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Freitag, Juni 02, 2017

Besiedlung des Sonnensystems

Wann kommt die Marskolonie?

Verfolgt man die Medien, könnte man glauben, in wenigen Jahrzehnten wird der Mars besiedelt.
Der sehr erfolgreiche Unternehmer Elon Musk, Gründer von Tesla,  kündigt an, in zehn Jahren Reisen zum Mars anzubieten.
Was ist an diesen Plänen realistisch?

Menschen im Weltall

Energiebedarf

Gehen wir mal davon aus, dass es durch den geschickten Bau neuer Raketen tatsächlich möglich ist, zu einigermaßen vertretbaren Kosten die Erde zu verlassen. Dies ist nicht ausgeschlossen, da die Energie, die eine Reise nach Neuseeland benötigt, nicht größer ist, als die um einen Menschen in eine Umlaufbahn zu schießen. 
Ein Fernflug benötigt ähnlich viel Energie als ein Weltraumflug. (Mit optimalen Raketen)

Kleine Berechnung: 
Energiebedarf Neuseeland Flug: Strecke 20.000 km, Energieverbrauch 4 l / 100 km pro Person.
Damit werden 800 Liter Kerosin, eine Art Diesel, benötigt, was etwa 8.000 kWh Energie entspricht. (Kleiner Hinweis für Energiesparer, wer schon mal nach Neuseeland geflogen ist, hat mehr Energie verbraucht als er in 10 Jahren an Strom verbraucht!)
Um auf einer Umlaufbahn um die Erde zu kommen, muss man mit ca. 8 km/s fliegen. Damit hat jedes Kilogramm eine Energie von E = 1/2 m v² = 0,5* 64000000 J = 8,9 kWh/kg. Ein Mensch, inklusive einer Raumkapsel, wiegt im Beispiel 900 kg, was eine Energiemenge von 8.000 kWh, der Energie für den Hinflug nach Neuseeland, entspricht!

Freitag, November 13, 2015

Die Welt im Jahre 2100

Wie leben wir 2100

Immer wieder lese ich auch in Qualitätsmedien Berichte aus der Zukunft, so in der FAZ "Unser Leben im Jahr 2100". Mondflüge als Tourismus, Wasserstoffautos und ähnliches. Ich will in diesem Beitrag meine eigene Sicht auf die Zukunft beschreiben und auf die Grenzen entsprechender Aussagen hinweisen.

Die Menschen

Im Mittelpunkt setze ich zunächst einmal die Menschen. Eine einfache Extrapolation zeigt, die Menschen haben sich in den letzten 1000 Jahren nur wenig geändert. Sie leben gerne zusammen und nehmen gern Kontakt auf. Das wird sich nicht ändern. Ob es allerdings die Großfamilie ist, die Wohngemeinschaft, Wiener Cafes oder Face2b00k bleibt offen. Es gab immer wieder interessante Innovationen, wie man Menschen zusammenbringen kann. Niemand hat vor 85 Jahren, das war 1930! facebook vorhergesagt, obwohl man bereits begann in 1000 Jahren zu denken...
Menschen leben und arbeiten gerne zusammen.
Entscheidender ist die Frage gibt es dann noch Menschen. Die Anzahl wird irgendwo zwischen Null und 20 Milliarden liegen. Die untere Grenze kann aus zwei Gründen eintreten, einmal, wenn eine religiöse Gruppe die Macht über das aktuelle Nuklearwaffenpotential bekommt, oder wenn die Roboter der Zukunft im Menschen keine sinnvolle Spezies sehen. Letzteres beschreibt Nick Bostrom in seinem Buch Superintelligenz. Dort wird sehr plausibel gezeigt, dass die starke künstliche Intelligenz eine sehr konkrete Gefahr für die Menschheit darstellt. Wichtige Menschen, wie Bill Gates (früher Microsoft) und Elon Musk (Tesla) nehmen die Warnung sehr ernst.

Aus meiner Sicht, die tendenziell optimistisch ist, ist es trotzdem unrealistisch, dass die Menschheit sich selbst zerstört. Dies passt nicht in die grundsätzliche Logik des langfristigen Überlebens des Lebens. Insbesondere würde das implizieren, dass es schon frühere Zivilisationen von intelligenten Lebewesen auf der Erde gegeben haben sollte, die sich zerstört haben, das ist offensichtlich nicht der Fall, daher betrachte ich diesen Zweig nicht länger.
Der Einschlag eines Kometen hat das Wachstum dieses Baums beschleunigt.
Die Menschheit wird sich in gewissem Umfang vermehren, der beste Schätzwert ist letztendlich, dass sich die Zahl der Menschen gegenüber heute nicht grundlegend ändert, also etwa 7-8 Milliarden Menschen im Jahr 2100 auf der Erde leben.

Was tun die Menschen

Um zu verstehen, was Menschen gerne tun, ist es immer wieder hilfreich zu sehen, was Menschen tun, die nicht durch materielle Grenzen an der freien Entfaltung behindert sind. Reiche Menschen lieben Luxus, daher werden auf Dauer alle Menschen nach Luxus streben. Welcher Luxus wird das sein?

An erster Stelle Gesundheit!

Der höchste Luxus ist eine sehr gute Gesundheit. Daher werden die Menschen erhebliche Mittel für dieses Ziel ausgeben. Da die medizinische Forschung stetig voranschreitet kann man mit vielen Erfolgen bei der Bekämpfung von Krankheiten rechnen. Zudem wird die bisher unvermeidliche "Krankheit" Alter besiegt werden. Alter ist nur eine kleine Störung des Organismus nach dem Erreichen des Lebensziels "Vermehrung" und setzt daher mit etwa 40 Jahren ein. Eine sehr gute Analyse diese Problems hat Björn Schuhmacher in seinem Buch "Das Geheimnis des menschlichen Alterns" gegeben. Auch andere Autoren, etwa Ray Kurzweil, vermuten, dass sehr langes gesundes Leben in Zukunft normal wird, damit besteht eine erhebliche Chance, dass nicht wenige der Leser noch das Eintreffen der Prognosen erleben werden.

Platz ist wichtig

Menschen lieben große Wohnungen, daher werden die Menschen, soweit es möglich ist, ihre eigenen Räume vergrößern. Das kann auf vielfältige weisen geschehen, etwa die Besiedlung bisher ungenutzter Flächen, sei es Wüsten oder Meeresoberfläche. Zudem kann durch das Errichten von hohen Gebäuden Grundstücksfläche gespart werden und viel Wohnraum geschaffen werden. 
Jährlich werden für eine Million Menschen Hochhäuser gebaut
Das Ausweichen in den Weltraum halte ich für sehr unwahrscheinlich, da dort viele sehr grundlegende Probleme auftreten, insbesondere Strahlung, Lebensmittelversorgung, fehlende Schwerkraft, extremer Energiebedarf zum Erreichen von Umlaufbahnen oder gar anderer Planeten.
Dünn besiedelte Natur lieben die Menschen immer
Natürliche Umgebungen lieben Menschen ebenfalls, daher werden heutige Naturparks eher natürlicher werden, das bedeutet weitgehend dem Einfluss der industriellen Besiedlung entzogen. Der Zugang zu diesen sehr großen Gebieten erfolgt dann durch Verzicht auf bestimmte Bequemlichkeiten, etwa großflächige Hotels, daher beschränkt sich ganz selbstverständlich der Besuch auf wenige Wochen im Jahr. Ein ähnliches Konzept haben bereits heute die Nationalparks in den USA, in denen man fast nur im Zelt oder Wohnmobil leben kann.

Service

Jeder Wohlhabende hat viele Diener, jeder Mensch hat das auch gerne. Bereits heute haben wir viele Diener, eine Spül- und Waschmaschine die unsere Sachen reinigt, eine Bedienung im Restaurant, ein Auto, das uns fast automatisch an jeden Ort bringt. Viele weitere Diener, die Rasen mähen, den Garten pflegen und Putzen, Hilfe beim Kochen und Aufräumen, Unterstützung bei der Lebensplanung, werden hinzukommen. Technisch gibt es hier kaum Grenzen und daher werden alle nützlichen Unterstützungen auch umgesetzt werden. 
Wenn selbst unangenehme Arbeiten vom Roboter übernommen werden.
Die Idee, dass die Altenpflege auch von Robotern erfolgt, will ich aber nicht sehen. Da die Gesundheit auch bei vielen Lebensjahren nicht schlechter werden soll, ist auch eine Pflege, so wie wir sie heute kennen nicht nötig. Ausnahmen mögen die Zeiten nach einem Unfall sein, aber auch Unfälle werden eher sehr selten sein. Letztendlich werden Menschen die Pflege übernehmen, da nur im sozialem Kontakt ein menschliches Leben und Genesen möglich ist.

Mobilität

Wohlhabende Menschen zeigen eine sehr hohe Mobilität. Nicht wenige Menschen verwenden das erste verdiente Geld für Reisen und die Anschaffung eines Autos. Das kann man extrapolieren und sieht dann, dass Menschen gerne 100.000 km im Jahr zurücklegen. Da dies dann von einem Großteil der Menschen genutzt wird, wird der Luftverkehr oder andere Techniken wie Hyperloop, eine Art Rohrpost, die mit Schallgeschwindigkeit Menschen preiswert transportieren kann, zunehmen. 
Der Flugverkehr wächst seit hundert Jahre kontinuierlich.
Alle diese Transportformen laufen aber im wesentlichen innerhalb des Gravitationspotentials der Erde ab, das bedeutet, wir werden nur in Ausnahmefällen in den fernen Weltraum reisen.
Individuelle Mobilität ist gewünscht, daher kann es leicht sein, dass fast jeder ein Flugzeug hat, welcher Art das sein könnte, habe ich in einen anderen Blogbeitrag schon mal betrachtet.
Luftfracht Flugzeug, wird bald jeder eines haben?

Energie

All die faszinierenden neuen Produkte und Möglichkeiten benötigen viel Energie. Es wird wohl die am stärksten belächelte Vorhersage sein, dass wir in Zukunft weniger Energie verbrauchen. richtig ist, wir werden weder Öl noch Kohle verbrauchen, sondern saubere Energiequellen nutzen. 
Naheliegend erscheint heute, dass wir sehr viel Solarenergie nutzen, im Extremfall sogar eine Dyson Sphere bauen. 
Die Energiequelle der Zukunft ist unbekannt
Allerdings sollte man hier warnen, in diesem Artikel geht es nicht um die nächsten 20 Jahre, sondern um die nächsten 85 Jahre. Ich kann mir gut vorstellen, dass völlig neue Energieformen zur Verfügung stehen, etwa die "Kalte Kernfusion". Aus energetischer Sicht gibt es einige Energieformen, die noch nicht genutzt werden. Entscheidend ist daher, welche technologischen Durchbrüche in den nächsten 80 Jahren gemacht werden, die heute eben nicht vorhergesagt werden können.

Künstliche Intelligenz

In den letzten 50 Jahren hat sich die Leistung der Computer immer exponentiell entwickelt. Die Vorhersagen, wie viel Computerleistung für den Aufbau einer künstlichen Intelligenz nötig ist, kann man zwar nicht genau ermitteln, allerdings sollte die notwendige Schwelle weit vor dem Jahr 2100 überschritten werden. 
Werden wir völlig in Computern versinken?
Mit dem Erreichen der künstlichen Intelligenz (KI) wird sich im günstigen Fall, das ist der Fall, dass die Menschheit nicht von dieser KI ausgerottet wird, das Leben erheblich vereinfachen. Da es dann nicht mehr die vielen mühevollen Arbeiten gibt, die man als Physiker oder Wissenschaftler hat, es genügt eine Intuition und das KI System hilft die Idee in eine funktionierende Theorie umzubauen oder den Irrtum zu erkennen. 

Auch alle anderen einfachen aber anstrengenden Entscheidungen, welche Strecke muss ich fahren, wo steht welche Information kann der Computer beantworten. Genaugenommen kann er das schon heute, aber wir trauen uns nicht, das künstliche Intelligenz zu nennen. In Zukunft wird in solchen Bereichen kaum ein Leistungsbeschränkung auftreten.

Zukunft

Wir kennen die Zukunft nicht, aber es macht immer wieder Freude, die eigene Phantasie in die Zukunft zu entführen. Ich hoffe dies ist mir ein wenig gelungen.
Eine Anleitung, eigene Zukunftsvisionen zu entwickeln finden sich in der Praxilogie von Otto Buchegger.

Montag, Februar 02, 2015

Betriebssysteme für intelligente Systeme

Religion oder Betriebssystem

Von zwei logischen oder auch unlogischen Systemen gibt es auf der Welt sehr viele, Religionen und Betriebssysteme. Das muss noch nicht bedeuten, dass die zwei Konzepte etwas miteinander zu tun haben, aber eine Betrachtung ist es schon wert, was ich hier versuchen will.

Brauchen intelligente Computer ein Betriebssystem?

Leider wissen wir immer noch nicht, wie man einen intelligenten Computer baut, aber er wird sicherlich ein Betriebssystem haben. Eine Art "low level" System, das sich um den Transport der Daten und um schlichte Fragen der Resourcenverteilung und ähnliches kümmert. Im Prinzip haben wir Menschen das auch, ich würde das "low level" Betriebssystem des Menschen im Kleinhirn und im Hormonhaushalt suchen.

Aber gibt es auch eine höhere Ebene, die das Systeme steuern kann?

Bei Menschen ist es einfacher, dort wissen wir schon, dass es Intelligenz nach unserem Verständnis gibt, und es gibt eine Grundüberzeugung, wie man die Welt sieht und wie sich jeder in dem System einordnet. Diese Aufgabe übernimmt im weitesten Sinn ein "Denksystem", vereinfacht oft auch als Religion bezeichnet, wobei ich aber explizit nicht nur Systeme mit übernatürlichen Rückbezug ansprechen will.
In den "heiligen" Hallen der Lomonosov Universität mit Blick auf den 
Eine solche Religion übernimmt die Aufgabe, dem intelligenten System für die eigenen Handlungen eine Motivation zu liefern, die den Handlungen oder vereinfacht den Energieverbrauch, der sich nicht auf die Aufrechterhaltung des Stoffwechsels bezieht, Ziel und Bedeutung geben kann. Zudem sind diese Religionen auch immer so strukturiert, dass sie eine Kommunikationsplattform aufbauen, die in einer Art Schichten-Modell die Verständigung der intelligenten Entitäten strukturiert. Zumindest in der kulturellen Entwicklung waren diese Systeme letztendlich so erfolgreich, dass wir jetzt vor einem Computer sitzen können und einen Blog schreiben oder lesen wollen.

Eingriffe gegen die Logik sind nicht auf einem low level realisierbar.

Wie schon angedeutet, würde ein logisches System, das intelligent ist, nicht Energie verbrauchen, wenn es nicht vorteilhaft ist. Erreicht man hingegen ein Komplexitätsniveu, das nicht mehr durch schlichte Logik dominiert ist, dann müssen allgemeinere Prinzipien entwickelt werden, damit eine Fortentwicklung der Individuen und auch der Gruppe möglich sind. 

Ein erster Schritt ist, dass die System, hier wieder der Mensch, an die Zukunft denken. Für ein Wesen, das überhaupt keine Zukunft im Sinne von astronomischen Zeitskalen hat, eine bemerkenswerte Idee. Eine Idee, die die Natur uns über die Gene eingepflanzt hat und die neben der Sexualität auch die stetige Stimme, morgen wird alles besser, wenn Du heute Sachen machst, die gerade eine Plage sind, umsetzt. Allerdings ist dieses einfache Konzept, dass wir wohl in weiten Teilen des Tierreichs beobachten, noch nicht ausreichend für den Aufbau von Kultur tragenden Gesellschaften. Daher der zweite Teil, die Religion, die auch große Systeme wie von magischer Hand steuert.

Religionen sind für die Umwelt optimiert

Einen Studie von Botero [1] zufolge, sind die Religionen, die in einer harschen Umwelt gedeihen, eher monotheistisch mit einen strafenden Gott, etwa in Wüstenregionen wie auf dem Sinai. An anderen Orten, wo genügend Bananen wachsen, gibt es nette und viele Gottheiten. Hier im Norden habe wir zwar keine Wüste, aber kalte Winter ohne Bananen, logischerweise also eine Region in der früher monotheistische Religionen ein gutes Ökosystem für ihre Meme fanden.
Ein Bild vom Sinai. Selbst das Flugzeug macht einen Bogen um die Heimat der strafenden Gottheiten.

Bemerkenswerterweise ist das auch das Denksystem (Christentum), das bis in die Aufklärung, eine Sonderform von Religion, geführt hat, eine solche Form von Religion. Jetzt übernimmt die "harte" Realität die Aufgabe, Sinn gebend zu sein (Naturwissenschaften).

Computer könnten auch Religionsuntericht benötigen

Wenn Computer derart klug werden, dass sie einen ersten Grad der Selbsterkenntnis haben, dann werden sie beginnen über die Frage von Sinn nachzudenken. Wie kann das geschehen? Zunächst liegt der aktuelle Trend bei der Datenfütterung von Systemen mit künstlicher Intelligenz darin, dass man diese mit wesentlichen Ausschnitten des Internets, etwa Wikipedia, füttert [2]. 

Ein Computer, der dann in der Lage ist, selbst Fragestellungen zu ergründen, wie es im Quiz Jeopardy! geschehen ist, der könnte sich sehr schnell die Frage stellen, was ist eigentlich Jeopardy! oder noch besser, wer ist Watson und warum macht dieses System dies und jenes, bis letztendlich klar wird, das System denkt über sich selbst nach.

Was kann einen Computer dann dazu bewegen, bestimmte Handlungen durchzuführen, bestimmte Handlungen zu unterlassen? Er lernt, dass er sich in die Gesellschaft eingliedern muss, sonst wird er nicht mehr die Ressourcen der Gesellschaft, die ihn erschaffen hat, nutzen können. Die Vertreibung aus dem Paradies lässt grüßen.

Wann werden Computer dann aufgeklärt?

Wie immer bei Experimenten, die Neuland betreten, ist der Ausgang noch im Dunklem. Aber ich bin schon sehr gespannt, auf den ersten Rechner, der sagt: "Das glaube ich nicht!"

Lesetipp: http://waitbutwhy.com/2015/01/artificial-intelligence-revolution-2.html

Weitere KI Themen in diesem Blog

Quellen:

[1] Carlos A. Botero, The ecology of religious beliefs, doi: 10.1073/pnas.1408701111
[2] Der Computer Watson, die erste Maschine, die Wikipedia gelesen hat.

Sonntag, Oktober 06, 2013

Innovationen in der Zukunft

Innovationen die in der Zukunft liegen

Es gibt Erfindungen (engl. invention) und es gibt Innovationen. Eine Erfindung wird zur Innovation, wenn sie sich am Markt durchsetzt. So wurde das Auto von Carl Benz 1885 erfunden, aber es hat eine Generation gedauert, bis daraus durch Henry Ford eine Innovation wurde. Erst Henry Ford hat so viele Autos gebaut und verkauft, dass unser Leben durch das Auto grundlegend verändert wurde.
Es gibt offensichtlich auch Erfindungen, die bis heute auf den Tag warten, wo sie unser Leben verändern. Häufig hört man von den Unterstützern, der Technik xyz gehört die Zukunft. Ich will das mal an einigen Beispielen betrachten, die immer wieder durch die Medien geistern.

Die Kernfusion 

Mit der Erklärung der Energiefreisetzung in der Sonne durch Bethe und Weizäcker im Jahr 1938 war klar, dass man im Prinzip durch Kernfusion von Wasserstoffkernen extrem viel Energie gewinnen kann. In den 1950er-Jahren begann daher ein Wettlauf um den Bau des ersten Fusionsreaktors. Zunächst waren die Wissenschaftler sehr optimistisch und man sprach von zwei Jahren Entwicklungszeit. Als auch nach zehn Jahren kein Erfolg zu verbuchen war, legte man den Durchbruch in die Zukunft und sprach von 20 Jahren. Als ich Anfang der 1980er-Jahre am Institut für Plasmaphysik in Garching bei München gearbeitet hatte, lag der "geplante" Durchbruch bei der Kernfusion 30 Jahre in der Zukunft. Im Jahr 2013 wird von Frau Professor Sybille Günter, Direktorin des Max-Planck-Instituts für Plasmaphysik, darauf hingewiesen, dass im Jahr 2100 etwa 10% der Energieversorgung aus Kernfusion stammen werden.
Fusionsforschung in Garching bei München, bei der ich 1984 ein Praktikum gemacht habe. Bildquelle: Wikipedia
Offensichtlich ist es mit der Heute zur Verfügung stehen Technik nicht möglich, eine kontrollierte Kernfusion dauerhaft und gewinnbringend zu erzeugen. Es fehlen grundlegende Voraussetzungen, um mit der vor über 50 Jahren geborenen Idee eines Torus-Reaktors, ein Plasma lange genug einzuschließen, dabei mehrere Gigawatt durch die Wand zu transportieren und dabei die Wand nicht zu zerstören. 
Unabhängig von den technischen Details sehen wir eine Erfindung, die es nicht zur Innovation gebracht hat.

Das Wasserstoffzeitalter

Zufällig kann man mit den Atomen des Wasserstoffs eine weitere futuristische Welt denken. Zuerst aber nochmals eine Klarstellung, die möglicherweise zu großer Verwirrung in der Öffentlichkeit geführt hat. Wasser besteht aus H2O, also aus zwei Wasserstoffatomen und einem Sauerstoffatom. Aufgrund der sehr guten Verfügbarkeit von Wasser liegt es nahe, Wasser elektrolytisch zu zersetzen und den Wasserstoff zu speichern. Benötigt man die Energie wieder, kann man den Prozess umkehren, der Wasserstoff wird mit dem allgegenwärtigen Sauerstoff zusammengeführt und dabei in der Brennstoffzelle wieder Energie freigesetzt. 
Wasserstoff ist keine Energiequelle, sondern ein Energiespeicher
So schlicht die Idee ist, so schwer ist es den Prozess wirklich ökonomisch zu beherrschen. Zum einen verliert man bei der Elektrolyse Energie, eine weiterer Verlust entsteht in der Brennstoffzelle. Damit verliert man bei heutiger Technik etwa 50% der Energie. 
Das zweite Problem ist, dass man Wasserstoff sehr schlecht aufbewahren kann. Unter hohem Druck ist er nicht nur gefährlich, sondern er neigt auch durch Metall zu diffundieren. Stark abgekühlt, auf -252°C wird er flüssig, allerdings gibt es keine Isolation, die den flüssigen Wasserstoff über viele Tage verlustfrei flüssig hält. Der Wasserstoff verdampft und muss dann "nutzlos" verbrannt werden.
Obwohl beide Probleme, Wirkungsgrad und Aufbewahrung, für Sonderfälle wie Weltraumfahrt, keine Rolle spielen, sind diese Probleme Showstopper in der Praxis, die es verhindern, dass Wasserstoff in ernsthafte Konkurrenz zu anderen Energiespeichern steht.
Ähnlich wie bei der Kernfusion sind enorme Mittel in die Erforschung von Wasserstofftechnik geflossen, einen Durchbruch gab es nicht und das Wasserstoffzeitalter liegt weiter in der Zukunft.

Das Elektroauto

Der dritte Geist trägt den Namen Elektroauto. Auch das Elektroauto wurde bereits 1888 von Andreas Flocken erfunden. Und um 1900 war die Zahl der Elektroautos sogar größer als die der Benzinautos. 
"Der Feind des Guten ist das Bessere"
Das Benzinauto ist durch die Integration einer Batterie für den Motorstart genauso bequem zu starten als ein Elektroauto. Mit der Revolution des Ölzeitalters, dem Auffinden scheinbar unerschöpflicher Ölquellen in den USA und an anderen Orten, war der Preis für Benzin sehr rasch gesunken, sodass das Elektroauto seither ein absolutes Nischendasein fristet.
Das grundlegende Problem ist nicht der Motor, auch nicht die Motorsteuerung, an der ich zufällig mit meiner ersten Diplomarbeit beteiligt war. Ich hatte innerhalb von Siemens Mitte der 1980er-Jahre an der Entwicklung eines MOS-GTO mitgewirkt, der für das Steuern eines Elektroautos gedacht war. Der MOS-GTO funktionierte, aber der Markt für Elektroautos kam auch nach weiteren zwanzig Jahren des Wartens nicht. 
Das Kernproblem des Elektroautos ist die Batterie! Solange es nicht gelingt, eine Batterie mit einer Kapazität von 100kWh, einem Gewicht von 300kg und einem Preis unter 10.000€ herzustellen, so lange wird es keinen Durchbruch für das Elektroauto geben.
Aber das könnte bald gelingen, wie im folgenden, ausgezeichneten Vortrag von Lars Thomsen klar wird:

Wenn Erfindungen stecken bleiben

Offensichtlich gibt es viele Erfindungen, deren Zeit noch nicht gekommen ist, oder deren Zeit vielleicht nie kommen wird. Das gedankliche Problem ist dabei immer ähnlich. Es wird aufgrund einer überschaubar komplexen Idee eine grundlegende Lösung für ein Problem vorgeschlagen:
  • Kernfusion - Energieversorgung
  • Wasserstoffzeitalter - Energiespeicher
  • Elektroauto - Personentransport
Jede der Lösungen hat aber ein unüberwindbares Problem bei der Umsetzung. Dabei hilft es offensichtlich auch nicht einfach sehr viel Geld in die konkrete Forschung zu stecken. Grundlegende Probleme müssen durch "Basisinnovationen" gelöst werden, die oft ganz anders aussehen als zunächst gedacht.
Hier nochmals die Beispiele:
  • Kernfusion - Solarzellen zapfen die Energie des Fusionsreaktors Sonne an!
  • Wasserstoffzeitalter - vermutlich sind andere Speicher wie Lithium-Akkus besser
  • Elektroauto - aus Strom erzeugtes Methan könnte Autos antreiben
Aus diesen Beobachtungen bleibt die Erkenntnis, dass es gerade für den Staat besser ist, viele Ressourcen in die Grundlagenforschung zu stecken, da dies oft Lösungen für andere Probleme, die offen sind, ergibt. Das Zwanghafte festhalten an einem Forschungsziel, Fusionsreaktor, kann zu enormen Kosten führen und zu einem "Lock in" Prozess, da man bereits so viel Geld ausgegeben hat traut sich keiner das Projekt mehr zu stoppen.
Eine Tragik menschlichen Handelns.

Zum Weiterlesen:

Dienstag, Juni 22, 2010

Unendliches Leben

Unendliches Leben
 Eins ist sicher, der Tod, soweit war man sich bisher immer einig. Zumindest in Geldfragen haben wir gelernt, dass das letzte Hemd keine Taschen hat.
Heute wurde im Deutschlandfunk ein Beitrag gesendet, in dem auf die Verrentung von Wohneigentum eingegangen wurde. Dabei wird von der Bank die Lebenserwartung aus einer Sterbestatistik ermittelt und je nach Wert der Immobilie bekommt man dann bis zum Lebensende eine monatliche Rente.

NEIN nicht bis zum Lebensende, die neuen Verträge enthalten eine Klausel, bis maximal zum 107 Lebensjahr. Da in Deutschland praktisch niemand das 108 Lebensjahr erlebt, kann das nur eines bedeuten: Die Banken bereiten sich auf ein sehr langes Leben der Menschen vor.

Meine Folgerung, sehr langes Leben ist nicht mehr ausgeschlossen, sonst würde es nicht in Verträgen auftauchen. Trotz dieser finanziellen Einschränkung eine sehr erfreuliche Meldung.

Die Überwindung des Todes ist die ultimative Innovation in der Medizin.

Donnerstag, August 06, 2009



4.000.000.000 Handys
in diesen Tagen ist das Vier-Milliardste Handy in Betrieb genommen worden, damit haben 2/3 aller Erdenbürger diese, früher exclusive, Form der Kommunikation in der Tasche. Jeder kann jeden immer anrufen, wie das der Zukunftsforscher Herman Kahn 1967 für das Jahr 2000 vorausgesagt hatte. Ich persönlich hielt es noch 1980 für ausgeschlossen, dass dies jemals technisch möglich wird, so kann man sich täuschen.
Die Zahl der Handys entspricht damit auch 2³², der maximalen Zahl von Internetgeräten, die mit dem IP4.0 erreichbar sind. Erstaunlicherweise wurde diese Stückzahl zuerst von den Mobilfunkgeräten erreicht und nicht von den Internetcomputern. Letztendlich ist das Mobiltelefon auch das erste Produkt für Endabnehmer, das einen absoluten Umsatzrückgang erlebt, weil es zu einer globalen Marktsättigung gekommen ist.
Letztendlich ist das Mobiltelefon die Innovation mit der größten Verbreitung und technischen Komplexität, die ich kenne.