Dienstag, Juli 10, 2018

Asylrecht in Deutschland

Asylrecht und sein Preis

In diesem Blog will ich einige Aspekte dses Asylrechts in Deutschland betrachten. Da ich früher als Bezirksreferent das Thema Asyl bei Amnesty International vertreten habe, hoffe ich, dass mir niemand vorwirft, ich finde das Asylrecht prinzipiell falsch. 
Beobachtet man die Medien und spricht man mit vielen Menschen, scheint es ein gewisses "Unwohlsein" in Deutschland zum Thema Asyl zu geben, ich versuche hier dies kühn zu berechnen.

Wie teuer ist Asyl

Juristen rechnen nicht, und ein Recht kann man nicht einfach mit Geld aufwiegen, das ist jedem klar. Trotzdem muss man Kosten offenlegen um zu sehen wo man etwas besser machen könnte.

Insgesamt wurde 4.359 Personen 2017 in Deutschland Asyl nach Artikel §16 GG erteilt, Familienasyl bereits berücksichtigt (Quelle: BAMF, in den Jahren 2012-2017 waren es im Mittel jährlich ca. 2.000)

Parallel dazu gibt es natürlich viele Personen, die Asyl beantragen und denen Asyl nicht gewährt wird. Diese Zahl lag in den letzten Jahren bei ca 600.000 jährlich, genaue Zahlen alle in der oben erwähnten Quelle des Bundesamts für Migration und Flüchtlinge (BAMF).

Asylentscheidungen seit 2009, Quelle: BAMF (PDF)

Berechnet man die Kosten für alle, die hier auf ein Asyl, berechtigt oder unberechtigt, warten, so muss man die Kosten aufschlüsseln. Diese Zahl setzt sich aus den Kosten für direkte Unterstützung, Wohnung und nicht zuletzt Verwaltungskosten zusammen und liegen je nach Quelle bei mindestens 30.000 € pro Person und Jahr. Da der Aufenthalt oft drei Jahre dauert, sind das 90.000 € pro Asylbewerber. Abgelehnte werden nach drei Jahren entweder wieder zurückkehren oder mit einer anderen Aufenthaltsgenehmigung hoffentlich eine Arbeit finden um keine direkten Kosten für den Steuerzahler zu verursachen. 

Da von den Bewerbern aber weniger als 1% Asyl erhalten, muss man die Kosten für einen anerkannten Asylbewerber umlegen und erhält mit den obigen Zahlen 12 Millionen EURO.

12 Millionen Euro sind eine stattliche Summe, die der Staat in das Rechtsgut Asyl für jeden politisch Verfolgten investiert. Und hier beginnt das Problem, viele Menschen haben das diffuse Gefühl, dass sie diese 12 Millionen pro Asylant mit ihren eigenen Händen erarbeiten müssen. 

Die Zahl mag jetzt möglicherweise nicht exakt sein, bestimmte Kosten, wie die der Verwaltung und die Länge des Aufenthalts mögen anders sein, aber ich bin mir bei der Abschätzung sicher, dass ich zumindest die Größenordnung erwischt habe. Gerne kann mich jemand eines besseren belehren, ich bin hier für Kritik sehr offen.

Kostenreduktion

Offensichtlich sind die Kosten hoch und daher gibt es drei Ansätze die Kosten zu senken.
1. Laufzeit des Verfahrens verkürzen
2. Kosten während des Besuchs reduzieren
3. Fehlanreize für Asylbewerber vermindern

Zur Laufzeit des Verfahrens, hier hilft sicherlich eine Vereinfachung des Verfahrens und vor allem, ausreichend Personal. Allerdings ist das in der Verwaltung nicht so einfach und ich sehe im wesentlichen in einem klar strukturierten Verfahren eine Lösung.

Die Kosten des Besuchs kann man durch Reduktion der Geldleistungen etwas vermindern. Ich bin überzeugt, dass ein berechtigter Asylbewerber sehr wohl Verständnis hat, dass er zunächst nur eingeschränkt direkt Geld bekommt.

Fehlanreize halte ich für das Hauptproblem, insbesondere, wenn Besucher hier über lange Zeit auf Staatskosten leben können. Daher darf es nicht eine beliebige Aushöhlung des Gastrechts geben, ich empfange gerne Gäste, aber ich beherberge sie nicht unbegrenzt.

Nur faire Verteilung führt zu Akzeptanz

Werden die Kosten des Asylrechts auf eine vernünftige Größe, ich denke 1 Million Euro pro anerkannten Asylbewerber, reduziert, dann hat das wichtige Grundrecht auch wieder eine höhere Akzeptanz in der Bevölkerung. Und das ist die wichtige Aufgabe der Parteien, dies umzusetzen.

Andernfalls gibt es politische Verschiebungen die ich im Blogbeitrag "Veränderung der politischen Landschaft" beschrieben habe.


Montag, Juni 25, 2018

Bundestagswahlen 1949 - 2017

Veränderung der politischen Landschaft

Im Moment stehen die politischen Parteien in Deutschland vor einem großen Umbruch. Inhaltlich will ich das nicht weiter erläutern, aber eine neue statistische Analyse besprechen. 

Volksparteien und Ränder

Seit 1949 gibt es in Deutschland (zunächst nur in der Bundesrepublik) allgemeine und freie Wahlen. Dabei kann man die Parteien in ein Spektrum von Links bis Rechts einordnen. Das mag nicht immer ganz eindeutig sein, so will natürlich die FDP in der Mitte stehen, aber auch viel andere Parteien beanspruchen Mainstream zu sein. Jetzt zu den Fakten:
Zum Vergrößern anklicken! Wahlergebnisse seit 1949 in Deutschland (Eigene Darstellung)
  In der Abbildung findet man für jedes Wahljahr alle Parteien von unten nach oben mit Ihren jeweiligen Prozentzahlen addiert. Damit kann man viel leichter Verschiebungen zwischen politisch Links und Rechts erkennen. Oben die utopischeren Parteien, oder auch Linken Parteien, sehr breit in Rot die SPD. Oberhalb davon die Grünen und darüber die Linke. In der Mitte das gelbe Band der FDP, darunter CDU/CSU (Noch in Fraktionsgemeinschaft) darunter noch konservativere Parteien wie die AFD in Blau. Ganz am Rand habe ich Sonstige gleich verteilt und in Weiß eingetragen.

Zu Beginn der Republik waren beide Ränder ausgeprägt, es gab eine kommunistische Partei KPD und am rechten Rand verschiedene Überbleibsel aus der Weimarer Republik, etwa das Zentrum und die Bayernpartei.
Den Volksparteien ist es dann innerhalb von zwei Wahlperioden gelungen, diese Ränder zu integrieren ohne, dass sich die Trennlinie zwischen Rechts und Links massiv verschoben hätte.
Franz Josef Strauß sagte so treffend, Zwischen CSU und der Wand hat keine demokratisch legitimierte Partei Platz, was 1980 bei der Wahl mit Franz Josef Strauß als Kanzlerkandidat der CDU/CSU Wirkung zeigte, in diesem Jahr war keine weiter Rechts liegende Partei erfolgreich. 

Danach begannen Theoretiker wie Heiner Geißler die Devise auszugeben, weiter nach Links zu rutschen, um weiteres Wählerpotential zu erreichen. Faktisch gab es dabei unter Kohl ein "Optimum", die CDU/CSU zusammen mit der FDP hatten deutlich über 50%!

Parallel hat sich das Linke Lager verändert. Willy Brandt konnte das Linke Lager so weit ausschöpfen, dass zu seiner Zeit keine weiter Links liegende Partei eine Chance hatte. Unter Helmut Schmidt entstanden dann die Grünen und damit eine erste linke Alternative. Mit der Wiedervereinigung kamen dann in den Neunziger Jahren zusätzlich "Die Linke" (Vormals SED) in den Bundestag.

Diese zersplitterte Linke hatte nur unter Schröder ein kurzes Intermezzo an der Regierung. Inzwischen ist keine Linkspartei mehr über 20% schwer, wie letzte Umfragen zeigen.

Auf der Rechten Seite hat Merkel die Idee von Heiner Geißler umgesetzt und die CDU nach Links verschoben. Damit konnte Merkel mit der Union tief in das Lager der Linken vordringen. Ihr Zitat "es gibt Berührungspunkte mit den Linken" aus der TAZ bestätigt das klar.

Doch kein Weg ohne Folgen, parallel dazu entwickelt sich die Konservative AFD prächtig. Sie gleicht nicht nur die Verschiebung der CDU nach Links aus, sie schwächt sogar zusätzlich die Union. 
Entwicklung seit der Bundestagswahl 2017 (Datenquelle: INSA)

Der Trend wird aktuell noch verstärkt, wie die Umfrageresultate von INSA zeigen, jener Agentur, die die letzte Bundestagswahl am genauesten vorhergesagt hat. 
Zerfällt die Union auch noch in zwei Teile, wie bei den Linken bereits geschehen (Linke, Grüne, SPD), so gibt es vermutlich in Deutschland keine Partei mehr, die über 20% erreicht!

Die Presse sieht oft nur einzelne Ereignisse, ich sehe hier aber längerfristige Trends, die so überraschend nicht sind. Möglicherweise eine Folge des Wahlsystems, das kleinen Parteien über das Verhältniswahlrecht echte Chancen gibt und ein Symbol für eine stärker fragmentierte Gesellschaft.

Nachtrag: Und Bayern

Verfolgt man die aktuelle Politik, so ist die bayerische Regierung etwas in Panik, was die Wahlen im Herbst betrifft:
Wahlumfragen in Bayern, die AfD nagt an der CSU
Die AfD nagt am Fleisch der CSU. Und das exakt seit im Sommer 2015 der Flüchtlingsstrom begonnen hat. Daher ist die Sorge der CSU, im Herbst die Wahlen nicht zu gewinnen berechtigt, allerdings ist das Spektrum Links-Rechts auch in Bayern völlig unverändert, wenn man die Dunkle Linie oberhalb von 50% (0,5) sieht.




Freitag, April 27, 2018

Was meine Gene sagen

Wer bin ich?

Jeder hat einen Vater und eine Mutter und unsere Eltern haben wieder Eltern doch woher kommen wir wirklich.

Eine beachtliche Neuigkeit sind Gentests und davon will ich heute berichten, nachdem ich das selbst ausprobiert habe.

Der Stammbaum

Vielleicht hat der eine oder andere schon mal versucht seinen Stammbaum zu rekonstruieren. Ich bin auf der Website von MyHeritage gelandet und habe dort nach und nach, soweit bekannt, meine Herkunft nachgezeichnet. Das ist nett, aber man bekommt zunächst nicht viel mehr als das was man schon auf Papier hat. Doch das System gibt Hinweise, wenn Namen und Daten übereinstimmen, wer möglicherweise noch entfernt verwandt sein könnte.
Mein Stammbaum bei MyHeritage


Die Website MyHeritage wird vom gleichnamigen Unternehmen in Israel betrieben, mit einem weiteren Sitz in Salt Lake City in Utah. Schwerlich entnimmt man dieser Information ein gewisses religiöses Interesse an der Herkunft, das mich hier aber nicht weiter interessiert.

Spannend ist aber die Erweiterung um die Möglichkeit, nicht nur unendlich viele Daten der inzwischen über 80 Millionen Nutzer zu sammeln, sondern das Auswerten von genetischer Information.

Mein Gentest

Jeder hat in seinem Körper Gene, auch jene, die immer "Genfrei" essen. Das liegt schlicht und einfach an der Biologie, die auf unserem Planeten mit Genen arbeitet um die Lebewesen zu kodieren. Doch jeder hat etwas unterschiedliche Gene (Ausnahme eineiige Zwillinge), einen Teil vom Vater, einen von der Mutter. Diese ständige Genaustausch über Generationen hinweg ist eines der Erfolgsgeheimnisse der sexuellen Vermehrung und macht damit die Evolution so erfolgreich. Eine Information, die sicher nicht ganz im Sinne der Gründer von MyHeritage liegen könnte.
Die Box für meinen Gentest

Was steht in meinen Genen? Das kann man tatsächlich mit einem Gentest bei der Firma MyHeritage bestimmen lassen. Für eine moderate Gebühr bekommt man ein schicke Box mit allem, für eine Gen-Entnahme notwendigen, zugesendet. 

Technisch ist alles ganz einfach, man reibt mit einem Wattestab auf der Innenseite des Mundes etwas Hautmaterial ab und legt den Wattebausch in ein angefeuchtetes Tütchen. Das wird noch einmal wiederholt, sozusagen die B-Probe, und alles geht dann in einem Kuvert in die USA zum Gentest Labor.

Nach einigen Wochen erhält man online das Resultat.

Die genetische Herkunft

Das erste verblüffende Resultat ist die Herkunft, aus welchen Ländern kommen die Vorfahren.
Wo meine Vorfahren gelebt haben.
Da ich aus Ostbayern komme ist die Überraschung nicht allzu groß, dass ein erheblicher Anteil "Römisch" ist, da die Römer bis an die Donau siedelten und daher auch in der Genkarte "Italien" bis an die Donau zeigt.
Daneben gibt es einige "Germanische" Gene aber auch Irland und Großbritannien steckt in meinem Blut. In der Beschreibung dieser Kulturräume ist die Website sehr schmeichelhaft:
"Die europäische Renaissance - eine Zeit der enormen künstlerischen und wissenschaftlichen Innovationen zwischen dem 14. und 17. Jahrhundert - begann in Italien und wird vom italienischen Universalgelehrten Leonardo da Vinci verkörpert wie von keinem Zweiten." (Quelle: MyHeritage) 
Mit Leonardo da Vinci ist man natürlich gerne verwandt.

Genvergleich

Man kann aber noch tiefer Bohren und für einzelne Personen einen Genvergleich durchführen und sehen welche Genabschnitte identisch sind, wie im nächsten Bild gezeigt:
Genvergleich zwischen mir und einer anderen Person
Dabei sieht man aktuell eher geringe Ähnlichkeiten, aber das liegt natürlich daran, dass die Zahl der Menschen, die hier zum Vergleich herangezogen werden können noch klein ist, da nur wenige Ihre Gene schon hochgeladen haben.

Problematik von Gentests

Ob der persönliche Gentest eine Gute Idee ist, muss jeder für sich selbst entscheiden. Aktuell gab es aber einen brisanten Fall. Der Golden State Killer, ein schrecklicher Serienmörder in Kalifornien der zwischen 1979 und 1986 zwölf Personen ermordet hatte lief bis vor kurzem frei herum. Jetzt hat ihn die Polizei gefunden und zwar über einen Gentest, den ein naher Verwandter im Internet durchgeführt hat. Dieser hatte ähnliche Gene wie Genproben von den Tatorten und über gezielte Suche wurde dann der Mörder gefunden.

In diesem Fall ein klarer Sieg der Gerechtigkeit, aber ob das immer gerechtfertigt ist oder nicht, das ist eine andere Frage, die auf der Website von Stat diskutiert wird.


Donnerstag, April 05, 2018

Osterspaziergang übersetzung mit DeepL

Wenn Computer übersetzen

Seit den Anfangstagen der elektronischen Datenverarbeitung gibt es den Traum dass Computer übersetzen. Ich erinnere, dass wohl von Neumann in den 1950er Jahren einem Studenten als Arbeit für die Semesterferien die Aufgabe gestellt hat, ein Übersetzungsprogramm zu schreiben. Wie wir alle wissen ist dies ein hoffnungsloses Unterfangen, weil man die Aufgabe anfangs völlig unterschätzt hat.

Die Aufgabe ist so schwer, weil Sprache nicht einfach eine Aneinanderreihung von Worten mit fester Bedeutung ist, sondern komplex in einem Sinnzusammenhang stehen. Um so erstaunlicher ist es, dass es jetzt eine Maschine gibt, die nach Analyse von Texten mit zusammen einer Milliarde Worte bemerkenswert gut Deutsch in Englisch und zurück übersetzen kann. Es handelt sich um DeepL.
Ein Programm der Firma Linguee, die schon aufgefallen ist durch eine sehr gute Wörterbuchseite.

Vom Eise befreit sind Strom und Bäche
Ich habe jetzt einen sehr schweren Test durchgeführt, nämlich den berühmten Osterspaziergang von Goethe in Faust I von Deutsch nach Englisch und dann wieder zurück zu übersetzen.
Das Resultat ist nicht perfekt, was es auch nicht sein kann, da Gedichte oft mehrdeutige Worte enthalten und oft für den Reim optimiert sind, aber das Resultat ist trotzdem überraschend.

Vor dem Tor

Strom und Bäche sind eisfrei
Durch den Frühling, schöner, belebender Blick,
Die Hoffnung ist grün im Tal;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Zurückgezogen in raue Berge.
Von dort aus schickt er, auf der Flucht, nur noch
Unbewusste Schauer von körnigem Eis
In Streifen über den begrünten Flur.
Aber die Sonne verträgt kein Weiß,
Überall gibt es Bildung und Streben,
Alles, was sie mit Farben beleben will;
Aber es gibt keine Blumen am Bahnhof,
Sie nimmt saubere Leute dafür.
Dreh dich um, aus diesen Höhen.
Blick zurück in die Stadt!
Aus dem hohlen dunklen Tor
Es entsteht ein buntes Treiben.
Jeder liebt heute das Sonnenbaden.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Denn sie sind selbst auferstanden:
Aus niedrigen Häusern stumpfe Kammern,
Von Handwerks- und Handelsbanden,
Vom Druck der Giebel und Dächer,
Von den Straßen der drückenden Enge,
Aus den Kirchen der ehrwürdigen Nacht
Sind sie alle ans Licht gebracht worden.
Schau, schau! wie sich die Menge verhält.
Zerquetscht durch die Gärten und Felder,
Wie der Fluss in Breite und Länge
Ich habe ein paar lustige Buchten verlegt,
Und, bis wir sinken, überladen,
Der letzte Kahn fährt weg.
Auch Wanderwege fernab des Berges
Bunte Kleider blinzeln uns zu.
Ich höre schon den Aufruhr im Dorf,
Hier ist der wahre Himmel des Volkes,
Zufriedener Jubel groß und klein:
Hier bin ich ein Mensch, hier kann ich sein!

Das Original findet man in hier.

Wo steht Google translate

Auf jeden Fall nutze ich jetzt DeepL statt Google das hier bei gleichen Bedingungen zu folgenden, etwas weniger sinnvollem Resultat führt:

Frei vom Eis sind Strom und Ströme
Ein Frühling inspirierender, belebender Look,
Es gibt Hoffnung im Tal;
Der alte Winter, in seiner Schwäche,
Im Ruhestand in raue Berge.
Von dort aus sendet er nur auf der Flucht
Ohnmachtsanfälle von granularem Eis
In Streifen über dem Begrünungskorridor.
Aber die Sonne toleriert keine Weiße,
Überall rühren Bildung und Aspiration,
Alles will sie mit Farben beleben;
Aber Blumen fehlen in der Gegend,
Sie nimmt gereinigte Leute dafür.
Drehe dich um von diesen Höhen
Um zurück in die Stadt zu sehen!
Aus dem hohlen, dunklen Tor
Durchdringt eine bunte Menschenmenge.
Jeder sonnt sich gerne heute.
Sie feiern die Auferstehung des Herrn,
Weil sie sich selbst auferstanden sind:
Von niedrigen Häusern stumpfe Wohnungen,
Von Handwerks- und Handelsbands,
Aus dem Druck von Giebeln und Dächern,
Aus den überfüllten Straßen,
Aus den Kirchen der ehrwürdigen Nacht
Werden sie alle ans Licht gebracht?
Sieh an! wie bewegt sich die Menge
Zerschlägt die Gärten und Felder,
Wie der Fluss in Breite und Länge
Also ein paar lustige Nachen bewegt,
Und überladen bis zum Untergang,
Entfernt dieses letzte Boot.
Sogar von den Bergfernwegen
Blinkende farbige Kleidung an.
Ich höre schon die Aufregung des Dorfes,
Hier ist der wahre Himmel der Menschen,
Zufrieden beklagt sich groß und klein:
Hier bin ich ein Mensch, hier darf ich sein!

Der Wettbewerb bei der Entwicklung ist noch nicht zuende, aber offensichtlich wird der Inhalt schon gut übersetzt.

Schnelle Entwicklung

Laut den Angaben von DeepL wurde das Programm in 16 Monaten entwickelt (Etwas länger als Semesterferien dauern) und etwa zwei Wochen mit den Texten trainiert. Das war nur möglich, weil heute sehr leistungsfähige künstliche Neuronale Netzwerk Programme zur Verfügung stehen und zum anderen weil das Internet kostenlos immense Mengen an gut übersetzten Texten liefert.

Dienstag, März 27, 2018

Probleme mit einfacher Technik

Kommunikationsprobleme

Wir leben in einer Welt mit extrem leistungsfähiger Technik, unsere Prozessoren können mehr Rechnungen in einer Sekunde erledigen als ein Mensch in seinem Leben jemals rechnen könnte. Unsere Festplatten können mehr Daten speichern, als eine Staatsbibliothek an Text besitzt. Wir wählen eine Nummer und können fast jeden Menschen auf der Welt mobil anrufen und trotzdem funktionieren manche Sachen nicht.
Ich will das in diesem Blog an einigen Beispielen darstellen.

Beamer nutzen

Wir kennen das alle, ein Vortrag, eine Präsentation mit Powerpoint soll für alle sichtbar auf die Leinwand projiziert werden. Der Laptop hat über 1000 € gekostet, der Beamer ähnlich viel, das Kabel steckt, aber kein Bild. nach zwei Minuten ruft der Referent um Hilfe, ein Computerexperte im Publikum eilt herbei, Geräte werden aus und wieder eingeschaltet, Auf der Tastatur werden abenteuerliche Kombinationen gepresst, CTRL, ALT, F11, F7, AltGr, Strg, und plötzlich, das Publikum hat schon fast aufgegeben und plant schon für die Zeit nach dem Abend, sieht man doch ein Bild. Nicht selten haben 100 gutbezahlte Personen 10 Minuten sinnlos gewartet. Je nach Gehalt sind das schnell 1000 Euro, also mehr Geld, als der Beamer gekostet hat!
Verschiedene Zwischenstecker für Video,
hier auf einem Besprechungstisch bereitgehalten

Und das multipliziere ich jetzt mit einer Million Vorfälle weltweit und täglich, das sind mehr als 300 Milliarden, eine unvorstellbare Summe und niemand will das Problem lösen.
Nein es wird schlimmer, neue Stecker machen das Leben noch schwerer.

Woran kann das liegen? Ich weiß es nicht, habe aber einige Ideen, wie man das Problem lösen könnte: Das Programm Powerpoint erkennt, dass ein Beamer angeschlossen ist und öffnet ein Fenster mit dem Text "Sollen jetzt alle die Präsentation sehen? Ja/Nein",  Man Klickt auf ja und alle sehen die Show. Das sollte mit einem endlichem Aufwand möglich sein. Für Kritiker: Es wurden schon aus geringfügigem Anlass Popup Fenster geöffnet.

Mikrophon Probe

Ähnlich ist es wenn man einen Vortrag mit Mikrofon halten will. Das geschieht nicht ganz so häufig als Powerpoint präsentiert wird, aber es ist vergleichbar nervig. Der Referent hat ein Mikro, und was sind seine ersten Worte: "Kann mich jeder verstehen?"
Netter Professoren-Witz am Rande: "Das wird sich gleich ändern!"
Wie oft erleben wir, dass die Technik nicht tut?

Warum können Systeme die Mikros und Lautsprecher als Schnittstellen haben, nicht selbst bemerken, dass der Lautsprecher nicht funktioniert, also kein Echo im Mikro eintrifft? Oder gar selbstständig eine vernünftige Lautstärke einstellen oder noch besser, die Rückkopplung unterdrücken. Zugegeben, einige Systeme haben mit der Rückkopplung keine Probleme, aber der Rest der Mikrofonprobe hat sich in den letzten 20 Jahren nicht wirklich geändert!

Auch hier sollte die Software schneller das Problem erkennen, als der Referent, etwa von Bluetooth auf WLAN wechseln, wenn die Entfernung zu groß ist, das Mikro sagen lassen, dass es nicht eingeschaltet ist oder was auch immer Erfinder finden mögen, es geht hier um viele Menschen, die ungeduldig warten.

Telefon und Videokonferenz

"Bin ich der Erste?", "Kann man mich hören", "jetzt ist er weg", "jetzt turnt er wieder"
Wer diese Sätze nicht kennt, war noch nie in einer Telefonkonferenz. Das Problem fängt schon damit an, wie man Menschen eindeutig mit einer E-Mail einladen kann. Eine E-Mail an 4 Teilnehmer aus 3 Ländern, und nun? Die Uhrzeit wird nicht richtig erkannt, die lokale Einwahlnummer nicht angegeben, die Einwahl über den Rechner nicht per Link mitgeteilt.

Hat man all das mit viel Mühe geschafft fehlt immer einer, der kann aber nicht trivial über das Internet angeklingelt werden, obwohl er doch eine passende E_Mail empfangen hat. Dann wird zum Handy gegriffen, und nach zehn Minuten, wenn alles gut geht kann man mit den Gesprächen beginnen.

Jetzt beginnt der Chaos mit Rückkopplung, Mute Schaltung, Bandbreitenproblemen, usw.
Über die Probleme des Kammeraeinsatzes oder gar von Screensharing will ich garnicht reden. 
Ja, es gibt Programme die weiterhelfen, aber nur unter bestimmten Bedingungen, wenn sie jeder erfolgreich installiert hat, und wann hat jeder schon das Gleiche installiert. 
Gotomeeting, für mich im Moment noch die beste Lösung,
wenn auch noch lange nicht perfekt.

Das ist wie Telefonieren, wenn man nur Menschen anrufen könnte die exakt das gleiche Telefon besitzen. 

Auch hier ist das Problem alt, ich habe vor 20 Jahren schon über Internet erste Telefonate geführt, damals gabe es noch, als top Bandbreite, ISDN mit 64kBit/s, heute haben alle mehr als 1 MBit/Sekunde und es geht immer noch nicht.

Zukunft

Ich wünsche mir für die Zukunft nicht weitere lustige Kacheln bei Windows 10 oder was kommen mag, sondern dass einfach all das oben beschriebene, und einiges mehr, funktioniert.

Es bleibt also noch viel zu tun, bis das erste vollautomatische Auto ein guter Platz für eine unfallfreie Videokonferenz ist:-)

Dienstag, Dezember 26, 2017

Produkte, die verschwunden sind

Vom Aussterben von Produkten

Im Lauf meines Lebens sind schon viele Produkte, die mal richtig wichtig waren, nahezu vollständig verschwunden. Ich will in diesem Nachruf auf meine kleine Geschichte zu den jeweiligen Produkt hinweisen. Die Reihenfolge entspricht meiner unsortierten Liste der Erinnerungen.

Wählscheibe

Unser erstes Telefon, das wir nach langen Diskussionen in der Familie über die Kosten und Nützlichkeit, in den 1970er Jahren bekommen haben, hatte eine Wählscheibe und war grün. Die Farbe Grün kostete einen Aufpreis von 1 DM im Monat! Das Telefon gehörte auch nicht uns, sondern der Post. Wollte man jemanden erreichen, steckte man den Finger in eine Scheibe mit zehn Löchern, drehte die Scheibe im Uhrzeigersinn bis zu einem metallenen Anschlag, nahm den Finger heraus und wartete bis sich die Scheibe wieder in die Ausgangsposition zurückgedreht hatte. Dann kam die nächste Nummer!
Zum Glück waren die Telefonnummern früher kürzer, unsere hatte nur drei (!) Stellen und Ferngespräche, insbesondere Internationale, waren wegen der Kosten sehr selten.

Als Kinder hatten wir schon vor dem Eintreffen des echten Telefons das Wählen an einem Spielzeugtelefon geübt, so dass uns das Ganze völlig normal vorkam.

Telefonhäuschen

Als ich ein kleines Kind war, ging man zum Nachbar, der ein Unternehmen hatte und telefonierte dort. Das geschah aber höchstens einmal im Quartal. 
Dann gab es ein Gerücht, am Bahnhof soll eine Telefonzelle gebaut werden, zunächst sah man nur einen Betonsockel, aber innerhalb von einem Jahr stand da tatsächlich eine "moderne" gelbe Telefonzelle. Telefonieren ohne den Nachbar zu nerven, welch ein Traum. Meine Tante schenkte mir mal eine Mark, damit ich Sie von dieser Telefonzelle aus anrufe. 
An vielen Orten fand man dann die gelben Häuschen, insbesonder beim Postamt. Während des Studiums war jede Woche ein Besuch in der nächstgelegenen Telefonzelle angesagt, um Zuhause den letzten Stand der Dinge durchzugeben, aber wie stand so schön an der Glaswand: "fasse Dich kurz" was ich aufgrund von Geldmangel immer gerne eingehalten habe.

Zwei Telefonzellen in Gelb am Tittisee
Mit der Einführung der magenta Telefonpunkte der Telekom war der Höhepunkt dieser Zelle überschritten. Bald rochen sie immer strenger und waren immer öfter kaput, und inzwischen sind sie aufgrund des Smartphones ausgestorben.

Telefonbuch

Wer telefonieren will muss die Nummer des Teilnehmers kennen. Dafür gab es ein Telefonbuch. Interessanterweise standen dort nur die Telefonnummern aller Menschen im Landkreis, Ferngespräche erforderten eine Anfrage bei der Auskunft. 
Aber in München, am Hauptpostamt neben dem Hauptbahnhof, gab es alle Telefonbücher Deutschlands (Westdeutschlands, versteht sich). Dort standen dann immer viele Menschen und blätterten nach Nummern, die sie in kleine Notitzbücher, sogenannte Telefonbüchleins, eintrugen. 
Es gab auch Menschen, die konnten sich hunderte von Nummern merken, ich glaube dazu gehörte meine Mutter, als sie noch arbeitete.

Fahrplanbuch

Ein weiteres Buch, das Daten lieferte, war das Fahrplanbuch. Nach einem sehr speziellen Schema standen da die Abfahrtszeiten aller Züge der Region, etwa Oberbayerns. Wollte man eine Reise antreten, musste man mit viel Geschick eine Route finden und passende Anschlüsse.
Gab es eine Fernreise ging man zum Bahnhof, dort waren weitere größere Fahrplanbücher verfügbar und man konnte eine Deutschlandreise planen. 
Da die Bundes-Bahn alle sechs Monate die Fahrpläne änderte war man gezwungen, halbjährlich, gegen eine Schutzgebühr von einer Mark, einen neuen Fahrplan zu kaufen. 
Mit dem nahezu sensationellem Erscheinen der Fahrplan CD war dieses Buch am Ende. 

LP

Für Langspielplatten soll es ja wieder Anhänger geben, aber das ist schon ein Zeichen, dass es nicht mehr der Mainsteam ist. Das gilt sogar für alle drehenden Datenspeicher. Weder CD, DVD noch Festplatte werden diese Jahrzehnt überleben. Aber es wird immer Nischen geben und immer Freunde von Oldtimern.
Die LP ist gestorben, weil besserer Klang und einfachere Handhabung der CD alle überzeugt hat. Für mich gab es nie eine LP, da ich von Anfang an, will sagen von meinem Musikalter an, überzeugt war, dass die LP verschwindet und die CD kommt. Daher habe ich eine gewisse CD Sammlung, aber noch nie eine LP besessen.

Kassette

Die Musikkassette war eine merkwürdige Übergangstechnologie. Auf der einen Seite hat sie das Spulentonband beerbt, weil sie weniger Platz benötigt und einfach zu handhaben war, andererseits war sie nicht digital, wie der Nachfolger der LP, die CD. 
Originellerweise war mein erster Datenspeicher aber doch eine Musikkassette, auf den mein Sinclair ZX80 seine Daten unter erstaunlichem "gejaule" überspielt hat. Also eine liebenswerte Zwischentechnologie auf dem Weg ins Digitalzeitalter.
Für die Musikindustrie hatte die MC den großen Vorteil, dass die Aufnahmequalität eher schlecht war, so dass keiner eine 2. oder gar 3. Generation kopierte. 
Mit dem Walkman war die MC aber auch ein Fingerzeig auf unsere Smartphones. Ich hatte dereinst einen Walkman mit eingebautem Radio und Lautsprecher (ca. 1983). Damit war man "online, wenn man Nachrichten hörte, und autonom, wenn man sich seine Musik aussuchte.

Röhre

Mit der Erfindung der Elektronenröhre begann das elektronische Zeitalter. Damit war es erstmals möglich, hochfrequente elektrische Signale zu verstärken, was insbesondere dem Telefon, dem Rundfunk und später der Digitaltechnik sehr half.
Technisch bedingt brauchen Elektronenröhren viel Strom und viel Platz, so dass sie nur für stationäre Geräte in Frage kommen und immer erst vorgeglüht werden müssen.
Zuhause hatten wir zwei Röhrenradios, die erst nach einige zehn Sekunden nach dem Einschalten Töne von sich gaben. Besonders faszinierend war für mich das "Magische Auge", eine Elektronenröhre die mit Phosphor beschichtet war und mit der man erkennen konnte, wie gut ein Sender im Radio eingestellt war.
Ausser in der Szene der HiFi Fetischisten findet man heute praktisch keine Elektronenröhre mehr.

Röhrenmonitor

Die Braunsche Röhre war der Gipfel der Elektronenröhre. Sie kann Bilder auf einem Bildschirm erzeugen, damit kam das Fernsehen, zuerst s/w dann in Farbe. Bis zu massiver Größe von fast einem Meter ist der Röhrenmonitor auch ein echtes Dinosaurier der Röhrentechnik.
Mein erster Fernseher, s/w, wurde im Studium zu einem Computermonitor umgebaut, indem ich einen 5 MHz Eingang angebaut habe. Damit hatte ich ein viel besseres Bild als alle die per HF ihr Signal eingespeist hatten. Doch das Problem des Flimmerns und der unscharfen Pixel blieb bis zum eintreffen der Flachbildschirme. Mein erster Flachbildschirm war wieder ein Computermonitor, jetzt an einem Laptop ca. 1990 und in s/w.

Glühbirne

Wenn es ein Symbol für Erfindungen gibt, dann ist es die Glühbirne. Daniel Düsentrieb hatte immer ein Helferlein, das mit einem Glühbirnenkopf rumlief. 

Bis heute ist bei Powerpoint das Symbol für Idee eine Glühbirne, auch wenn das bald keiner mehr versteht. Ähnlich wie die Diskette für "speichern" unter Windows als Symbol verwendet wird.
In meiner Kindheit gab es immer zwei Gründe, wenn es im Zimmer plötzlich dunkel wurde, entweder ist die Glühbirne kaputt gewesen oder es gab Stromausfall. Ja, man hatte früher nur eine Glühbirne pro Raum und sonst hat nichts ständig geleuchtet, Ausnahme, der Radio, wenn er eingeschaltet war.

Nickel-Cadmium Akku

Strom und Batterien gab es schon lange, als die Nickel-Cadmium Akkus auftauchen. Ein Traum für den jugendlichen Batterie-Benutzer. Die Batterien waren sehr teuer, man hatte immer mit dem Memoryeffekt zu kämpfen und am Schluss wusste keiner wohin, da sich langsam herumgesprochen hatte, dass Cadmium eigentlich gar nicht gesund sein sollte.

Holzbefeuerter Küchenherd

Meine ersten Erinnerungen in der Küche waren ein Holzofen, in dem kurze Holsstücke geworfen wurden und dann alles so heiß wurde, dass ich nicht in die Nähe durfte. Manchmal wurde das weisse Türchen geöffnet und weiteres Holz eingeworfen. Ganz rechts war ein großer Wasserbehälter, der nach dem Kochen voll mit warmen Wasser für das Abspülen war. 
So ähnlich sah wohl unser alter Küchenherd aus.

Bald kam aber ein Mann und brachte einen Elektroherd mit Eisenplatten, montierte kompliziert am Sicherungskasten und erklärte all die neuartigen Funktionen des Herds. Die Frontseite war immer noch weisses Email, aber kein Ofenloch mehr, sondern nur noch ein Backrohr. 
Der alte Ofen blieb in der Küche, bekam eine große Holzplatte als Abdeckung und war damit eine gute Arbeitsfläche. In Betrieb wurde das "Backup" nie wieder genommen.

Zimmer-Ölofen

Wärme gab es in unserer Wohnung bald mit Ölöfen. Ein sehr seltsames Gebilde aus heutiger Sicht. 
Im Schuppen stand ein Ölfass, das voll mit Diesel war, ja früher gabe es da keine rote Farbe. Dieses Öl wurde in eine Gießkanne, ähnlich der für das Wasser im Garten, gefüllt. Dann trug man die Kanne unter mehr oder weniger Geklecker in die Wohnung und füllte die 10 Liter im Zimmer in den Ofen.

Das richtige Abenteuer war aber das Anzünden! In der Frühe kam immer meine Mutter ins Zimmer, schaltete den Ofen an, genaugenommen floss jetzt etwas Öl in den Brennraum. Nach etwa zwei Minuten öffnete man den Deckel des Brennraums, lies dann geschickt ein Zündholz in das Öl fallen und nach einigen Minuten wurde der Ofen spürbar warm.
Wehe man hatte zu lange mit dem Anzünden gewartet, dann stand das Öl etwa fünf Millimeter hoch im Brennraum, nach dem Anzünden, das dann nur noch mit einem Knäul Zeitungen gelang, begann das Feuer so stark zu brennen, dass das Ofenrohr rot glühte.

Nach dem Umzug in eine neue Wohnung gab es Heizkörper in jedem Zimmer und ich glaube die alten Zimmer-Ölöfen sind inzwischen sehr rar geworden.

Fensterladen

Da Heizen teuer war, wurden die Fenster in der Nacht mit einem Fensterladen verschlossen. Fensterläden sind ein sehr guter Wärmeschutz, wenn sie gut schließen. 
Die Mühe bestand aber darin, die Läden zu schließen, dazu müssen die Fenster ganz geöffnet werden, ein Haken, der den Fensterladen an der Wand fixierte, gelöst werden und der Laden nach Innen gezogen werden. Dass das eine echte Gymnastik war erlebte ich, als meine Mutter sich einmal einen Hexenschuss bei dieser Übung holte. 
Das Rollo ist zwar häßlich, aber übernimmt heute fast immer die gleiche Funktion. 

Wäscheschleuder

Waschen mit der Waschmaschine ist eine der wichtigsten Erfindungen des 20. Jahrhunderts, nach Rosling vermutlich eine der Ursachen, dass Frauen heute nicht mehr zuhause sein müssen und damit die Gleichberechtigung erlangt haben. 

Eine Waschmaschine kam bei uns auch früh ins Haus, aber auch eine Wäscheschleuder. Das war ein zylinderförmiger Behälter, den ein Elektromotor auf hohe Drehzahl brachte, so dass die Kleidungsstücke darin vorgetrocknet wurden.  
Ich weis noch wie ich immer bewundernd von oben in die rotierende Wäsche sah und beobachtete wie das Wasser unten in einen kleinen Eimer lief. Es gab da keine Sicherheitstüre, ich hätte jederzeit mit meinem Arm in die Schleuder greifen können. Habe ich aber nicht, da (früher?) alle Kinder etwas schlauer waren.
Heute ist die Schleuderfunktion in die Waschmaschine integriert und das Umladen in die separate Schleuder entfällt. 

Leiterwagen

Vor der Zeit des Autos und des dazugehörigen Kofferraums mussten die Menschen ihre Sachen auch nach Hause bringen. Fast niemand hatte dafür eine Kutsche sondern fast jeder einen Leiterwagen.
Wir hatten natürlich auch einen und ich erinnere mich, wie wir damit zum Bahnhof gefahren sind und an der Güterhalle an der Laderampe die Stückgutsendung "Kinderschaukel" abzuholen. Das lange paket kam auf den Leiterwagen und wurde heimgezogen. 
Das war wohl der letzter produktiver Einsatz unseres Leiterwagens

Den letzten Leiterwagen im "produktiven" Einsatz habe ich in Tübingen 1988 gesehen, dort ist ein alter Mann damit durch die Stadt gezogen um altes Eisen zu sammeln. Leider ist auch er aus dem Stadtbild längst verschwunden.

Telefonkabelverlängerung

Eine der unglaublichsten Erfindungen war das Telefonverlängerungskabel. In jeder Wohngemeinschaft war das ein Pflichtzubehör zum Telefon. Immer wenn das Telefon läutete, fragte man, wer ist wird gewünscht und hat dann das Telefon in das passende Zimmer getragen und die Türe geschlossen. Nach einiger Zeit hatte dieses Kabel viele Knicke und neigte zum Verdrillen, wie auch die Schnur zum Telefonhörer.
Unglaublich ist aber, dass das Stück von 5 Meter länge jeden Monat eine Mark Miete gekostet hat. 
Funktelefone und Handys haben hier das Kabel völlig abgelöst.

Telefonimpuls-Zähler

Da Telefonieren teuer war und in meiner Wohngemeinschaft mitte der 1980er Jahre sorgfältig abgerechnet wurde gab es ein kleines graues Kästchen, in dem ein Zählwerk arbeitete und die Telefonimpulse, die je nach Entfernung des Gesprächspartners unterschiedlich häufig eintrafen, zählte. Am Ende eines Telefonats trug man in die Liste den Anfangsstand, den Endstand und die eigene Impulse des Zählers ein, am Monatsende wurde dann in der Wohngemeinschaft abgerechnet. 

Flattrate? Das gab es noch nicht. Skype und Handy waren reiner Science Fiction.

Filterkaffeemaschine

Sicher noch nicht ganz ausgestorben und wer noch das Wort Melitta kennt weiß, Kaffeefilter.
Der Traum meiner Mutter war immer eine Kaffeemaschine. Dieser ging in Erfüllung, als Sie für eine Lehrerin die Zulassungsarbeit in die Schreibmaschine eingetippt hatte. Der Lohn für die wochenlange Arbeit war eine Krups Kaffeemaschine!

Im Zeitalter von Latte Macchiato, Espresso und zwanzig andere Varianten von koffeinhaltigen Gebräu ist die alte Filtermaschine im Speicher verschwunden und dient nur als Backup bei seltenen Gelegenheiten.

Transmission mit Lederriemen

Eine sehr gefährliche Form der Energieübertragung erinnere ich noch aus der Kindheit. Wenn der Nachbar sein Holz sägte, dann stand da ein Traktor mit einem großem Eisenrad und die Sägemaschine. Dazwischen lief ein Lederband und trieb die Säge an. Wer seinen Arm in diesen Mechanismus bekommen hatte war arm dran, da Arm ab. 
Wir Kinder durften einfach herumstehen und zusehen.

Heute sind Elektromotoren so billig, dass jede Säge einen eigenen Motor hat und die sehr gefährlichen Transmissionsriemen sind zum Glück verschwunden. 

Fernsehantenne

Mit dem Fernseher kam früher auch die Fernsehantenne auf das Dach. Da wir aber ein einem altem schönen Haus wohnten verbat sich das. So montierte der Elektroinstallateur die Antenne einfach im Dachstuhl unter dem Dach. 
Viele Häuser hatten jedoch eine Antenne auf dem Dach, ein Anblick der in einer Altstadt nicht wirklich schön war. Ich erinnere mich noch an einen Artikel im Stern, der beschrieb, dass man durch Kabel das Problem lösen könnte und eine Fotomontage zeigte eine Stadt ohne Antennen.

Diese Vision ist heute Wirklichkeit, fast 50 Jahr nach dem Artikel.

Milchkanne

Milch war für mich als Kind sehr wichtig und so natürlich auch die Milchkanne. Wir hatten sogar zwei, eine aus Aluminium-Blech und eine "moderne" aus Plastik. Sicher aus einem Material, das heute nicht mehr für Lebensmittel zulässig wäre.
Mit den Kannen ging meine Mutter fast jeden Tag zum Krämerladen, der füllte die Kannen mit einem Schöpflöffel, für heutige Hygiene unvorstellbar, aus einer offenen, großen Milchkanne, die er vom Bauern hatte. Zuhause gab es dann frische Milch und der Rest wurde abgekocht oder zu Pudding verarbeitet, was ich die beste Verwendung von Milch fand.

Die Ablösung der Milchkanne war nicht einfach, Milchtüten, aber auch Milchschläuche aus Plastik waren im Handel. Beim Öffnen gab es immer ein Problem, erstaunliche Aufklapp- und Schneidetechniken machten die Runde, bis alle Milchtüten einen kleinen Schraubverschluss bekamen.

Tonbandgerät

Tonbandgeräte sind Kassettenrekorder bei denen es keine Kassette sondern Spulen gibt. Mein Vater hatte ein solches Gerät von Grundig und zeichnete damit unsere Kinderstimmen, und selten auch mal Musik, auf. Die Bedienung war für einen Nichttechniker wie meinen Vater sehr mühsam aber es wurden doch einige Aufnahmen erfolgreich aufgezeichnet. Wenn auch die Bänder leider verloren gingen.

In Sendestudios fristeten diese Bandgeräte noch lange hin, bis sie von moderner Digitaltechnik abgelöst wurden.

Floppy Disc

Eine flexible Scheibe aus Tonbandmaterial konnte früher 128 kByte Daten speichern. Sony brachte dann eine Floppy Disk mit 3 1/2 Zoll in einem Kunststoffgehäuse heraus, die 1,44 MByte speichern konnte. Ob man jemals so viel Daten benötigen wird, da der Hauptspeicher bei meinem Computer nur 48 kByte hatte?

Überlebt hat die Floppy in folgendem Witz: Der Sohn sieht eine Floppy Disk in Vaters Zimmer und sagt; "Cool, du hast das Speichern-Icon von Windows im 3D Drucker ausgedruckt!"

Armbanduhr

Ein Kindheitstraum war der Besitz einer Armbanduhr. Auf meiner Kellogs Packung wurde eine Wasserdichte Uhr angepriesen, die ich dann für 42 DM erworben habe. Immer am Arm, selbstverständlich auch in der Nacht, denn sie hatte ja Leuchtzeiger!
Die Technik wechselte dann zu LED, eine Quarz-Uhr bei der man einen Knopf anklicken musste um die Zeit zu sehen, zu einer LCD Uhr mit Stopptaste bis zu einer Uhr mit Höhenmesser von Casio. 
Diese besitze ich noch immer, aber dank Smartphone und anderer elektronischer Geräte mit Zeitanzeige ist die Armbanduhr nur noch höchst selten am Arm.
  

Dampflok

Zum Schluss noch die Erfindung, die das Industriezeitalter eingeleitet und dominiert hat, die Dampfmaschine und insbesondere die Dampflock.

Museums-Dampflok in Silverton, USA.
Da ich am Bahnhof aufgewachsen bin, waren mir Dampfloks sehr vertraut. Auf der Fussgängerbrücke gab es manchmal die Möglichkeit, direkt durch den Dampf, der aus dem Kamin der Dampflok kam, zu gehen. Ein Erlebnis das ich noch aus meinem ersten Schuljahr erinnere und auch ein Erlebnis, von dem ich noch weis, dass ich dachte, das könnte das letzte mal sein dass ich das erlebe ("This could be the last time"). Das lag daran, dass mir mein Vater sagte, in zehn Jahren wird es nur noch Dieselloks geben.

Heute gibt es nur noch Museumseisenbahnen, außer in Nordkorea, wie ich gehört habe.
Abgelöst wurde die Dampflok von vielen anderen Verkehrsmittel und Antriebsformen, neben ICE und Düsen-Flugzeug, Diesel-PKW und Elektrolok auch einigen Dieselloks.

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Freitag, November 17, 2017

Blockchain und Bitcoin

Blockchain als Basistechnologie in der Wirtschaft

In den letzten Jahren hat sich aus einer seltsamen Idee, wie man Daten verknüpfen kann, eine wichtige Technik für die datengetriebene Wirtschaft entwickelt. Man kann Verträge aber auch Geld auf eine neuartige Weise definieren.
Was steckt genau dahinter, ich will das mal hier erklären.

Der Wert von Bitcoins am 17. Nov. 2017 (Quelle: Bitcoin.com)

Eine feste Kette: Blockchain

Eine Kette in der realen Welt besteht aus Kettengliedern die untrennbar miteinander verknüpft sind. In der Informatik kann man eine derartige Kette auch aufbauen. Dort beginnt man mit einem ersten Kettenglied, was nichts anderes als ein Datenblock ist, das man mit einem zweiten Kettenglied, wieder ein Datenblock, verknüpft. 

Die Verbindung zwischen den Blöcken erfolgt über eine interessante mathematische Funktion, eine Hashfunktion. 

Was ist ein Hash?

Ein Hash ist eine Zahl, die aus einer anderen Zahl gebildet wird, ähnlich, wie man eine Quersumme von einer großen Zahl bilden kann. Für Blockchain wir der Hash Algorithmus SHA 256 verwendet, der weitaus mehr mögliche Ergebnisse liefert, als das Weltall Atome hat. Somit ist das zufällige Übereinstimmen von zwei Hashcodes praktisch unmöglich.
Ändert man die Ausgangszahl, aus der der Hash gebildet wird, so verändert sich auch der Hashcode in unvorhersehbarer Weise. Hierbei liegt die Betonung auf "unvorhersehbar", denn das wird später nochmal wichtig.

Ein Block


Ein Block in einer Blockchain ist eine größere Datei, etwa 1 MByte, in der Datensätze über wirtschaftlich relevante Vorgänge stehen, etwa:
Firma A überweist Firma B einen festen Betrag für die Lieferung von einem Produkt.
Sind etwa 1000 solche Vorgänge aufgesammelt, wird ein Block gebildet, der an die Kette angehängt wird.

Kettenglied einhängen

Das Einhängen des neuen Kettenglieds ist der spannende Prozess! Jetzt wird nämlich vom letzten Kettenglied der Hashcode genommen und zusammen mit dem neuem Kettenglied und einem freiem Datenfeld ein neuer Hashcode gebildet.
Dabei gibt es aber eine Besonderheit: Der neue Hashcode muss mit einer festen Zahl von Nullen beginnen. Da dies aber nicht vorhersehbar ist, kommt jetzt ein mühsamer Vorgang, das Mining, ins Spiel. 

Beim Mining versucht man das freie Datenfeld so lange zu ändern, bis zufällig am Anfang des Hashcodes die gewünschte Anzahl an Nullen steht. 
Aktuell müssen es mehr als 30 Nullen sein, so dass man Milliarden von Versuchen benötigt. Dafür gibt es inzwischen Rechenzentren (z.B. Genesis Mining), die nichts anderes als diese Rechenaufgabe auf Höchstleistungsprozessoren durchführen und dabei eine Menge (öko-) Strom verbrauchen. Die Menge entspricht dem Stromverbrauch des Landes Nigeria [1]

Ist die Rechnung erfolgreich, kann das nächste Kettenglied eingehängt werden. Jetzt wird die Kette an alle Miner verteilt, das sind tausende, und alle Rechnen weiter.
Mit der Zeit entsteht so eine sehr lange Kette, die man praktisch nicht ändern kann ohne all den Rechenaufwand nochmals zu haben und zugleich ist die Kette so gut im Internet verteilt, dass kein besonderes Backup nötig ist, da tausende von Kopien existieren. Aktuell hat etwa die Kette von Bitcoin eine Größe von 130 GByte.

Eine gute englische Einführung als Video

Wie Geld entsteht

Was genau in einer Kette steht ist nicht wichtig, aber man kann selbstverständlich auch die Zahlung von Geld in die Datensätze schreiben. Bei der Blockchain Bitcoin wird sogar eine eigene Währung, das Bitcoin, verwendet. Die digitalen Münzen Bitcoin werden an die Miner ausgezahlt, wenn sie erfolgreich einen Hash gefunden haben, eine Art Entlohnung für den Rechenaufwand und die Stromkosten. Diese Bitcoins können dann weiter getauscht werden oder auch von Teilnehmern in traditionelle Währungen, wie Dollar oder Euro getauscht werden. 

Ein Hype oder eine neue Welt?

Aktuell wird für ein Bitcoin etwa 7000 Euro gezahlt. Ein völlig fiktiver Wert, da es von keiner Zentralbank einen Anspruch auf Einlösung von Bitcoins gibt. Aber ähnlich wie bei Gold oder anderen Ersatzwährungen ist entscheidend ob ich einen Handelspartner finde, der den aktuellen Preis zu zahlen bereit ist.
Prinzipiell kann man alle tauschbaren Güter als Währung benutzen, sie müssen rar und schwer zu gewinnen sein. Beides ist bei Bitcoins gegeben, es gibt aus mathematischen Gründen nur 21.000.000 Bitcoins und das Berechnen des Hashcodes ist schwer.
Da die Anzahl der Bitcoins begrenzt ist, würde ihr Wert steigen, wenn der Welthandel auf diese Währung umsteigt. 
Eine Abschätzung: Das jährliche Weltbruttosozialprodukt liegt bei etwa 100.000 Milliarden Dollar. Will man das mit Bitcoins abbilden, wäre jedes Bitcoin 100.000.000.000.000 $ / 21.000.000 Bitcoin = 4,8 Mio.$ wert!
Damit ist natürlich noch viel "Luft" nach oben. 

Aber die Sache kann auch völlig anders ausgehen. Da Bitcoins ein anonymes Zahlungsmittel sind, wird diese Währung gerne für "illegale" Geschäfte genutzt, was dazu führt, dass einige Staaten, etwa China, die Nutzung verbieten. Würde sich diese Haltung der Staaten durchsetzen, wären die Bitcoins praktisch wertlos.

Wie die Sache ausgeht, weiß ich natürlich nicht, aber ich darf verraten, dass ich (aktuell) keine Bitcoins besitze.

Fazit


Auf jeden Fall ist die Blockchain Technologie sehr wichtig um im Internet zukünftig Geschäfte zu beglaubigen. Ob sich eine Währung, basierend auf dieser Technologie, durchsetzt, kann man noch nicht sagen, da sicherlich auch wieder neue, vielleicht noch überzeugendere Ideen geboren werden.


Zum Weiterlesen im Blog:



Hinweis: Die Darstellung ist sehr vereinfachend, da die verwendeten Datenstrukturen komplex und für das Prinzip nicht relevant sind. Der Wikipedia Beitrag ist für Interessierte, auch wegen der Quellen, nützlich: Blockchain

Quellen:
[1] Blockchains Use Massive Amounts of Energy—But There’s a Plan to Fix That, 2017
MIT Technology Review