Montag, Juni 25, 2018

Bundestagswahlen 1949 - 2017

Veränderung der politischen Landschaft

Im Moment stehen die politischen Parteien in Deutschland vor einem großen Umbruch. Inhaltlich will ich das nicht weiter erläutern, aber eine neue statistische Analyse besprechen. 

Volksparteien und Ränder

Seit 1949 gibt es in Deutschland (zunächst nur in der Bundesrepublik) allgemeine und freie Wahlen. Dabei kann man die Parteien in ein Spektrum von Links bis Rechts einordnen. Das mag nicht immer ganz eindeutig sein, so will natürlich die FDP in der Mitte stehen, aber auch viel andere Parteien beanspruchen Mainstream zu sein. Jetzt zu den Fakten:
Zum Vergrößern anklicken! Wahlergebnisse seit 1949 in Deutschland (Eigene Darstellung)
  In der Abbildung findet man für jedes Wahljahr alle Parteien von unten nach oben mit Ihren jeweiligen Prozentzahlen addiert. Damit kann man viel leichter Verschiebungen zwischen politisch Links und Rechts erkennen. Oben die utopischeren Parteien, oder auch Linken Parteien, sehr breit in Rot die SPD. Oberhalb davon die Grünen und darüber die Linke. In der Mitte das gelbe Band der FDP, darunter CDU/CSU (Noch in Fraktionsgemeinschaft) darunter noch konservativere Parteien wie die AFD in Blau. Ganz am Rand habe ich Sonstige gleich verteilt und in Weiß eingetragen.

Zu Beginn der Republik waren beide Ränder ausgeprägt, es gab eine kommunistische Partei KPD und am rechten Rand verschiedene Überbleibsel aus der Weimarer Republik, etwa das Zentrum und die Bayernpartei.
Den Volksparteien ist es dann innerhalb von zwei Wahlperioden gelungen, diese Ränder zu integrieren ohne, dass sich die Trennlinie zwischen Rechts und Links massiv verschoben hätte.
Franz Josef Strauß sagte so treffend, Zwischen CSU und der Wand hat keine demokratisch legitimierte Partei Platz, was 1980 bei der Wahl mit Franz Josef Strauß als Kanzlerkandidat der CDU/CSU Wirkung zeigte, in diesem Jahr war keine weiter Rechts liegende Partei erfolgreich. 

Danach begannen Theoretiker wie Heiner Geißler die Devise auszugeben, weiter nach Links zu rutschen, um weiteres Wählerpotential zu erreichen. Faktisch gab es dabei unter Kohl ein "Optimum", die CDU/CSU zusammen mit der FDP hatten deutlich über 50%!

Parallel hat sich das Linke Lager verändert. Willy Brandt konnte das Linke Lager so weit ausschöpfen, dass zu seiner Zeit keine weiter Links liegende Partei eine Chance hatte. Unter Helmut Schmidt entstanden dann die Grünen und damit eine erste linke Alternative. Mit der Wiedervereinigung kamen dann in den Neunziger Jahren zusätzlich "Die Linke" (Vormals SED) in den Bundestag.

Diese zersplitterte Linke hatte nur unter Schröder ein kurzes Intermezzo an der Regierung. Inzwischen ist keine Linkspartei mehr über 20% schwer, wie letzte Umfragen zeigen.

Auf der Rechten Seite hat Merkel die Idee von Heiner Geißler umgesetzt und die CDU nach Links verschoben. Damit konnte Merkel mit der Union tief in das Lager der Linken vordringen. Ihr Zitat "es gibt Berührungspunkte mit den Linken" aus der TAZ bestätigt das klar.

Doch kein Weg ohne Folgen, parallel dazu entwickelt sich die Konservative AFD prächtig. Sie gleicht nicht nur die Verschiebung der CDU nach Links aus, sie schwächt sogar zusätzlich die Union. 
Entwicklung seit der Bundestagswahl 2017 (Datenquelle: INSA)

Der Trend wird aktuell noch verstärkt, wie die Umfrageresultate von INSA zeigen, jener Agentur, die die letzte Bundestagswahl am genauesten vorhergesagt hat. 
Zerfällt die Union auch noch in zwei Teile, wie bei den Linken bereits geschehen (Linke, Grüne, SPD), so gibt es vermutlich in Deutschland keine Partei mehr, die über 20% erreicht!

Die Presse sieht oft nur einzelne Ereignisse, ich sehe hier aber längerfristige Trends, die so überraschend nicht sind. Möglicherweise eine Folge des Wahlsystems, das kleinen Parteien über das Verhältniswahlrecht echte Chancen gibt und ein Symbol für eine stärker fragmentierte Gesellschaft.

Nachtrag: Und Bayern

Verfolgt man die aktuelle Politik, so ist die bayerische Regierung etwas in Panik, was die Wahlen im Herbst betrifft:
Wahlumfragen in Bayern, die AfD nagt an der CSU
Die AfD nagt am Fleisch der CSU. Und das exakt seit im Sommer 2015 der Flüchtlingsstrom begonnen hat. Daher ist die Sorge der CSU, im Herbst die Wahlen nicht zu gewinnen berechtigt, allerdings ist das Spektrum Links-Rechts auch in Bayern völlig unverändert, wenn man die Dunkle Linie oberhalb von 50% (0,5) sieht.