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Freitag, September 13, 2019

Wahrscheinlichkeit für Leben

Wie wahrscheinlich ist Leben im Weltall

Das neue Buch von Dirk Schulze-Makuch und William Bains wirft unter dem Titel "Das Lebendige Universum" [1] die Frage auf, wie hoch die Wahrscheinlichkeit für Leben im Universum ist. Die Autoren zergliedern den Weg zur menschlichen Zivilisation in mehrere Schritte, denen qualitativ eine Wahrscheinlichkeit zugeordnet wird. Einige Gedankengänge will ich aufgreifen und hier weiter entwickeln.

Die wichtigsten Schritte

Der Anfang ist am schwierigsten, wie ich weiter unten genauer betrachten will. Es geht um die Entstehung der ersten selbst-reproduzierende Entitäten (etwa Zellen) in der "Ursuppe". 
Wenn heißer Stein auf Wasser trifft entstehen komplexe Moleküle

Danach benötigt Leben eine zuverlässige Energiequelle, auf der Erde hat die Natur die Photosynthese gewählt. Eine gute Wahl, da die Sonne bei uns sehr viel Energie liefert. Auf anderen Planeten oder Monden könnten es vielleicht auch chemische Prozesse sein. Interessant ist hierbei, dass mehrmals in der Evolution Systeme zum Auffangen von Licht "erfunden" wurden. So unterscheidet sich das Chlorophyll in den Pflanzen grundsätzlich von den Rhodopsin in unseren Augen, das Licht aufnehmen kann und uns zum Sehen dient. Theoretisch könnte letzteres auch zur Photosynthese weiterentwickelt werden.
Photosynthese in Wasser un an Land bestimmen unsere Welt


Nach dem Einfangen von Licht ist die Umwandlung von Wasser in Sauerstoff und Wasserstoff ein entscheidender Schritt. Erstaunlicherweise hat sich der erzeugte Sauerstoff über eine Milliarde Jahre nicht sonderlich in der Atmosphäre angereichert, da erst einmal alles Eisen und viele andere Substanzen oxidiert wurden. Erst als alles verrostet war, blieb Sauerstoff übrig und reicherte sich auf über 30% an!

Sehr schlecht für das damalige Leben, aber sehr gut für Tiere, die das nutzen konnten. Nur wenn es genügend Sauerstoff gibt, heute sind es 21%, können Tiere ohne Photosynthese Energie gewinnen.

Ein weiterer kritischer Schritt war der vom Einzeller zum Vielzeller mit spezialisierten Zellen, nur damit sind große Lebewesen möglich, so wie wir.
Viele Lebewesen entwickelten ein Gehirn, andere ein größeres.

Die Erfindung eines Gehirns hat mehrmals stattgefunden, so unterscheidet sich ein Octopus-Gehirn fundamental von unserem, obwohl der Octopus erstaunlich schlau ist. 
Der (vor-) letzte Schritt ist Intelligenz, wie sie bisher nur der Mensch entwickelt hat. Intelligenz  zusammen mit Sprache ermöglicht es Hochkulturen zu entwickeln. 
Zuletzt eine technische, industrielle Zivilisation die Weltraumfahrt betreiben kann was, nebenbei bemerkt, einen Planeten erfordert, der nicht viel größer als die Erde ist, sonst funktionieren Raketen nicht.

Der kritische Schritt: Das Leben

Betrachten wir jetzt den kritischen ersten Schritt der Urzeugung genauer, jenseits der Analyse im Buch. Evolution funktioniert nur, wenn es ein Objekt gibt, das von sich selbst Duplikate erzeugen kann. 
Dazu ist Energie nötig und chemische Substanzen, die Komplexität unterstützen. Vermutlich waren das von Anfang an Aminosäuren, aber selbst das wissen wir nicht sicher. Klar ist aber, dass bereits sehr früh auf der Erde Vorgänge abliefen, die zumindest teilweise eine Veränderung bei der Zusammensetzung der Kohlenstoffisotopen verursachten. So hat man 4,1 Mrd. Jahre alte Einschlüsse in Zirkon gefunden, die eine unnatürliche Zusammensetzung haben [2]. Wenn es Leben war, dann ist das Leben auf der Erde mindestens 4,1 Mrd. Jahre alt!
Da die Erde aber erst von 4,4 Mrd. Jahren entstand, lief der Prozess zum Leben offensichtlich relativ schnell ab. 

Wie waren damals die Bedingungen? Ein Planet, so groß wie der Mars, schlug auf der Erde ein und führte zur Mondentstehung. Die Erde war zunächst eine glühende Kugel die sich langsam abkühlte. Dabei wurde dann die Temperatur unterschritten, ab der Wasser flüssig wird. Wir stellen uns also die Ozeane als kochende Suppe vor, die massiv mit Mineralien aller Art "verschmutzt" ist. Zudem gibt es Stellen, an denen aus der Tiefe mehr Wärme aufsteigt und in sogenannten schwarzen Rauchern, unterseeische heiße Wasserquellen die es noch heute im Ozean in geologisch aktiven Regionen gibt und viel Energie an das Meer abgeben.

Dieses thermische Ungleichgewicht ist ein wichtiger Antrieb für chemische Reaktionen. Wenn man vereinfacht annimmt, dass die ganze Erde von einem Ozean bedeckt war und es überall brodelte wie in einem Kochtopf, so kann man zumindest grob abschätzen, wie komplex mögliche Moleküle werden können. 
Energie, Wasser und Mineralien sind die Elemente um Leben zu erzeugen.


Der Ozeanboden hatte eine Fläche von 82 *10^9 m². Geht man davon aus, dass eine ca 100 Meter hohe Wasserschicht im völligen Ungleichgewicht war, sind das ca. 10^13 m³ in denen die Chemie experimentieren konnte. Wenn pro Kubikmeter Wasser ein Gramm Chemikalien gelöst waren, so sind das 10^10 Kilogram und wenn Kohlenstoff als wichtigstes Molekül eine Rolle gespielt hat, sind das etwa 10^33 Kohlenstoffatome. Geht man von einer Reaktionsgeschwindigkeit von einer Million Reaktionen pro Molekül und Sekunde aus, führt das im Laufe von 300 Millionen Jahren auf 10^22 Reaktionen pro Molekül, zusammen mit den vielen Molekülen sind das 10^55 Versuche, die die Natur hatte. Dies ist natürlich eine sehr grobe Abschätzung, aber die Realität dürfte nicht um mehr als einen Faktor 10^20 davon abweichen.

Bei einem Würfelspiel könnte man mit 10^55 Versuchen leicht ein 70er Pasch werfen, also 70 mal hintereinander eine Sechs! Die Frage lautet also, gibt es bereits selbst-reproduzierende Moleküle die "nur" eine Komplexität von dieser Größenordnung haben. 

Einen interessanten Hinweis gibt die Analyse von Zellulären Automaten, die Stephan Wolfram im Buch "A New Kind of Science" [3] eingehend untersucht hat. Dort findet er, dass bereits ein Automat, der nur auf einer acht Bit langen Kette beruht und bereits Komplexität erzeugt. Das bedeutet in diesem Fall, in einer vom 256 verschiedenen Anordnungen findet man ausreichend Komplexität um beliebig komplexe Muster zu erzeugen. Das ist nicht mit Leben gleichzusetzen, aber sehr überraschend.

Betrachtet man die Komplexität vieler Proteine in Lebewesen, neige ich zur Antwort, ja das scheint plausibel, aber es ist schwer zu belegen. Möglicherweise benötigt man viel komplexere Moleküle, die menschliche DNA hat Milliarden Bausteine, aber es wurde ja auch nicht sofort ein Mensch in der Ur-suppe erzeugt! Leider gibt es keine Ursprünglichen Zellen mehr, alle haben im Lauf von 4 Mrd. Jahren enorm an Komplexität gewonnen und geben uns keinen direkten Hinweis auf die ursprüngliche Komplexität.

Sollte die Komplexität ausreichen, dann findet man sicher im Universum an verschiedenen Stellen Leben, benötigt man aber eine höhere Komplexität  dann endet man sehr schnell bei der Aussage, dass viele Universen, von der Größe wie unser sichtbares Universum sind, notwendig sind um den Zufall Leben zu generieren. 

Leben ist möglich

Wir wissen sicher, dass Leben möglich ist, sonst würden wir das Leben und wir uns nicht beobachten. Offensichtlich ist das Leben innerhalb kurzer Zeit, verglichen mit dem Alter der Erde, entstanden. Unter der Annahme, dass das Leben erst nach längerer Zeit in der Ursuppe entstanden ist, ist auch klar, warum das im Labor nicht leicht nachzuahmen ist. Die Bioreaktoren sind um sehr viele Größenordnungen zu kein und die Wartezeit ist zudem sehr groß, in menschlichen Maßstäben gemessen. 

Um entscheiden zu können, ob es eine Tendenz gibt, dass in Wasser unter günstigen Umständen Leben leicht entsteht hilft nur die Untersuchung vergleichbarer Bedingungen. Das bedeutet, wir müssen zu den Jupiter und Saturnmonden reisen, die offensichtlich Ozeane aus Wasser unter dem Eis haben. Wenn wir dort Leben entdecken, dann ist die Frage nach der Wahrscheinlichkeit für Leben gut eingegrenzt. Wenn wir immer nur sterile Welten antreffen, dann spricht einiges dafür, dass das Leben wirklich ein sehr seltener Zufall ist.

Warum wir das wissen müssen?

Bleibt noch die Frage, warum die Beantwortung der Frage nach der Wahrscheinlichkeit für Leben sehr brisant ist. 

Wenn die Entstehung von Leben ein relativ wahrscheinlicher Prozess ist, dann wird die Frage, warum wir bisher keine andere Zivilisation im Weltall getroffen haben wichtig. Tatsächlich erscheint es so, wenn ich dem Buch "Das Lebendige Universum" folge, dass die weiteren Schritte, etwa Photosynthese, sexuelle Fortpflanzung, komplexe Gehirne usw. vermutlich immer wieder erfunden werden, da die Evolution einfach ein extrem effizientes Verfahren zum Abtasten der Möglichkeiten ist. Genaugenommen sind die einzelnen Schritte nicht alle gleich einfach zu erreichen, aber hinreichend gut auffindbar.
In Erinnerung an Professor Ruder und das Weltall


Das bedeutet aber, wenn Leben leicht entsteht, dann entsteht zwangsläufig auf geeigneten Planeten nach einigen Milliarden Jahren eine weltraumfahrende Zivilisation. Für diese Zivilisation ist es möglich, unsere Galaxie, die "nur" 100.000 Lichtjahre groß ist, innerhalb einiger Millionen Jahre zu besiedeln.

Da diese Besiedelung offensichtlich nicht erfolgt ist, muss es noch ein zweites Problem geben, wenn man eine galaktische Zivilisation werden will. Dieses Problem wird oft als der Große Filter bezeichnet. Er könnte vor uns liegen und in Form von einer massiven Katastrophe eintreten. Diese Katastrophe wäre von derartigen Dimensionen, dass das Leben als solches auf der Erde vernichtet wird.
Was könnte es sein?
  • Ein Atomkrieg ist zwar schrecklich, würde aber vermutlich nicht einmal die Menschheit auslöschen sondern "nur" einige Milliarden Menschen töten.
  • Ein Biounfall könnte ähnliche Auswirkungen haben aber schwerlich das Leben als solches zerstören.
  • Der Klimawandel ist eher unter "harmlos" einzustufen, solange er nicht Verhältnisse wie auf der Venus erzeugt.
  • Kann die künstliche Intelligenz alles zerstören, darüber wissen wir wenig, Nick Bostrom hat das näher analysiert.
  • Gibt es noch unverstandene Naturgesetze oder Anwendungen analog der Atombombe, die einen Planeten komplett zerstören kann, das ist reine Spekulation.
Als alternative Erklärung kann natürlich dienen, dass wir einfach die Ersten sind und alles gut weiter geht. Damit das aber nicht reine Spekulation beleibt, ist es wichtig zu diesen Fragen intensiv zu forschen, insbesondere Astronomie, Biologie und Geologie können dafür wichtige Erkenntnisse bringen. 

Es wäre doch zu schade wenn der erste Funke Leben im Universum sich selbst auslöscht!

Quellen:

[1] Das lebendige Universum, Dirk Schulze-Makuch, Dr. William Bains, Springer Berlin Heidelberg, 2019, Print ISBN: 978-3-662-58429-3, Electronic ISBN: 978-3-662-58430-9
[2] Erstes Leben schon vor vier Milliarden Jahren? scinexx 2015
[3] A New Kind of Science. Wolfram Media Inc., Champaign Ill 2002. ISBN 1-57955-008-8.
 


Freitag, April 27, 2018

Was meine Gene sagen

Wer bin ich?

Jeder hat einen Vater und eine Mutter und unsere Eltern haben wieder Eltern doch woher kommen wir wirklich.

Eine beachtliche Neuigkeit sind Gentests und davon will ich heute berichten, nachdem ich das selbst ausprobiert habe.

Der Stammbaum

Vielleicht hat der eine oder andere schon mal versucht seinen Stammbaum zu rekonstruieren. Ich bin auf der Website von MyHeritage gelandet und habe dort nach und nach, soweit bekannt, meine Herkunft nachgezeichnet. Das ist nett, aber man bekommt zunächst nicht viel mehr als das was man schon auf Papier hat. Doch das System gibt Hinweise, wenn Namen und Daten übereinstimmen, wer möglicherweise noch entfernt verwandt sein könnte.
Mein Stammbaum bei MyHeritage


Die Website MyHeritage wird vom gleichnamigen Unternehmen in Israel betrieben, mit einem weiteren Sitz in Salt Lake City in Utah. Schwerlich entnimmt man dieser Information ein gewisses religiöses Interesse an der Herkunft, das mich hier aber nicht weiter interessiert.

Spannend ist aber die Erweiterung um die Möglichkeit, nicht nur unendlich viele Daten der inzwischen über 80 Millionen Nutzer zu sammeln, sondern das Auswerten von genetischer Information.

Mein Gentest

Jeder hat in seinem Körper Gene, auch jene, die immer "Genfrei" essen. Das liegt schlicht und einfach an der Biologie, die auf unserem Planeten mit Genen arbeitet um die Lebewesen zu kodieren. Doch jeder hat etwas unterschiedliche Gene (Ausnahme eineiige Zwillinge), einen Teil vom Vater, einen von der Mutter. Diese ständige Genaustausch über Generationen hinweg ist eines der Erfolgsgeheimnisse der sexuellen Vermehrung und macht damit die Evolution so erfolgreich. Eine Information, die sicher nicht ganz im Sinne der Gründer von MyHeritage liegen könnte.
Die Box für meinen Gentest

Was steht in meinen Genen? Das kann man tatsächlich mit einem Gentest bei der Firma MyHeritage bestimmen lassen. Für eine moderate Gebühr bekommt man ein schicke Box mit allem, für eine Gen-Entnahme notwendigen, zugesendet. 

Technisch ist alles ganz einfach, man reibt mit einem Wattestab auf der Innenseite des Mundes etwas Hautmaterial ab und legt den Wattebausch in ein angefeuchtetes Tütchen. Das wird noch einmal wiederholt, sozusagen die B-Probe, und alles geht dann in einem Kuvert in die USA zum Gentest Labor.

Nach einigen Wochen erhält man online das Resultat.

Die genetische Herkunft

Das erste verblüffende Resultat ist die Herkunft, aus welchen Ländern kommen die Vorfahren.
Wo meine Vorfahren gelebt haben.
Da ich aus Ostbayern komme ist die Überraschung nicht allzu groß, dass ein erheblicher Anteil "Römisch" ist, da die Römer bis an die Donau siedelten und daher auch in der Genkarte "Italien" bis an die Donau zeigt.
Daneben gibt es einige "Germanische" Gene aber auch Irland und Großbritannien steckt in meinem Blut. In der Beschreibung dieser Kulturräume ist die Website sehr schmeichelhaft:
"Die europäische Renaissance - eine Zeit der enormen künstlerischen und wissenschaftlichen Innovationen zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert - begann in Italien und wird vom italienischen Universalgelehrten Leonardo da Vinci verkörpert wie von keinem Zweiten." (Quelle: MyHeritage) 
Mit Leonardo da Vinci ist man natürlich gerne verwandt.

Genvergleich

Man kann aber noch tiefer Bohren und für einzelne Personen einen Genvergleich durchführen und sehen welche Genabschnitte identisch sind, wie im nächsten Bild gezeigt:
Genvergleich zwischen mir und einer anderen Person
Dabei sieht man aktuell eher geringe Ähnlichkeiten, aber das liegt natürlich daran, dass die Zahl der Menschen, die hier zum Vergleich herangezogen werden können noch klein ist, da nur wenige Ihre Gene schon hochgeladen haben.

Problematik von Gentests

Ob der persönliche Gentest eine Gute Idee ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Aktuell gab es aber einen brisanten Fall. Der Golden State Killer, ein schrecklicher Serienmörder in Kalifornien der zwischen 1979 und 1986 zwölf Personen ermordet hatte lief bis vor kurzem frei herum. Jetzt hat ihn die Polizei gefunden und zwar über einen Gentest, den ein naher Verwandter im Internet durchgeführt hat. Dieser hatte ähnliche Gene wie Genproben von den Tatorten und über gezielte Suche wurde dann der Mörder gefunden.

In diesem Fall ein klarer Sieg der Gerechtigkeit, aber ob das immer gerechtfertigt ist oder nicht, das ist eine andere Frage, die auf der Website von Stat diskutiert wird.


Montag, August 22, 2016

Unsere Zukunft mit Astronomie verstehen

Astronomie kann indirekt Gefahren erkennen

In diesem Blog will ich nicht auf den Aberglauben Astrologie eingehen, sondern auf neuartige Analysen der Geschichte.
Es geht um die Frage, kann uns die Beobachtung der Sterne, fremder Planeten und Galaxien einen Hinweis auf unsere Zukunft geben und insbesondere, können wir dadurch große Gefahren besser einschätzen. Ich will aber nicht an dieser Stelle auf Asteroiden eingehen, die die Erde bedrohen.

Eine kurze Geschichte der Menschheit

Blicken wir auf die Geschichte unseres Universums, das vor 13,8 Mrd. Jahren entstand, dann ist für uns auf der Erde relevant, dass es die Erde schon seit 4 Mrd. Jahren gibt. Und sehr bemerkenswert ist, dass es bereits kurz danach das erste Leben gab, je nach Analyse begannen biologische Prozesse vor 3,8-3,5 Mrd. Jahren.

Vor etwa 500 Millionen Jahren kam es dann zum Sex mit der Folge, dass das Leben einen unglaublichen Aufschwung genommen hat, in der sogenannten Kambrischen Artenexplosion entstanden innerhalb weniger Millionen Jahre alle grundlegenden Baupläne der Natur, vom Insekt bis zum Wirbeltier. Seit etwa 500 000 Jahren gibt es Menschen und seit 500 Jahren Bücher. Seit 50 Jahren fliegen wir ins Weltall und bauen Rechner mit Silizium.
Bisher scheint alles glattgelaufen zu sein, nie ist das Leben oder unsere Zivilisation vernichtet worden. Ob das so bleibt, würde man natürlich gerne wissen, und da könnte die Astronomie Hinweise geben.

Die Frage nach den Außerirdischen

Enrico Fermi stellte die Frage: "Wo sind sie denn?" (Wo sind die Außerirdischen)
Je nach persönlicher Meinung gibt es Außerirdische oder eben nicht. 
Ich unterscheide daher die beiden Fälle getrennt.

A. Es gibt keine Außerirdischen
(siehe auch den Blogbeitrag "Sind wir allein im Weltall")
Folgerung: Wir sind die einzige Zivilisation im Universum und es muss irgendetwas in der Geschichte gegeben haben, das so noch nie auf einem anderen Planeten stattgefunden hat. 
Die Tatsache, dass bereits kurze Zeit nach Abkühlen der Erde erste Einzeller gab, lässt es unwahrscheinlich erscheinen, dass auf anderen Planeten, und davon gibt es Milliarden allein in unserer Milchstraße, keine Einzeller entstanden sind.

Kritischer scheint schon die Entwicklung höherer Lebensformen zu sein, 80% der Geschichte auf der Erde fand nur mit Einzellern statt! Eine völlig vereinfachte Abschätzung könnte uns vermuten lassen, dass nur jeder 5. Planet mit Leben auch höhere Formen entwickelt.
Danach schien alles rapide auf den Menschen und unsere Zivilisation zuzulaufen.

Damit gäbe es aber immer noch Millionen Planeten in der Galaxie, die mit Zivilisationen überzogen sind. Wenn es also keine gibt, kann das nur bedeuten, dass sich die Zivilisationen sehr schnell selbst zerstören, mit welchen Mittel auch immer. Ich komme darauf noch zurück.

B. Es gibt Außerirdische
Wenn es Außerirdische gibt, dann wäre dies aus dieser Sicht höchst erfreulich. Denn es bedeutet, eine Zivilisation kann lange überleben. Bleibt aber noch das Problem, warum wir dann noch keine gefunden haben. (Oder haben wir schon welche gefunden, siehe Blogbeitrag "Erste Super-Zivilisation entdeckt")

Schwierigkeiten bei der Suche nach einer anderen Zivilisation

Sehr leicht machen auch seriöse Wissenschaftler den Fehler, sich Super-Zivilisationen sehr ähnlich zu unserer, sich vorzustellen. So gibt es die Suche nach Radiosignalen (SETI), obwohl es schon heute schwer ist, einen Jugendlichen mit Radio zu finden (;-). 

Auch die seriöse Überlegung, welche Signale wir zur Kommunikation innerhalb unserer Zivilisation verwenden, hat sich massiv geändert. Gab es in den 1970 Jahren sehr starke Sender, für die Farb-TV Versorgung, haben wir, heute Internet in Glasfasern das keinerlei Signale ins Weltall abgibt.
Auch die starken Radarstrahlen zum Erkennen von Flugzeugen oder feindlichen Raketen sind sicher kein dauerhaftes Element unserer Zivilisation. Letztendlich wird man immer versuchen Signale so aufzubereiten, dass sie nur den Empfänger erreichen und damit erzeugt eine Zivilisation kaum unabsichtlich Radiosignale die jenseits des Sonnensystems reichen.

Verbleiben die Zivilisationen, die absichtlich Radiosignale aussenden, weil sie das für die beste Technologie der interstellaren Kommunikation halten. Darüber kann man streiten, faktisch hat man jedoch noch keine Radiosignale, außer vielleicht das WOW! Signal, entdeckt. 

Es gibt noch einige andere uns bekannte Ansätze zu kommunizieren, etwa mit Laser-Strahlen, die sehr gut gebündelt werden können. Zudem kann man bereits heute kurze Laserimpulse erzeugen, die 10 Terawatt haben, mehr Leistung als alle Kraftwerke der Erde zusammen.
Möglich sind auch sehr große Spiegel, die das Sonnenlicht manipulieren. Diese Systeme haben den Vorteil, dass man mit relativ wenig Aufwand die gewaltige Energie der Sonne direkt nutzen kann. Nicht ganz unähnlich zum Handspiegel, der es einem ermöglicht, bei Sonnenschein über weite Entfernungen Lichtsignale zu senden.

Wir sollten Sie mit Astronomie finden

Wenn wir wissen, dass unsere Zivilisation ein wahrscheinliches Ereignis ist und die Abwesenheit von anderen Zivilisationen auf eine große, noch unbekannte Gefahr hinweist, dann sollte man die Suche nach den Außerirdischen sehr viel intensiver und kreativer betreiben. 

Die Astronomie ist dabei der Schlüssel, denn die Astronomie hat zwei wertvolle Elemente. Zum einen kennt sie den Normalzustand im Universum, welche physikalischen Vorgänge führen zur Abstrahlung unterschiedlichster natürlicher Signale. Denn nur wenn man ein genaues Verständnis der natürlichen Signale hat, hat man eine Chance ungewöhnliche Signale, welcher Art auch immer, zu erkennen.

Zum Zweiten besitzt die Astronomie die besten Geräte zur Beobachtung des Himmels. Das Problem ist allerdings, dass diese Geräte nicht sehr zahlreich sind, daher kann jeweils nur ein winziger Ausschnitt des Himmels kurz beobachtet werden. Es müsste schon ein sehr großer Zufall sein, dass man genau dann an die richtige Stelle sieht, wenn ET zu uns sendet.
Eigene Analyse der Lichtkurve von KIC 8262852


Bemerkenswert ist dabei ein Resultat der Kepler Mission, ein Satellit, der über vier Jahre einen Himmelsausschnitt mit 105 Quadratgrad (Etwa der fünfhundertste Teil des Himmelsgewölbes) genau beobachtet hat. Über 150.000 Sterne wurden kontinuierlich in der Helligkeit verfolgt, um Planetendurchgänge zu erkennen. Tatsächlich hat man ca. 3000 Planeten inzwischen gefunden, eine bemerkenswert hohe Zahl, wenn man bedenkt, dass nur Planeten, die zufällig auf der Sichtlinie zwischen Stern und Erde lagen beobachtet wurden.

Ein Stern hatte eine derart starke Helligkeitsänderung, dass der Computer das Signal als "Störung" zunächst nicht weitergegeben hat. Erst die visuelle Betrachtung der Daten durch eine Gruppe freiwilliger Helfer hat den merkwürdigen Verlauf der Helligkeit von KIC 8262852 bemerkt und analysiert. Das Resultat ist höchst bemerkenswert, meiner Ansicht nach ein starkes Indiz für eine Super-Zivilisation

Würde man den Astronomen mehr Ressourcen für die kontinuierliche Beobachtung des ganzen Himmels zur Verfügung stellen und zudem mehr auf merkwürdige Beobachtungen achten, könnte man wesentlich leichter unbekannte Zivilisationen auffinden. Heute sieht die Situation derartig schlecht aus, dass für die weitere Beobachtung von KIC 8262852 zwar lediglich 100.000€ erforderlich sind, diese aber privat gesammelt werden mussten!

Zukunft bleibt unsicher

Auch wenn es gelingt, eine Super-Zivilisation zu entdecken, wissen wir nicht, ob die ursprüngliche Kultur, die die Super-Zivilisation hervorgebracht hat noch existiert. Man kann ohne große Phantasie sicher sein, dass eine Super-Zivilisation, die ein Sonnensystem besiedelt eher aus Robotern und superintelligenten Computern besteht als aus biologischen Systemen, die von Wasser, Sauerstoff und vielem Anderem empfindlich abhängig sind.

Nick Bostrom spekuliert in seinem Buch Superintelligenz damit, dass die Entwicklung von starker künstlicher Intelligenz, also Software, die vergleichbare Leistungen wie ein Mensch liefert, in sehr kurzer Zeit durch die Nutzung der globalen Rechnerkapazität zu einer Superintelligenz werden könnte. Diese würde möglicherweise den Menschen nicht achten und aus irgendeinem Grund die Menschheit vernichten. Das Problem ist, dass wir nicht wissen können, was ein System, das weitaus klüger ist, als wir planten, denkt, umsetzt. Damit haben wir nach Auftreten des Systems keine Entscheidungsfreiheit über den Fortgang, sondern nur vorher. Noch leben wir vor dem Auftreten der Superintelligenz.

Literatur

Dieser Beitrag basiert zum Teil auf dem Blogbeitrag The Fermi Paradox von Tim Urban,
auf dem Buch Superintelligence: Paths, Dangers, Strategies von Nick Bostrom sowie
aktuellen Informationen zur Analyse von KIC 8262852, diese findet man bei der Website https://www.reddit.com/r/KIC8462852/ 
Die "offizielle" Website zum Stern gibt es hier: http://www.wherestheflux.com/

Freitag, August 01, 2008

Sex ist Beweis für Darwin

Leider ist es sehr schwer manche Menschen von der Evolutionstheorie zu überzeugen. Es gibt die Theorie der Kreationisten, die sich heute "Intelligent Design ID" nennt, dass ein intelligente Wesen alle Arten erzeugt hat.

Ein Punkt ist aber sehr widersprüchlich, warum vermehren sich die Lebewesen sexuell. Nicht, dass ein höheres Wesen immer nur moralisch dächte, vielmehr wozu gibt es Sex?

Sex dient dazu, dass Individuen einer Art Gene austauschen und damit bessere Nachfahren haben können, als sie selbst. Nach Darwin hat dann der Geeignetste (Fittest) die meisten Nachfahren.

Den Genaustausch dieser Art gibt es noch nicht immer in der Evolution, er wurde vor ca. 500 Millionen Jahren erfunden und hat zur Artenexplosion im Kambrium geführt. Es ist das bislang erfolgreichste Konzept für die Optimierung von Lebewesen. Also eine der ersten ganz großen "Innovationen"

Wenn es Gott gäbe

Wenn es einen Gott gäbe, oder heute sagt man intelligenten Designer, dann wären ja schon alle Wesen perfekt und der Genaustausch könnte nichts mehr verbessern. Im Gegenteil, der Genaustausch ist sogar ungünstig, da nur die Hälfte der Lebewesen Nachkommen haben und damit gegen die Devise "seid fruchtbar und mehret euch" verstoßen.

Die Idee ist mir gekommen, als ich in Richard Darwkins Buch "The God Delusion" gelesen habe.