. Mein erster Flachbildschirm war wieder ein Computermonitor, jetzt an einem Laptop ca. 1990 und in s/w.

Glühbirne

Wenn es ein Symbol für Erfindungen gibt, dann ist es die Glühbirne. Daniel Düsentrieb hatte immer ein Helferlein, das mit einem Glühbirnenkopf rumlief. 

Bis heute ist bei Powerpoint das Symbol für Idee eine Glühbirne, auch wenn das bald keiner mehr versteht. Ähnlich wie die Diskette für "speichern" unter Windows als Symbol verwendet wird.
In meiner Kindheit gab es immer zwei Gründe, wenn es im Zimmer plötzlich dunkel wurde, entweder ist die Glühbirne kaputt gewesen oder es gab Stromausfall. Ja, man hatte früher nur eine Glühbirne pro Raum und sonst hat nichts ständig geleuchtet, Ausnahme, der Radio, wenn er eingeschaltet war.

Nickel-Cadmium Akku

Strom und Batterien gab es schon lange, als die Nickel-Cadmium Akkus auftauchen. Ein Traum für den jugendlichen Batterie-Benutzer. Die Batterien waren sehr teuer, man hatte immer mit dem Memory Effekt zu kämpfen und am Schluss wusste keiner wohin, da sich langsam herumgesprochen hatte, dass Cadmium eigentlich nicht gesund sein sollte.

Holzbefeuerter Küchenherd

Meine ersten Erinnerungen in der Küche waren ein Holzofen, in dem kurze Holzstücke geworfen wurden und dann alles so heiß wurde, dass ich nicht in die Nähe durfte. Manchmal wurde das weiße Türchen geöffnet und weiteres Holz eingeworfen. Ganz rechts war ein großer Wasserbehälter, der nach dem Kochen voll mit warmen Wasser für das Abspülen war. 
So ähnlich sah wohl unser alter Küchenherd aus.

Bald kam aber ein Mann und brachte einen Elektroherd mit Eisenplatten, montierte kompliziert am Sicherungskasten und erklärte all die neuartigen Funktionen des Herds. Die Frontseite war immer noch weißes Email, aber kein Ofenloch mehr, sondern nur noch ein Backrohr. 
Der alte Ofen blieb in der Küche, bekam eine große Holzplatte als Abdeckung und war damit eine gute Arbeitsfläche. In Betrieb wurde das "Back-up" nie wieder genommen.

Zimmer-Ölofen

Wärme gab es in unserer Wohnung bald mit Ölöfen. Ein sehr seltsames Gebilde aus heutiger Sicht. 
Im Schuppen stand ein Ölfass, das voll mit Diesel war, ja früher gab es da keine rote Farbe. Dieses Öl wurde in eine Gießkanne, ähnlich der für das Wasser im Garten, gefüllt. Dann trug man die Kanne unter mehr oder weniger Geklecker in die Wohnung und füllte die 10 Liter im Zimmer in den Ofen.

Das richtige Abenteuer war aber das Anzünden! In der Frühe kam immer meine Mutter ins Zimmer, schaltete den Ofen an, genaugenommen floss jetzt etwas Öl in den Brennraum. Nach etwa zwei Minuten öffnete man den Deckel des Brennraums, lies dann geschickt ein Zündholz in das Öl fallen und nach einigen Minuten wurde der Ofen spürbar warm.
Wehe, man hatte zu lange mit dem Anzünden gewartet, dann stand das Öl etwa fünf Millimeter hoch im Brennraum, nach dem Anzünden, das dann nur noch mit einem Knäuel Zeitungen gelang, begann das Feuer so stark zu brennen, dass das Ofenrohr rot glühte.

Nach dem Umzug in eine neue Wohnung gab es Heizkörper in jedem Zimmer und ich glaube, die alten Zimmer-Ölöfen sind inzwischen sehr rar geworden.

Fensterladen

Da Heizen teuer war, wurden die Fenster in der Nacht mit einem Fensterladen verschlossen. Fensterläden sind ein sehr guter Wärmeschutz, wenn sie gut schließen. 
Die Mühe bestand aber darin, die Läden zu schließen, dazu müssen die Fenster ganz geöffnet werden, ein Haken, der den Fensterladen an der Wand fixierte, gelöst werden und der Laden nach Innen gezogen werden. Dass das eine echte Gymnastik war erlebte ich, als meine Mutter sich einmal einen Hexenschuss bei dieser Übung holte. 
Das Rollo ist zwar hässlich, aber übernimmt heute fast immer die gleiche Funktion. 

Wäscheschleuder

Waschen mit der Waschmaschine ist eine der wichtigsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts, nach Rosling vermutlich eine der Ursachen, dass Frauen heute nicht mehr zu Hause sein müssen und damit die Gleichberechtigung erlangt haben. 

Eine Waschmaschine kam bei uns auch früh ins Haus, aber auch eine Wäscheschleuder. Das war ein zylinderförmiger Behälter, den ein Elektromotor auf hohe Drehzahl brachte, sodass die Kleidungsstücke darin vorgetrocknet wurden.  
Ich weiß noch wie ich immer bewundernd von oben in die rotierende Wäsche sah und beobachtete wie das Wasser unten in einen kleinen Eimer lief. Es gab da keine Sicherheitstüre, ich hätte jederzeit mit meinem Arm in die Schleuder greifen können. Habe ich aber nicht, da (früher?) alle Kinder etwas schlauer waren.
Heute ist die Schleuderfunktion in die Waschmaschine integriert und das Umladen in die separate Schleuder entfällt. 

Leiterwagen

Vor der Zeit des Autos und des dazugehörigen Kofferraums mussten die Menschen Ihre Sachen auch nach Hause bringen. Fast niemand hatte dafür eine Kutsche, sondern fast jeder einen Leiterwagen.
Wir hatten natürlich auch einen und ich erinnere mich, wie wir damit zum Bahnhof gefahren sind und an der Güterhalle an der Laderampe die Stückgutsendung "Kinderschaukel" abzuholen. Das lange Paket kam auf den Leiterwagen und wurde heimgezogen. 
Das war wohl der letzte produktiver Einsatz unseres Leiterwagens

Den letzten Leiterwagen im "produktiven" Einsatz habe ich in Tübingen 1988 gesehen, dort ist ein alter Mann damit durch die Stadt gezogen, um altes Eisen zu sammeln. Leider ist auch er aus dem Stadtbild längst verschwunden.

Telefonkabelverlängerung

Eine der unglaublichsten Erfindungen war das Telefonverlängerungskabel. In jeder Wohngemeinschaft war das ein Pflichtzubehör zum Telefon. Immer wenn das Telefon läutete, fragte man, wer wird gewünscht und hat dann das Telefon in das passende Zimmer getragen und die Türe geschlossen. Nach einiger Zeit hatte dieses Kabel viele Knicke und neigte zum Verdrillen, wie auch die Schnur zum Telefonhörer.
Unglaublich ist aber, dass das Stück von 5 Meter Länge jeden Monat eine Mark Miete gekostet hat. 
Funktelefone und Handys haben hier das Kabel völlig abgelöst.

Telefonimpuls-Zähler

Da Telefonieren teuer war und in meiner Wohngemeinschaft Mitte der 1980er-Jahre sorgfältig abgerechnet wurde, gab es ein kleines graues Kästchen, in dem ein Zählwerk arbeitete und die Telefonimpulse, die je nach Entfernung des Gesprächspartners unterschiedlich häufig eintrafen, zählte. Am Ende eines Telefonats trug man in die Liste den Anfangsstand, den Endstand und die eigenen Impulse des Zählers ein, am Monatsende wurde dann in der Wohngemeinschaft abgerechnet. 

Flatrate? Das gab es noch nicht. Skype und Handy waren reiner Science Fiction.

Filterkaffeemaschine

Sicher noch nicht ganz ausgestorben und wer noch das Wort Melitta kennt weiß, Kaffeefilter.
Der Traum meiner Mutter war immer eine Kaffeemaschine. Dieser ging in Erfüllung, als sie für eine Lehrerin die Zulassungsarbeit in die Schreibmaschine eingetippt hatte. Der Lohn für die wochenlange Arbeit war eine Krups Kaffeemaschine!

Im Zeitalter von Latte Macchiato, Espresso und zwanzig andere Varianten von koffeinhaltigen Gebräu ist die alte Filtermaschine im Speicher verschwunden und dient nur als Back-up bei seltenen Gelegenheiten.

Transmission mit Lederriemen

Eine sehr gefährliche Form der Energieübertragung erinnere ich noch aus der Kindheit. Wenn der Nachbar sein Holz sägte, dann stand da ein Traktor mit einem großen Eisenrad und die Sägemaschine. Dazwischen lief ein Lederband und trieb die Säge an. Wer seinen Arm in diesen Mechanismus bekommen hatte, war arm dran, da Arm ab. 
Wir Kinder durften einfach herumstehen und zusehen.

Heute sind Elektromotoren so billig, dass jede Säge einen eigenen Motor hat und die sehr gefährlichen Transmissionsriemen sind zum Glück verschwunden. 

Fernsehantenne

Mit dem Fernseher kam früher auch die Fernsehantenne auf das Dach. Da wir aber in einem altem schönen Haus wohnten, verbat sich das. So montierte der Elektroinstallateur die Antenne einfach im Dachstuhl unter dem Dach. 
Viele Häuser hatten jedoch eine Antenne auf dem Dach, ein Anblick der in einer Altstadt nicht wirklich schön war. Ich erinnere mich noch an einen Artikel im Stern, der beschrieb, dass man durch Kabel das Problem lösen könnte und eine Fotomontage zeigte eine Stadt ohne Antennen.

Diese Vision ist heute Wirklichkeit, fast 50 Jahre nach dem Artikel.

Milchkanne

Milch war für mich als Kind sehr wichtig und so natürlich auch die Milchkanne. Wir hatten sogar zwei, eine aus Aluminium-Blech und eine "moderne" aus Plastik. Sicher aus einem Material, das heute nicht mehr für Lebensmittel zulässig wäre.
Mit den Kannen ging meine Mutter fast jeden Tag zum Krämerladen, der füllte die Kannen mit einem Schöpflöffel, für heutige Hygiene unvorstellbar, aus einer offenen, großen Milchkanne, die er vom Bauern hatte. Zu Hause gab es dann frische Milch und der Rest wurde abgekocht oder zu Pudding verarbeitet, was ich die beste Verwendung von Milch fand.

Die Ablösung der Milchkanne war nicht einfach, Milchtüten, aber auch Milchschläuche aus Plastik waren im Handel. Beim Öffnen gab es immer ein Problem, erstaunliche Aufklapp- und Schneidetechniken machten die Runde, bis alle Milchtüten einen kleinen Schraubverschluss bekamen.

Tonbandgerät

Tonbandgeräte sind Kassettenrekorder, bei denen es keine Kassette, sondern Spulen gibt. Mein Vater hatte ein solches Gerät von Grundig und zeichnete damit unsere Kinderstimmen, und selten auch mal Musik, auf. Die Bedienung war für einen Nichttechniker wie meinen Vater sehr mühsam, aber es wurden doch einige Aufnahmen erfolgreich aufgezeichnet. Auch, wenn die Bänder leider verloren gingen.

In Sendestudios fristeten diese Bandgeräte noch lange hin, bis sie von moderner Digitaltechnik abgelöst wurden.

Floppy Disk

Eine flexible Scheibe aus Tonbandmaterial konnte früher 128 kByte Daten speichern. Sony brachte dann eine Floppy Disk mit 3 1/2 Zoll in einem Kunststoffgehäuse heraus, die 1,44 MByte speichern konnte. Ob man jemals so viel Daten benötigen wird, da der Hauptspeicher bei meinem Computer nur 48 kByte hatte?

Überlebt hat die Floppy in folgendem Witz: Der Sohn sieht eine Floppy Disk in Vaters Zimmer und sagt; "Cool, du hast das Speichern-Icon von Windows im 3D-Drucker ausgedruckt!"

Armbanduhr

Ein Kindheitstraum war der Besitz einer Armbanduhr. Auf meiner Kellogs Packung wurde eine wasserdichte Uhr angepriesen, die ich dann für 42 DM erworben habe. Immer am Arm, selbstverständlich auch in der Nacht, denn sie hatte ja Leuchtzeiger!
Die Technik wechselte dann zu LED, eine Quarz-Uhr bei der man einen Knopf anklicken musste, um die Zeit zu sehen, zu einer LCD Uhr mit Stopptaste bis zu einer Uhr mit Höhenmesser von Casio. 
Diese besitze ich noch immer, aber dank Smartphone und anderer elektronischer Geräte mit Zeitanzeige ist die Armbanduhr nur noch höchst selten am Arm.
  

Dampflok

Zum Schluss noch die Erfindung, die das Industriezeitalter eingeleitet und dominiert hat, die Dampfmaschine und insbesondere die Dampflok.

Museums-Dampflok in Silverton, USA.
Da ich am Bahnhof aufgewachsen bin, waren mir Dampfloks sehr vertraut. Auf der Fußgängerbrücke gab es manchmal die Möglichkeit, direkt durch den Dampf, der aus dem Kamin der Dampflok kam, zu gehen. Ein Erlebnis, das ich noch aus meinem ersten Schuljahr erinnere und auch ein Erlebnis, von dem ich noch weis, dass ich dachte, das könnte das letzte Mal sein, dass ich das erlebe ("This could be the last time"). Das lag daran, dass mir mein Vater sagte, in zehn Jahren wird es nur noch Dieselloks geben.

Heute gibt es nur noch Museumseisenbahnen, außer in Nordkorea, wie ich gehört habe.
Abgelöst wurde die Dampflok von vielen anderen Verkehrsmittel und Antriebsformen, neben ICE und Düsen-Flugzeug, Diesel-Pkw und Elektrolok auch einigen Dieselloks.

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Es gibt auch viele Wörter, die verschwunden sind, zuweilen weil die Produkte verschwunden sind: Artikel in der Welt.


Mittwoch, August 09, 2017

Die Kraft der Lernkurve

Wie das  Swanson-Law die Welt verändert

Alles wird besser, alles wird billiger.
Eines der erstaunlichsten Gesetze in der Welt neuer Produkte ist die Tatsache, dass die Preise mit zunehmender Stückzahl nach einem einfachen mathematischen Gesetz sinken. 
Da man das Gesetz kennt, kann man für viele Produkte, die in großer Zahl hergestellt werden, den zukünftigen Preis abschätzen. Insbesondere für relevante Produkte die für die weltweite Energiewende nötig sind liegen jetzt interessante Resultate vor, die in Energy Nature [1] veröffentlicht wurden.

Stetig sinkende Preise

Im Bereich der Computerprodukte ist es jedem schon einmal aufgefallen, ein Laptop, eine Festplatte oder ähnliches waren vor zehn Jahren viel teurer als heute. Um die Situation grafisch übersichtlich darzustellen, wird die Anzahl der produzierten Produkte, etwa Festplatten, nach rechts mit logarithmischer Skala aufgetragen und der Preis, ebenfalls Logarithmisch, nach oben.
Man erhält damit eine Lernkurve, auf der mehr oder weniger alle Punkte liegen:
Lernkurve für Festplatten
Die Steigung der Kurve gibt jetzt an, wie schnell der Preis mit zunehmender Stückzahl fällt. Bei Festplatten zeigt die orange Linie in etwa, dass bei einer Verzehnfachung der Produktion der Preis auf etwa ein Zehntel gefallen ist. 
Das ist in der IT nicht ungewöhnlich, ähnliche Werte findet man für RAM, Rechenleistung oder Glasfaser-Datenübertragung. Hier wirkt sich aus, dass in der IT durch eine Verkleinerung eine starke Verbilligung der Produkte einhergeht. 

Die Rückkopplung

Im Bereich von anderen industriellen Produkten, fällt der Preis nicht ganz so schnell, aber immer noch viel schneller als man vermuten würde. Die Ursache liegt in einer Rückkopplung, wie unten in der Grafik für Solarzellen dargestellt:

Rückkopplung bei Produktbedarf und Preis
  1. So wird zunächst zu einem hohen Preis ein Produkt hergestellt. Der hohe Preis liegt an der geringen Erfahrung mit der Herstellung und den hohen Kosten wie Vertrieb, Anlagen usw. 
  2. Nimmt der Markt das Produkt zum hohen Preis an, was bei Solarzellen etwa durch Subventionen erleichtert werden kann, geht die Produktion an die Kapazitätsgrenze 
  3. Neue Fabriken, oft auch von neuen Marktteilnehmern, werden gebaut, da offensichtlich ein Bedarf besteht.
  4. Die neuen Fabriken berücksichtigen Verbesserungsmöglichkeiten und sind auch größer, um den Markt zu befriedigen, die effizientere Produktion führt zu geringeren Herstellungskosten
  5. Der Verkaufspreis sinkt und damit wird der Markt für das Produkt größer. 
Wenn der Markt bei 20% geringeren Preisen doppelt so groß ist, was zumindest in der Solarbranche bisher der Fall war, geht die Abwärtsspirale weiter, bis entweder eine Marktsättigung entsteht, oder eine dominierende Rohstoffknappheit.

Prognosetool Lernkurve

Es mag akademisch interessant sein, die Vergangenheit zu verstehen, viel spannender ist es aber immer, in die Zukunft zu schauen und haltbare Prognosen zu erstellen. 
Im Bereich der Batterietechnik wurde das in dem oben zitierten Artikel [1] ausführlich getan. 
Hier muss man jetzt sorgfältig zwischen Lernkurve und zeitlicher Preisentwicklung unterscheiden!
Auf der Abbildung sieht man die Lernkurve für sehr viele verschiedenen Energiespeichertechniken, die alle einen ähnlichen Trend nach unten zeigen. Aber es gibt wichtige Unterschiede.

Lernkurve verschiedener Energiespeichertechniken [1]
Die Bleibatterie, ein Produkt, das in extrem hohen Stückzahlen hergestellt wird (Lead acid, gelbe Rauten) zeigt praktisch keine Preisänderung in den letzten 23 Jahren, da die Stückzahl nicht mehr nennenswert erhöht werden kann und zudem der Rohstoffpreis von Blei wohl den Preis dominiert. Ähnlich Pumpspeicher, grüne Punkte, die sogar einen geringen Preisanstieg hatten.

Die Elektrolyse (Electrolysis braune Quadrate), hat zwischen 1956 und 2014 "nur" ein Marktwachstum von 100% gesehen, damit einhergehend einen Preisrückgang von 18% bei der Verdopplung des Volumens, und damit eine geringe Aussicht, in den nächsten 70 Jahren eine grundlegende Änderung zu sehen.

Ganz anders Produkte, die noch "jung" sind, wie etwa die Lithium Ionen Batterie für Elektronik (Laptop, Smartphone), dort sieht man eine sehr steile Lernkurve, in den letzten 16 Jahren ist der Preis um mehr als den Faktor 10 gefallen, der Grund liegt im extremen Marktwachstum mit einem Faktor von über 10000%. 

Hat man ein Verständnis für diese Dynamik, kann man die Linien verlängern und bekommt den Preis bei höheren Produktionsmengen in der Zukunft.

Batteriepreise Elektroautos

Jetzt muss man "nur" noch wissen, wie stark der Absatz eines Produkts bei sinkenden Preisen wächst. Das ist wiederum sehr schwierig, wie man bei Elektroautos sieht. Zum einen liegt es am Marktumfeld, etwa Benzinpreise, Dieselabgase und auch am Marketing eines Elon Musk oder gesetzlichen Regelungen, etwa in China.

Batteriepreise Elektroautos [1]
Mit dem Wissen um diese Schwierigkeiten haben die Autoren in [1] dies abgeschätzt und dabei die Kosten eines Elektroautos, genaugenommen der Batterie und Stromkosten, und die Kosten eines Verbrenner-Autos mit Motor und Tankfüllung, verglichen. Die Prognose zeigt, dass möglicherweise schon 2022 ein Elektroauto bei gleicher Leistung, billiger ist, als ein Benzinauto. Danach wird der Markt komplett kippen, weil niemand wird ein teures Auto kaufen, nur damit es Benzin verbraucht und Abgase produziert.

Zukunft

Kennt man die wirtschaftlichen und technischen Zusammenhänge kann man eigentlich erstaunlich genau die Zukunft prognostizieren. Aber das stimmt nur, wenn man alles berücksichtigt. Und daher zwei Gegenbeispiele:

Das Gesetz von Moore über den Preisverfall von Computerchips aus dem Jahr 1965 hat wesentlich länger gehalten, als Gordon Moore selbst glaubte! Er dachte, dass etwa ab 1978 das Gesetz nicht mehr gilt, weil er sich einfach nicht vorstellen konnte, dass ein Transistor heute nur wenige Nanometer groß ist und 0,0000000001$ kostet.

In der Elektrizitätswirtschaft war man um 1970 völlig sicher, dass durch den Bau von vielen Kernkraftwerken der Preis für Strom so weit fällt, dass man in Zukunft fast keinen Stromzähler https://heindl.blogspot.com/2013/10/mit-co2-die-weltwirtschaft-messen.htmlehr braucht. Es ist anders gekommen, aber das ist eine andere Geschichte.

Nachschlag: 

Aktuell (2019): Seit 2006 Entwickeln sich die Preise für Solarpaneels sehr rasch nach unten, ob das einen neuen Trend andeutet?
Seit über 10 Jahren steiler Preisverfall bei Solarpaneels, jenseits des üblichen Swanson Law Bereichs.

Weitere interessante Datenanalysen:




Quellen:

[1] The future cost of electrical energy storage based on experience rates O. Schmidt, A. Hawkes, A. Gambhir and I. Staell, NATURE ENERGY 2, 17110 (2017) | DOI: 10.1038/nenergy.2017.110 | www.nature.com/natureenerg

Sonntag, Oktober 30, 2016

Das Ende der Bahn

Hat die Bahn eine Zukunft?

In meiner Jugend bin ich sehr viel Bahn gefahren und dies aus zwei Gründen, zum einen hatte ich kein Auto, zum anderen fand ich die Bahn eine ökologisch sehr günstiges Verkehrsmittel. Noch immer besitze ich eine Bahncard First für gelegentliche Zugreisen.
Heute fahre ich relativ viel mit dem Auto, mit meinen elektrisch angetriebenen Tesla, und bei großen Strecken nehme ich das Flugzeug, doch ist das wirklich eine vertretbare Art zu reisen? In diesen Blog will ich mal auf die Zukunft der Bahn eingehen

Vorteile der Bahn

Die Bahn hat einen sehr großen Vorteil bei Reisen, das Mitfahren im Zug ist einfach im Vergleich zum Flugzeug. Man löst schlicht und einfach eine Fahrkarte, heute kann man dies normalerweise von zu Hause aus, und steigt in den Zug, ohne Sicherheitskontrolle, und los geht die Reise. Im Zug sitzt man bequem, muss sich nicht um den Verkehr kümmern und kann gegebenenfalls den Laptop aufklappen und sogar arbeiten. Je nach Ziel  ist man einige Stunden später angekommen steigt aus und kann seinen Geschäften nachgehen.
Weltkulturerbe Rhätische Bahn, die wird bleiben!

Die Praxis

Soweit die Theorie leider sieht die Praxis deutlich anders aus. Wer nicht direkt am Bahnhof wohnt muss diesen erstmal erreichen.
Da am Bahnhof die Züge nicht kontinuierlich abfahren, sondern für das jeweilige Reiseziel zu einer festen Zeit, typischerweise jede Stunde, muss man exakt rechtzeitig am Bahnhof ankommen. Schon eine Minute zu spät und man wartet eine weitere Stunde. Diese Nichtlinearität führt zu sehr unangenehmer Hektik und gegebenenfalls zu einer selbst verursachten Verspätung.
Nicht selten wartet man im schlechten Wetter auf den Zug.


Sitzt man im Zug und will arbeiten, ist es leider nicht ganz so bequem wie gedacht, denn das wichtigste was man am Laptop benötigt ist das Internet. Erstaunlicherweise ist es der Bahn bis heute nicht gelungen auf ihrem überschaubaren Streckennetz eine stabile, schnelle Internetverbindung herzustellen. Ich erinnere mich an einen Flug nach Abu Dhabi, im Flugzeug zahlte ich 1 € und hatte eine perfekte Internetverbindung! Wenn dies technisch möglich ist müsste das doch auch in einem dicht besiedelten Gebiet, wie in Deutschland, möglich sein. Ohne Internetverbindung kann ich praktisch nicht arbeiten und auch mit sporadischer Internetverbindung ist mir nicht wirklich geholfen.

Das nächste Problem ist die geplante Ankunft. Fährt man nur eine einzige Strecke mit einem Zug ist die Chance relativ gut dass man das Ziel rechtzeitig erreicht. Allerdings, sobald man auf der Strecke mehrmals umsteigen muss, sinkt die Wahrscheinlichkeit leider dramatisch. Dies liegt wieder an der Nichtlinearität, das bedeutet, hat mein Zug 10 Minuten Verspätung werde ich den Anschlusszug nicht erreichen habe damit eine Stunde Verspätung und der gesamte Tagesplan wird ein Desaster.
Bahnstation in Paris

Menschen die trotzdem geduldig mit der Bahn und dem Intercitys unterwegs sind sagen sich, dies ist eben eine ökologisch günstigere Variante der Fortbewegung. Mit elektrischem Strom, zumeist aus Wasserkraft oder Solarenergie, kann ich die Umwelt schützen. Der Verbrauch pro 100 km liegt im Durchschnitt bei 4-5 Litern Benzin (genaugenommen der vergleichbaren Energiemenge) wenn ich Intercity fahre [1].

Neue Infrastruktur 

Um die Probleme von Verspätungen oder ähnlichem zu lösen versucht die Bahn mit massiven Investitionen in die Infrastruktur die Lage zu verbessern ein Beispiel ist der neue Stuttgarter Bahnhof der leider zehn Milliarden Euro kosten wird. Damit wird vielleicht die Durchfahrt durch Stuttgart etwas schneller für Leute die Stuttgart nicht als Reiseziel haben. Allerdings rechnen sich solche Investitionen bei der Bahn, ob es sich um Tunnel, Neubaustrecken oder Tief-Bahnhöfe handelt, erst nach circa 80 Jahren (Abschreibungszeitraum). Wir  müssen also daran glauben, dass die Bahn bis zum Ende dieses Jahrhunderts noch fährt doch ist das wirklich realistisch?
Komplexe Infrastruktur der Bahn

Das autonome Elektroauto

Ökologische Vorteile

Eine neue Alternative zur Bahn wird das vollautomatische Elektroautos sein, dieses fährt vom Haus zu Haus und nutzt dabei elektrischen Strom als Antrieb, der, ebenfalls wie der Bahn Strom, aus ökologisch günstigen Quellen hergestellt werden kann.
Bereits heute benötige ich für meinen Tesla nur 20 Kilowattstunden pro 100 Kilometer, das entspricht etwa der Energie von 2 Litern Diesel und selbst bei Berücksichtigung von Wirkungsgraden im Kraftwerk nur vier Litern Brennstoff (bei Ökostrom nahezu CO2 frei).
Das autonome Solarauto?

Nimmt man noch hinzu, dass Autos in Zukunft vielleicht besser ausgelastet werden, dank verschiedener vollelektronischer Mitfahrzentralen, ich selber nutze gerne BlaBlaCar, so steigt die Personenzahl von heute 1,5 vielleicht auf zwei oder sogar drei. Damit würde eine Person die reist nur einen Liter Treibstoff (oder 7kWh Strom) pro 100km benötigen.
Da das Elektroauto, vergleichbar dem Zug, völlig emissionsfrei auf der Reise fährt, werden auch die Innenstädte oder Straßenanwohner eine deutliche Verbesserung der Lebensqualität erleben, da Abgase und Lärm deutlich  bei elektrischen Fahrzeugen vermindert sind.

Reisezeit 

Die optimale elektronische Navigation führt bereits heute zu einem sehr viel zuverlässigerem Ankommen mit dem Auto als mit der Bahn, so ist zumindest meine Erfahrung bei den letzten 30 000 km mit dem Auto, die nie zu einer Verspätung im Bereich von Stunden geführt haben.

Die faktische Reisezeit mit dem Auto ist zudem erheblich kürzer. Dies liegt zuerst am Abfahrtszeitpunkt, den ich mit dem Auto beliebig wählen kann. Bei der Bahn aber im günstigsten Fall an einen Stundentakt gebunden bin. 
ICE im Stundentakt, das bedeutet Abfahrtszeit nie optimal.

Das bedeutet ich fahre mit der Bahn im Durchschnitt 30 Minuten früher weg als ich eigentlich müsste, das gleiche gilt natürlich nochmals am Ziel, dort komme ich im Durchschnitt eine halbe Stunde früher an wie es sein müsste, mithin verlängert sich jede Reise bei der ich die Bahn benutze um mindestens eine Stunde, wenn man von gleicher Fahrtgeschwindigkeit ausgeht. Erst bei Zielen, die über 500 km entfernt liegen, kann, durch die hohe Geschwindigkeit des ICE, etwas Zeit gewonnen werden. Doch dann ist es meistens sogar bequemer das Flugzeug zu wählen, da dort die Reisegeschwindigkeit drastisch gegenüber den Zug sinkt.

Bleibt noch der Vorteil dass man im Zug entspannt fährt und gegebenenfalls arbeiten kann. Dies  ist natürlich auch in einem Auto möglich, das vollautomatisch fährt, dort kann ich ebenfalls meiner Arbeit nachgehen. Interessanterweise habe ich beobachtet, dass im Auto die Internetverbindung beziehungsweise Telefonverbindung erheblich besser ist als bei Zugreisen.

Reisekosten

Bleiben noch die Kosten. Die Fahrt mit dem Auto ist normalerweise etwa gleich teuer wie die Fahrt mit dem Zug. Über die komplexe Struktur von Bahn-Preisen will ich hier nicht berichten, jedoch wird ein Auto in Zukunft, das mehrere Passagiere mitnehmen kann, vollautomatisch fährt und elektrische Energie nutzt, typischerweise wenige Kosten pro Passagier haben als heute. Ich gehe von einem Faktor von 3 oder höher aus. 
Damit wird die Autoreise aber deutlich billiger als die Bahnreise ohne dass es einen nennenswerten Komfortverlust gibt. 

Das Ende der Bahn dämmert

Die logische Konsequenz aus diesen Überlegungen ist natürlich, dass der Bahnbetrieb wesentlich weniger Passagiere hat, mit der Folge, dass entweder die Zahl der Züge ausgedünnt wird mit einer Kettenreaktion in Richtung weniger Züge, weniger Passagiere, ungünstigere Verbindungen und letztendlich der komplexe Bahnbetrieb sich nicht mehr lohnt.
Das letzte Abstellgleis

Alternativ kann der Staat natürlich eine Weile die Bahn (noch stärker) subventionieren, doch ohne sinnvolles Motiv für diese Subventionen, also ökologische oder volkswirtschaftliche Art, wird sich das politisch nicht durchsetzen lassen, womit das Ende der Bahn besiegelt ist. 

Wie lange wird es noch dauern bis der letzte Zug ausfährt?

Diese Frage kann man natürlich nicht mit einer simplen Jahreszahl beantworten und muss es auch etwas differenzieren.

In Großstädten werden weiterhin Massentransportmittel wie die U-Bahn eine Rolle spielen, da diese unübertroffen effizient in dicht besiedelten Gebieten die Menschen an ihre Ziele bringt. 

U-Bahn Tunnel
Auf Fernstrecken und in ländlichen Regionen erscheint es mir aber kaum möglich einen Bahnverkehr für Passagiere aufrechtzuerhalten. 

Ein anderes Thema ist der Güterverkehr. Hier könnte durch eine Automatisierung der LKW sogar eine erhebliche Renaissance auf der Schiene stattfinden, wenn das Umladen von Containern zwischen Bahn und Strasse vollautomatisch erfolgt.
Amerikanischer Güterwagen


Für den Luftverkehr auf mittleren Strecken könnte sich eine neue Form, etwa der von Elon Musk geförderte Hochgeschwindigkeitszug Hyperloop (Geschwindigkeiten bis 1000 km/h) als brauchbare Lösung für den Personenverkehr darstellen. 
Wir werden also im nächsten Jahrzehnt erleben, wie es zu einen rapiden Verfall der Bahn Struktur kommt und so ist es heute aus meiner Sicht verantwortungslos, immense Investitionssummen in die Infrastruktur der Bahn zu stecken, etwa Tief-Bahnhöfe, Neubaustrecken oder Ähnliches, da keineswegs sicher ist, dass sich dieser Aufwand jemals lohnen wird. Besser wäre es kurzfristig Bahn und Bus etwas bequemer und effizienter auszustatten bis die Ablösung dieses, über 180 Jahre alten Verkehrsmittels, erfolgt.
Museumsbahnen wird es noch lange geben.

Quellen

[1] Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 14.10.2007, Nr. 41 / Seite 69, berücksichtigt werden Auslastung, Streckenlänge und Anreise zum Bahnhof.   

Samstag, März 02, 2013

Nexus 10 leben mit dem Pad

Seit einigen Wochen habe ich einen nexus 10 Pad Computer. Was ändert sich in den Nutzergewohnheiten wenn man nicht nur einen Laptop mit Zusatzmonitor nutzt?
nexus 10, Bild: Wikipedia

Der Arbeitsplatz 

Der Arbeitsplatz, an dem man den Rechner nutzt wandert zum Sessel oder zur Couch. Diese Plätze hatte ich bisher für das Lesen optimiert. Das bedeutet eine helle Lampe war immer an. Jetzt läßt man die ausgeschaltet, da es nur unnötig blenden würde. Sollten das sehr viele Menschen so machen, könnte es sogar zu einer gewissen Energieeinsparung führen.

Die Benutzerfeundlichkeit

Die Oberfläche ist so intuitiv zu bedienen, dass sogar meine Schwiegermutter, völlig Computernovize, den Pad nutzt um die Heimatnachrichten online zu lesen. Dabei ist es sehr hilfreich, dass man die Schrift beliebig zoomen kann. Weiterhin ist das Pad so gut im erkennen der Finger, dass die Interaktion gelingt. Mein vierjähriger Sohn hat dem Ding auch schon einen Namen gegeben: Brettcomputer. 

Orientierung 

Eine alte Frage bei Rechnern ist, soll der Monitor hoch oder Querformat haben. Bei der täglichen Nutzung fällt mir auf, dass ich im Internet Hochformat bevorzuge. Allerdings drehe ich oft bei Bildern., Grafik oder Film in das Querformat. Dies ist mit einem Laptop unmöglich. Auch die Haltung des Brettcomputer auf dem angewinkelten Bein ist anders als mit Laptop auf dem "lap". 

Zoom

Ein sehr wichtiger Vorteil ist das einfache zoomen mit zwei Finger. Auf vielen Webseiten ziehe ich den Satzspiegel heran, so dass ich nicht von der ablenkenden Werbung gestört werde. Zudem zoome ich öfter in Grafiken, speziell bei wissenschaftlichen Artikeln im PDF Format.

Blättern oder scrollen 

Eine weitere Frage ist, blättert man besser durch ein langes Dokument oder soll man scrollen? Ich bevorzuge momentan noch das scrollen, das könnte aber auch an der Gewohnheit mit Webseiten liegen. Auf jeden Fall ist es bequemer als in einem Buch zu lesen! Und damit sehe ich für das Papierbuch definitiv das Ende kommen. 

Schreiben 

Zumindest diesen Beitrag habe ich jetzt am Pad geschrieben. Das war nur möglich mit der Software SwiftKey, die sofort errät was man eingeben will und damit erreicht man mit zwei Finger fast 10–Finger Geschwindigkeit, zumindest ich, der kein guter 10–Finger Schreiber ist. 
Alternativ kann man auch diktieren. die Diktierfunktion ist besser als bei früheren Systemen, allerdings fühle ich mich wohler wenn ich tippe. 

Handling 

Die Batterie reicht mühelos den ganzen Tag, Nachts wird immer aufgeladen. Da der nexus 10 nicht wie ein Laptop zugeklappt werden muss kann man ihn einfach weglegen etwa auf das Bücherregal. Nach zwei Minuten geht er bei mir in den Standby-Modus, eine Minute ist zu kurz da geht er manchmal beim Lesen aus. Wiedereinschalten geht in Sekunden, kein Vergleich zum Festplattenrechner. 

Wirklich toll 

Zusammengefasst ist der nexus 10 eine echte Bereicherung, ich hätte nicht gedacht, dass ich so oft das Brett nutze. Also eine echte Innovation

Samstag, November 28, 2009

Gezielter Medienbruch
Das Informationszeitalter hat ein Ziel, Medienbrüche zu vermeiden, denn jeder Medienbruch kostet menschliche Arbeitskraft. Und menschliche Arbeitskraft ist teuer.
In den letzten Wochen gab es bei Lidl sowohl ein preiswertes Keyboard als auch einen günstigen Laptop, dieser war zwar fünfmal teurer als das Keyboard, dafür hat er nur ein Fünftel des Gewichts. Aber das tut hier nichts zur Sache.


Entscheidend ist hier die Kombination: Auf dem Keyboard steht der Laptop um die Noten aus dem Internet anzuzeigen. Der Musiker hat jetzt das Vergnügen, die Noten abzutippen, oder, wie man so schön sagt, das Stück zu "spielen".


Wäre nur all die Arbeit (altdeutsch für Plage) der Dateneingabe ein Spiel, die Menschen würden alle glücklich.


Im Moment wird nur der Autor glücklich, er darf, dank der Innovation, spielen

Mittwoch, Juli 30, 2008

Laptop oder Buch?
Der neue kleine Laptop von Aldi ist vorzüglich geeignet, bequem auf der Couch im Internet zu lesen. Leider gibt es aber einen kleinen Nachteil, das Display ist 600 Pixel hoch und 1024 breit die meisten Web-Seiten sind jedoch wesentlich besser zu lesen wäre das Display 1024 hoch und 600 Pixel breit. Aber zum Glück gibt es ja im Internet Software die dem Bildschirm um 90° drehen kann und tatsächlich jetzt kann man bequem die Seiten mit längeren Text lesen.
Leider ist das aber noch nicht optimal, die Maus bewegt sich nun völlig verrückt. Die Hersteller denken, ich hätte einen LCD Bildschirm am Schreibtisch und würde diesen drehen. Und "intelligenterweise" wird die Mausrichtung, besser gesagt das Touchpad, entsprechend angepasst. Genau das ist das Problem, jetzt stimmen die Achsen und Bewegungsrichtungen nicht mehr mit den intuitiv gedachten Richtungen ein.
Bleibt nur zu hoffen, dass ein guter Programmierer das Problem löst und mir eine Lösung zusendet.